weiter oben (gestern?) gesagt, dass trotz offenliegender Sachverhalte immer unterschiedliche Interpretationen möglich sind.
Die Risiken sind klar dargelegt, und wecken selbstverständlich Zweifel.
Vieles am Geschäftsgebaren des letzten und vorletzten GJs weckt ganz enorme Zweifel. Die ursprünglichen Veröffentlichungen von Systaic, aus denen in keinster Weise hervorging, dass die Käufer keine Endkunden waren, sondern nur Projektgesellschaften. Die Tatsache, dass etliche dieser Gesellschaften wieder sang- und klanglos verschwunden sind. Die Ankündigung, Projekte nur noch über Milestones zu finanzieren, während in Wirklichkeit immense Aussenstände aufliefen - ohne dass entsprechende Adhocs hierzu veröffentlicht wurden. Und so weiter, es gibt eine größere Anzahl von Geschichten, die nicht dem üblichen Geschäftsgebaren entsprechen, das man von einem Unternehmen dieser Größe erwarten würde. Auch die nach wie vor nicht vorhandene Transparenz, die Heimlichtuerei, und so weiter.
Allerdings kann man für einige dieser Vorgänge auch ganz normale Erklärungen finden.
Im Immobilienbereich ist es beispielsweise völlig üblich, dass da Arges und Projektgesellschaften gegründet werden, die nach Abschluss des Projektes einfach wieder aufgelöst werden. Und dass sich daran auch Bauunternehmen beteiligen, auch mit Vor- und Zwischenfinanzierungen. Üblich ist in solchen Fällen allerdings auch, dass das ganz offen gemacht wird, und nicht so versteckt wie hier.
Auch für die Intransparenz kann es gute Gründe geben - als Vorstand würde ich mich persönlich beispielsweise über die Gerüchte auf der Smart Cap Veranstaltung tierisch aufregen. Ich könnte eventuell auch in die Gefahr geraten, nach so einem Ereignis überhaupt nichts mehr über die Geschäfte nach draussen dringen zu lassen - egal, wie sowas dann wieder vom Markt aufgenommen wird.
Und so weiter - vieles lässt sich erklären. Manches eher nicht, jedenfalls finde ich persönlich da keine für mich befriedigende Erklärung ... ;-)
Man darf ja aber auch nicht vergessen: solche Erklärungen sind ja auch müssig.
Bei modernen Aktiengesellschaften spielt der Aktionär nur eine Rolle beim IPO, oder wenn später erneute Kapitalmaßnahmen platziert werden sollen. Die gespendeten Beiträge werden dann als Eigenkapital verbucht und schleunigst verbraucht (auch wenn einige hier im Thread offensichtlich der Ansicht waren oder womöglich noch immer sind, dass man sich die Kohle wieder auszahlen lassen kann ... aber gut, jeder fängt mal klein an ... ;-))
Ansonsten ist der Aktionär völlig egal, von den paar Hauptversammlungen mal abgesehen, auf denen er meist eh nicht auftritt, sondern sich von seiner Bank vertreten lässt. Der Kurs kann den Vorständen daher im Prinzip reichlich egal sein - so lange da kein Hauptaktionär nach dem Shareholder Value fragt, können die im Prinzip machen, was sie wollen. Hier ist der Hauptaktionär dann ja auch noch ganz offensichtlich genau derjenige, der auch wesentlich am ganzen Schlamassel beteiligt ist, in den Systaic geraten ist. Was soll denn ausgerechnet der die Leute auf den Shareholder Value aufmerksam machen ... ;-)
So gesehen sind wir Free-Float-Aktionäre aus Sicht der früheren Verantwortlichen des Unternehmens möglicherweise eh nur mehr oder weniger smarte Zocker, die sich Gedanken um Sachen machen, die sie eigentlich nichts angehen, und die sich um Papiere schlagen, die es in Wirklichkeit sowieso gar nicht mehr gibt - Aktien sind ja eh nur noch virtuell ... ;-) Den Zimmer schließe ich aus dieser Vermutung übrigens extra aus - der kann für die Vorgänge des letzten GJs nun wirklich nicht verantwortlich sein. Und ich habe auch die Vermutung, dass der von jemand dort reingesetzt wurde, der sich um sein Geld sorgt - wer auch immer das gewesen sein könnte (aus der Biografie von Zimmer lassen sich ja einige Vermutung ableiten - aber vielleicht liege ich da ja auch völlig daneben ...).
Die Sache kann sich daher eigentlich nur bessern. Und sie könnte sich spätestens ändern, wenn es auf der HV zu entsprechenden Mehrheiten der Freefloater käme. Die sich dann allerdings nicht nur den Vorstand, sondern durchaus auch mal gezielt den Aufsichtsrat vorknöpfen. (Ich kann es beispielsweise definitiv nicht verstehen, wie ein Aufsichtsrat, der selbst Wirtschaftsprüfer ist, so einen Geschäftsbericht durchgehen lässt, der dann bei seinen Kollegen nicht durchgeht ... ist mir ein Rätsel, echt. Oder er hat ihn gar nicht angeschaut. Womöglich noch schlimmer.)
Naja, aber wie oben gesagt: ich sehe durchaus noch Chancen, wieder an mein Geld zu kommen. Wenn Zimmer tatsächlich aufräumt, auch mit den bisherigen Geschäftspraktiken, und sich die Banken untereinander endlich mal einig werden, wer wem wofür jetzt was bezahlt und so weiter, und Systaic sich auf vernünftige und allgemein übliche Geschäftsvorgänge in der Zukunft beschränkt ... dann könnte das durchaus noch was werden.
Nicht bis morgen, aber so sagen wir mal 2011, 2012 ... ;-)
Ich denke halt immer: Risikovermeidung geht am besten, wenn man mit der Herde läuft. Gewinnmaximierung geht am besten, wenn man antizyklisch handelt ... Und da mein Risiko, nüchtern betrachtet, eh schon eingetreten ist, denke ich jetzt mal an Gewinnmaximierung ... ;-))))))) |