- Warum Conergy trotz Vollauslastung so wenig Gewinn erwirtschaftet ( und warum es bei anderen PV-Firmen besser läuft )
Das ist wohl die wichtigste Frage überhaupt. Es ist wohl so, dass Conergy in Q2 im Frankfurter Werk einen operativen Verlust in zweistelliger Mio. erzielt haben dürfte trotz Vollauslastung. Richtig beurteilen kann man die Zell/Modulproduktion des Frankfurter Werkes leider nicht, da Conergy überhaupt keine Zahlen bekannt gibt. Keine Produktionszahlen und keine Produktionskosten. So etwas nenne ich Intransparenz und zwar gewollt. Alle anderen deutsche Zell/Modulproduzenten nennen diese Zahlen. Vorbildlich sind vor allem darin Centrosolar, Sunways oder auch Aleo Solar. Auch Solarworld gibt einen guten Einblick dazu. Bei Conergy ist da leider Fehlanzeige angesagt und das zwar gewollt vom Ammer. Ich bin absolut der Meinung, dass die Unternehmensgröße im Frankfurter Werk mit einem jährlichen Ausstoß von maximal 250 MW mittlerweile einfach zu klein ist. Die wesentlich größere Konkurrenz hat doch ganz andere Möglichkeiten in die Forschung, Produktion und Vertrieb Geld zu stecken und dazu haben sie noch wesentlich bessere Einkaufskonditionen. Das nennet man Skaleneffekte und die kann man sehr gut bei den Q2-Ergebnissen beispielsweise von Solarfun oder Yingli erkennen. Bei anderen Unternehmen läuft es halt besser, weil die ein höheres Produktionsvolumen haben und auf neuerem Produktionsequipment produzieren.
- und ob dies sich in absehbarer Zeit positiv ändern könnte, und wenn ja, was die Bedingungen dafür sein müssten
Es gibt eigentlich drei Gründe dafür warum Conergy bei der Zell/Modulproduktion in Q2 relativ große operative Verluste eingefahren hat. Erstens sind die Abschreibungen recht hoch (im Jahr rd. 14 Mio. € nach meiner Schätzung - von Conergy gibt es dazu leider keine Details), zweitens sind durch den schwachen US-Dollar in Q2 die Waferpreise auf Basis des Euros angestiegen und drittens sind auch die Waferpreise aufgrund der hohen Nachfrage in Q2 um rd. 5% gegenüber Q1 auf Dollarbasis angestiegen. Die zwei letzt genannten Gründe waren dann wohl mitverantwortlich warum die Bruttomarge in Q2 um 7% auf nur noch 24% gefallen ist. Bei den außerordentlichen Gewinnen konnten jedoch vor allem die Preiserhöhungen aufgrund des schwachen Euros wieder wettgemacht werden, da Conergy in Q2 nicht liquiditätswirksame Währungsgewinne in Höhe von 10 Mio. € erzielt hat. Denke mal, die Bruttomarge dürfte in Q3 wegen des stärkeren Euros wieder besser werden, aber die Waferpreise (machen immerhin rd. 35% der Produktionskosten aus) sind auch im August noch mal angestiegen, während die Modulverkaufspreise stabil blieben. Auch andere Materialien wie das Antireflexglas oder Energie sind weiter am steigen, so dass ich nicht davon ausgehe, dass Conergy. wieder über eine Bruttomarge über 30% kommen kann. Allzu viel Spielraum hat halt Conergy in ihrer Zell/Modulproduktion nicht. Da sieht es halt für die vertikal vollintegrierten PV-Unternehmen wie Solarworld, Yingli oder Trian Solar wesentlich besser, denn diese Unternehmen können entlang der kompletten Wertschöpfungskette von der Siliziumproduktion über Wafer bis zu den Modulen ihre Kosten senken. Diese Möglichkeiten hat Conergy nun mal gleich gar nicht und hat dazu hat Conergy noch das Problem , dass man noch um einiges kleiner ist wie diese PV-Unternehmen. Einen Ausweg aus dieser Misere kann ich nicht erkennen und offenbar die Banken auch nicht, denn sonst hätten die sich schon längst geeinigt. So ähnlich geht es aber den anderen rd. 30 Modulbauern in Deutschland auch, nur dass diese keine so riesigen Schulden vor sich her tragen.
- eine mögliche Kapitalerhöhung und die damit verbundene Verwässerung nicht auch später den Kurs der Aktie nach oben treiben könnte, da ja durch die KE mehr Geld zur Verfügung stehen würde
Eine Kapitalerhöhung muss ja nicht immer das Schlechteste sein, denn wenn Conergy die Verbindlichkeiten nicht senken kann, dann gibt es eh nur noch den Weg in die Insolvenz. Jedoch ist davon auszugehen, dass die Banken, die ihre Kredite in Conergy-Aktien umwandeln, schon einen gewissen Risikoaufschlag verlangen werden. Die KE von Centrosolar oder Phoenix Solar im Juni/Juli diesem Jahres haben beispielsweise um rd. 5 bis 10% unter den damaligen aktuellen Kursen stattgefunden. Sollte es zu einer Umwandlung von Krediten in Aktien kommen, dann fließt ja Conergy kein frisches Geld zu, denn es fließt ja kein Geld. Bilanziell wird nur die Passivseite entlastet.
- Welchen Weg Du bestreiten würdest um Conergy imaginär als Chef zu " retten". Also jetzt mal positiv gedacht, einen Weg aus dieser Misere zu finden - außer den der Insolvenz, logisch.
Ich sehe da keine großen Spielräume um Conergy zu retten. Das Jahr 2010 war eine Verschnaufpause bei PV, vor allem wegen des PV-Booms in Q2 in Deutschland. Im nächsten Jahr wird es nach meiner Einschätzung ans Eigemachte gehen. Ich glaube, dass Conergy nur durch eine Fusion gerettet werden kann. Für mich ist Conergy mit dieser kleinen Produktionsgröße von jährlich 250 MW ganz einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Conergy hätte sich früh genug eine Marktnische suchen müssen um anständige Gewinnmargen erzielen zu können. Centrosolar hat sich mit ihrer jährlichen Produktion beispielsweise auf kleine Aufdachanlagen konzentriert (bauen auf Aldi-Filialen in diesem Jahr rd. 8 MW Aufdachsolaranlagen), Schüco Solar baut in Fassaden Solarmodule ein oder die Solar Fabrik kauft komplette Zellen aus China ein und baut nur noch nach den notwendigen Erfordernissen die Module zusammen (somit ist das Geschäftsmodell bei weitem nicht so risikobehaftet). Ohne Fusion sehe ich für Conergy keine große Chance, selbst wenn die Schulden nur die Hälfte betragen würde. Der Kostenblock für das Frankfurter Werk ist einfach zu hoch und dazu muss man permanent in die Entwicklung und in das neuste Produktionsequipment investieren und das bei dieser relativ kleinen Produktion. Das lohnt sich halt dann nicht.
Zum Abschluss muss ich aber sagen, dass bei Conergy die Transparenz der Geschäftsbereichte wirklich nicht hoch ist. Im Geschäftsbericht wird nur das aufgeführt was auch nach den Regularien aufgeführt werden muss. Kein Wort mehr. Es gibt gar keine Segmenteninfos über Umsatz und EBIT für die Geschäftsfelder Modulbau, Gestellbau, Solarparks und Wechselrichter. Bei Conergy wird alles in einen Topf geworden. So etwas ist dann schon sehr enttäuschend für einen Aktionär. Diese gewollte Intransparenz macht es noch zusätzlich schwer Conergy einzuschätzen. Dazu kommt noch, dass man nichts weiß wie es mit Epuron weitergehen soll. Epuron soll zwar nach Angaben vom Ammer seit 9 Monaten verkauft werden, aber bei Epuron wurden in 2010 so gut wie keine Umsätze erzielt, aber dafür ein Verlust von 3,5 Mio. € eingefahren. Das riecht doch nach einer Aufgabe bzw. einer Insolvenz von Epuron. Das würde für Conergy zusätzliches Geld kosten und die Banken, die dort einige Kredite drin haben, wären ganz sicher nicht allzu erfreut darüber. Das alles rund um Epuron ist jedenfalls sehr merkwürdig und steckt dann auch eine gewisse Brisanz dahinter, die man nicht unterschätzen sollte. |