"Ein weiteres Beispiel, Werner, wie heutzutage mit der Analyse von wichtigen Entscheidungen/Nachrichten umgegangen wird, das heißt dann Neubewertung - lächerlich!"
Das ist ja klar, das erleben wir doch täglich. Der Ölpreis oder Euro fällt: Katastrophe oder super. Der Ölpreis oder Euro steigt: Katastrophe oder super. Der Leitzins fällt um sagenhafte 0,5% auf 0%: Megakatastrophe für alle deutschen Sparer. Die verlieren jetzt alle sofort ihr Erspartes und müssen in Aktien umsteigen - sagt BILD. Andererseits ein paar Erleichterungen für Banken zum Geld leihen (wozu auch immer, die geben ja angeblich gar nichts an die Wirtschaft weiter): Eine gigantische Vermögensumverteilung von Nord nach Süd in der EU. Niedrigzinsen: Immobilienblase, OMG!
Ich denke, wir müssen von dreierlei ausgehen:
1. Volkswirtschaft und insbesondere das Finanzwesen ist keine exakte Wissenschaft, sondern eher so Schwätzzeugs wie Theologie, Literatur, Politologie, Soziologie, etc. Jeder darf labern, was er will. Was im Falle Theologie, etc. ja wurscht ist, im Falle Volkswirtschaft und Finanzwesen aber Hundert mal wichtiger für unser Leben ist.
2. Außer den paar wenigstens gelernten Gelehrten tummeln sich auf diesem Feld auch noch sehr viel mehr Schreiberlinge aller Art ohne jede nennenswerte Ahnung. Ich kann das nicht genau quantifizieren, aber ich würde mal grob schätzen, dass die professionellen Schreiber von 70-80% aller News, die ich tagtäglich lese, nicht mehr Ahnung als ich von der Materie haben. Und ich bin nicht vom Fach.
3. Wegen 1. ist 2. möglich. In richtigen Wissenschaften wie Mathematik, Physik, Chemie, Maschinenbau, uvm. gibt es das nicht. Weil da niemand irgendwelchen beliebigen Dummschwätz publizieren kann, ohne sich sofort lächerlich zu machen.
Wir müssen damit leben. Schließlich hat uns ja keiner gezwungen, uns ausgerechnet in diesem leicht geisteskranken Börsenumfeld zu bewegen. Wir scheinen das interessant und anregend zu finden. Wahrscheinlich wegen seiner archaischen Unvernunft.
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