anders aussehen, als dass man alles dafür tut, dass die Juden in Deutschland als ganz normale Mitbürger akzeptiert werden?
Die genauso das Recht haben, ihre Forderungen zu stellen, wie andere gesellschaftliche Gruppen - ohne dafür mit dem Hinweis auf die Vergangenheit (wie pervers) oder gar aufgrund "rassischer" Merkmale als Abzocker und Erpresser geschmäht zu werden.
Die genauso das Recht haben zu Gott und der Welt ihre - auch aus ihrem Glauben und der Jahrtausende währenden Verfolgung heraus begründete - Meinung zu sagen, wie jeder andre auch, ohne dass ausgerechnet die Nachkommen der Täter von ihnen verlangen, dass sie ja aufgrund ihrer Erfahrung der systematischen Vernichtung eine besondere Bescheidenheit an den Tag zu legen haben bzw. die besseren Menschen zu sein haben, als andere, um nicht zu auffällig zu werden, weil das ja den Antisemitismus fördern könnte. (Wie albern Menschen sein können!)
Und gegenüber Israel bedeutet diese Verantwortung: Den Anspruch der Juden auf ein friedliches Leben in gesicherten Grenze grundsätzlich zu akzeptieren und zu unterstützen. Das heißt nicht: Sie nicht kritisieren zu dürfen, wenn man der Meinung ist, dass ihre Besatzungspolitik und ihre Siedlungspolitik friedensverhindernd wirkt und brutale Züge trägt. Aber auch hier gilt: ein "ausgerechnet die Juden, mit ihrer Holocaust-Erfahrung!" ist absurd. Das insinuiert: Nun hat doch Hitler alles versucht, euch zu besseren Menschen zu erziehen, und nun das!
Juden sind auch nur ganz normale Menschen (wie banal - aber offensichtlich bei einigen immr noch nicht angekommen) mit ihren Fehlern. Auch das zu akzeptieren, gehört zur Lernerfahrung der Nachkommen der Täter. Aber die Wutzlebens&Co sind ja nach wie vor dabei, am Mythos von den Juden als Abzocker und Drahtzieher verschrobener Weltverschwörungen zu basteln.
Es gehört zur Normalität auch dazu, dass man akzeptiert, dass auch die Juden in ihren Reihen mit "von Wutzlebens" gestraft sind. Auch das ist kein "Privileg" anderer Völker. Dummheit ist nicht völkerspezifisch verteilt. Aber so wie Wutz sich nicht zum typischen Deutschen hochstilisieren kann, ist der politische Fanatiker, der Glaubensfanatiker, der Großraum-Nationalist nicht ein "typisch israelisches" Phänomen.
Verantwortung heißt: Das alles wahrzunehmen und anzuerkennen - im übrigen auch, dass es ein berechtigtes Interesse der noch lebenden Opfer der Nazis und deren Nachfahren für Wiedergutmachung für Enteignung und Ausbeutung dort gibt, wo dies noch möglich ist. Auch dies, ohne dass dieses Recht mit dem typischen rassistischen "Juden sind geldgierig"-Verweis geschmäht wird. (Die Indianer in den USA haben wesentlich länger gebraucht, bis mal irgendjemand von dem an ihnen begangenen Unrecht Notiz genommen hat. Da lebte dann weder jemand von der Täter- noch von der Opfergeneration noch. Da mussten auch spätere Generationen für die Untaten der früheren Verantwortung und Lasten übernehmen. So ist das nunmal manchmal in der Geschichte.)
Und jedes Mal, wenn so ein Thread wie dieser eröffnet wird, zeigt sich, wie viele von dieser Verantwortung keinen Schimmer haben. Solange das so ist, muss auch ein blindfish mit der "schweren Last" des Fingerzeigs leben können. Juden haben 2000 Jahre lang wesentlich mehr ertragen müssen, ohne dass sie einer solchen historischen barbarischen Entgleisung bezichtigt werden könnten, wie sie in Deutschland vor noch nicht einmal 70 Jahren passiert ist.
Gemessen daran, was aus Deutschland nach 45 hätte werden können, wenn wir nicht soviel an "Geist der Verzeihung und Versöhnung" bei den Siegermächten und Opfern erfahren hätten, sind wir doch verdammt gut weggekommen. Da ist das bisschen historische Last, wie ich es oben beschrieben habe, nun wirklich erträglich...
Gruß BarCode