In Premiumforum von Mr-Market.de findet zur Zeit eine recht interessante Diskussion statt zur Frage, ob Value-Investing ala Warren Buffet als Privatanleger möglich ist, sprich ob man den Erfolg von Buffet eigentlich nachbilden könne.
Die Antwort des Forum-Chefs zu dieser Frage ist sehr nachdenkenswert und hat mich zu der Frage geführt: Wie ist eigentlich die Aktie der Deutschen Post auf dem jetzigen Kursniveau unter "Valueaspekten" einzuordnen, wobei ich unter Valueaspekten mal die Definition von Frank Fischer vom Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen verwenden will - den Kauf einer Aktie mit einer ausreichend großen Sichermarge nach unten, weil der Markt den wahren Wert der Aktie im Preis leider noch nicht würdigt. Und daran schließt sich dann gleich eine zweite Frage an: Mancher von uns schaut sich auch die Bilanzzahlen der Deutschen Post an, der eine mehr (wie Chartlord) und der andere weniger. Unterliegen wir alle möglicherweise nicht einem großen Irrtum, wenn wir meinen, aus den rudimentären Informationen, die wir (als Laien und ohne Zugang zu zusätzlichen Infos des Managements) der Bilanz entnehmen können und die wir zu interpretieren versuchen, Rückschlüsse auf den wahren Wert des Unternehmens ziehen zu können?
Hier der Diskusionsbeitrag aus dem Premium-Forum von www.mr-market.de:
"....Mein Punkt dreht sich nicht um Value-Investing an sich, sondern um die Illusion vieler Privatanleger, es mit geringem Aufwand selbst tun zu können. Denn dieser Investmentansatz ist von allen der mit den höchsten Anforderungen an fachliche Fähigkeiten, zeitlichen Einsatz und Kapitalkraft. Nehmen wir mich als Rohmodell. Ich war Vorstandschef einer AG und auch im M&A Bereich tätig. Und war im M&A Umfeld mittendrin, wo börsennotierte Unternehmen zerlegt und veräussert wurden. Ich verstehe also, wie Investoren eine Firmenbewertung vornehmen und bin dazu selber in der Lage. Ich habe also die fachlichen und erfahrungstechnischen Voraussetzungen, um eine Safety Margin überhaupt kompetent identifizieren zu können. Weiterhin arbeite ich Fulltime an den Märkten, habe also auch theoretisch die Zeit dazu, diese anspruchsvollen Bewertungsfragen vorzunehmen und mich inhaltlich mit den Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. Ich habe also wahrscheinlich eher als 99,99% der privaten Anleger, die fachlichen und zeitlichen Voraussetzungen dafür, Value-Investing zu betreiben. Und trotzdem versuche ich es nicht, weil mir bewusst ist, dass mir ein entscheidender Baustein fehlt, um es erfolgreich umsetzen zu können. Mir fehlt die Kapitalkraft hinter mir, damit ich direkten Zugang zu den Unternehmen und zum Management bekomme. Und ohne diesen Zugang geht es nicht. Eine seriöse Firmenbewertung ohne Kenntnis des Managements vorzunehmen, ist einfach unmöglich. Buffet hat es nie in seinem Leben ohne diesen Zugang getan. Und kein einziger Finanzinvestor der Welt, wird einen Cent in ein Unternehmen stecken, wenn er nicht vorher einen Eindruck vom Management hat. Nur einem direkten Mitbewerber kann das egal sein, weil die wirft er einfach raus. Aber selbst in dem Fall, ist das hoch riskant und wird von den übernehmenden Unternehmen vermieden. Ich könnte also trotz meiner fachlichen Qualifikation nur dann einen Value-Investing Ansatz verfolgen, wenn ich zumindest Fond-Manager wäre oder einem grossen Family-Office vorstehe, so dass mich die Firmen als Gesprächspartner empfangen und ernst nehmen. Wenn man sich das klar macht, wie jemand mit meinem Background das Thema sieht, kann man wirklich nur schmunzeln, wenn private Anleger mit normalem Beruf, am Feierabend dann ihre in der Grundschule erworbene Fähigkeit des Lesens von Zahlen einsetzen, um Werte wie KBV abzulesen, nach dem Motto "kleiner 1 ist gut" einzuordnen und sich dann als Value-Investor zu fühlen. Das ist schlicht absurd. Statt dieser Illusion aufzusitzen, wären sie besser beraten, ihr Kapital in einen Wirklich guten Value-Fonds anzulegen. Fazit: Value-Investing funktioniert. Aber nur für Profis mit Kapital im Rücken, Fleiss, Zeit und fachlichen Fähigkeiten bei der Firmenbewertung. Die übergrosse Mehrheit der Anleger hat diese Voraussetzungen nicht...."
Soweit der Beitrag. Bleibt nun die Frage: Was ist wohl gegenwärtig der wahre Wert der Deutschen Post und sind wir tatsächlich in der Lage, ihn auch nur annähernd mit unseren bescheidenen Kenntnissen einschätzen ? |