ja klar, da hast Du sicher recht, dass das einige Anleger manche Aussagen offensichtlich ziemlich falsch verstehen.
Hat sich hier im Verlauf des Threads ja auch herausgestellt, dass etliche Leute noch nicht so hundert Prozent firm sind, was betriebswirtschaftliche Terminologie, Sachverhalte und Abläufe angeht. Da wird viel interpretiert, wo es nix zu interpretieren gibt, und manches einfach vermutet oder erfunden oder fantasiert. Und da, wo eigentlich unternehmerische Phantasie angebracht wäre, versagt dann das Mit-, Vor- oder Nach-Denken völlig ... ;-)
Allerdings ist es ja auch so, dass selbst bei völligem Verständnis von Fakten und einer offenkundigen Einigkeit über das Bestehen von Sachverhalten als solchen die Bewertung dieser Sachverhalte von Individuum zu Individuum ganz unterschiedlich ausfällt.
Für einen Betrachter mag also beispielsweise die Tatsache, dass der WP den GB nicht komplett attestierte, eine reichliche Katastrophe bedeuten - dem andern Betrachter ist das aber womöglich völlig egal, weil er Bilanzen eh als "Einschätzungssache" wahrnimmt. Der eine mag eine Patronatserklärung als Warnung vor Zahlungsschwierigkeiten interpretieren, und weist darauf hin, dass eine Bürgschaft oder eine Hypothek deutlich werthaltiger wäre, dem anderen Beobachter geht das grad umgekehrt, denn der sagt: "bei uns gilt sowieso das gesprochene Wort, da brauch ich das noch nicht mal schriftlich - aber wenn der jetzt sogar noch einen Bierdeckel mit Unterschrift hinlegt, ist das ja praktisch wie Bargeld!".
Es sind also nicht nur tatsächliche Missverständnisse zu konstatieren, sondern da bestehen wohl gerade im Fall Systaic auch bei grundsätzlicher Einigkeit über Sachverhalte ganz erhebliche Interpretationsspielräume. Und nicht nur bei den Aktionären, sondern ganz offensichtlich schon auf Ebene GL-WP ... ;-)
Und dann kommt bei Systaic noch ein weiterer Punkt hinzu, der m.E. sehr mitentscheidend für die gesamte Kursentwicklung ist. Die Tatsache, dass wir es hier mit 65% Freefloat zu tun haben, macht die Sache nämlich nicht gerade einfacher.
Denn bei wenigen handelnden Subjekten lässt sich theoretisch viel einfacher und direkter ein Konsens über das Bestehen von Sachverhalten und die Bewertung dieser Sachverhalte finden. Dann kann man auch weite Teile der Kursentwicklung tatsächlich auf solche "Bewertungsvorgänge" zurückführen. (Mal abgesehen davon, dass weite Teile der Kursentwicklung im Regelfall einfach nur die Bewegungen des Gesamtmarkts mit abbilden ...)
Hier findet die Konsensbildung jedoch wohl nur bedingt zwischen den Akteuren und in direkter Kommunikation statt, sondern ist überwiegend indirekt. Das heißt, der Konsens wird nicht über Argumente ausgehandelt, sondern zeigt sich nur oder zumindest in erster Linie am Handeln der Akteure - sprich, am Kauf- und Verkaufsverhalten und somit auch letztlich am Kurs.
Da mischen sich dann allerdings heute auch immer Akteure ein, denen das Unternehmen, Sachverhalte und deren Bewertung etc. völlig egal ist, die davon womöglich weder was wissen noch was wissen sollen, und die rein mathematisch und womöglich sogar automatisch handeln. Und das bringt dann wieder völlige Verwerfungen ins Spiel, die mit dem Unternehmen überhaupt nix mehr zu tun haben.
Man muss sich ja - gerade auch bei der Betrachtung von Systaic - immer vor Augen halten, dass dank Computerhandel, Stop-Loss-Anweisungen und so weiter ein großer Teil der Kursentwicklung im jeweiligen Moment gar nix mehr mit unkundiger oder sachkundiger und verständiger Bewertung von Unternehmen zu tun hat. Unterschreitet oder überschreitet der Kurs ein bestimmtes, irgend wann einmal auf Basis der damals vorliegenden Informationen gesetztes Limit, wird agiert. Das hat dann jeweils überhaupt nix mehr mit Verständnis oder Missverständnis, Fach- und Sachkunde, Bewertung oder Fehlbewertung zu tun, sondern ist einfach nur ein Prozess, der automatisch abläuft.
Das ist übrigens mit ein Grund, warum es mich persönlich schon hin und wieder interessiert, wo die Leute ihre Limits setzen. Also jetzt, computermäßig gesehen ... ;-)
Und viele Akteure sind dann in so einem Umfeld auch gar nicht an Fakten über Systaic, an Sachverhalten oder Bewertungen interessiert, sondern handeln einfach nur auf der Basis der Analyse von Kursbewegungen. Da wird dann vieles zur selbsterfüllenden Prophezeiung, zum Selbstläufer ...
Insofern denke ich schon, dass es auf die Mißverständnisse und die Bewertungen einerseits schon auch ankommt.
Dass aber andererseits die Zocker, die sicher auch und gerade jetzt im Moment hier in Systaic interessiert sind, mit ihrem Verhalten den Kurs zur Zeit wesentlich mitbestimmen. Und denen dürfte das Bestehen von Sachverhalten an sich und apriori völlig egal sein ... ;-))) |