Ein Analysten-Bericht der französischen Großbank Societe Generale vom 13. Oktober hat einige Verwirrungen hervorgerufen. Dieser Bericht unter dem Titel WORST-CASE DEBT SCENARIO – PROTECTING YOURSELF AGAINST ECONOMIC COLLAPSE wurde wohl nur einem ausgeprägten Kunden-Kreis zugänglich gemacht. Der Londoner Telegraph zitierte jedoch vor kurzem Passagen aus diesem Report und sah sich wieder in seiner bereits seit langem vertretenen These bestätigt, dass eine Deflation eher wahrscheinlich sei als eine Inflation. Nun muss man vor dem Hintergrund der massiven Staatsverschuldung und den besonders aktiven Geld-Druckern der Bank of England verstehen, dass die britischen Medien die Politik ihrer Politiker und Notenbanker aktiv unterstützen wollen. Deshalb sucht man leidenschaftlich Komplizen, um die Deflation-These zu stützen. Damit wäre die Begründung für Quantitative Easing und andere Monetarisierungs-Programme der BoE gegeben. Der Analysten-Bericht ist aber weit weniger schlimm, als es in der Presse dargestellt wird. Die Analysten von der Societe Generale gehen auch in ihrem Worst Case Szenario nicht von einer Kernschmelze (Meltdown) des Systems aus. Vielmehr befürchten sie, dass die Entwicklung vor allen Dingen in den U.S.A. gleichförmig mit der Entwicklung in Japan Anfang der 90er-Jahre verlaufen könnte. Die 90er-Jahre wurden auch als das verlorene Jahrzehnt bezeichnet: A Japanese-style recovery implies persistent government debt, economic anaemia, low interest rates and weak equity markets. Die Analysten empfehlen a. raus aus dem US-Dollar b. raus aus High Yield (Trash) Bonds c. raus aus den Aktien-Märkten d. rein in 10-jährige Staatsanleihen e. rein in landwirtschaftliche Produkte Auf den folgenden Seiten wird die wirtschaftliche Entwicklung zwischen Japan der 90er-Jahre und den U.S.A. verglichen. In beiden Staaten explodierten die Staatschulden, beide hatten eine Banken-Krise, bei beiden kam es zu einer Immobilien-Blase, die Firmen waren hoch verschuldet, wir hatten einen Crash der Aktien-Märkte und extrem niedriges Zins-Niveau. Interessanterweise teilen auch die Analysten von Societe Generale die Meinung, dass die Aktien-Märkte durch Niedrigst-Zinsen und staatliche Stimulus-Maßnahmen in die Höhe getrieben wurden: ... that we are now exiting a bear market rally, which was fuelled by restocking and fiscal stimulus. Als Indikator für ihre These haben die Analysten den S&P 500 Aktien-Index (beginnend im Jahr 1990) mit dem Nikkei 125 Aktien-Index (beginnend im Jahr 1980) verglichen. Die Zahlen korrelieren im Wesentlichen, auch wenn es die extremen Übertreibungen, die wir in Japan Anfang der 90er-Jahre beobachten konnten, beim S&P in dieser Größenordnung nicht ausmachen können. Dass die westlichen Notenbanken große Mengen von Geld drucken, wird ohne besondere Umschweife zugegeben: In theory, the unorthodox monetary policy unveiled during the crisis is not without risk, as quantitative easing should be inflationary – except that for the moment the printing of money by western economies has been used only to replace the credit destroyed. Um die explodierende Staats-Verschuldung wieder in den Griff zu bekommen, sehen die Autoren zwei (ernsthaft formulierte) Vorschläge: Der erste Vorschlag zielt darauf ab, dass der Staat die Zahlungen für seine inländischen Schuldner einstellt. Hier wird auch eiskalt argumentiert, dass die Gläubiger rein rechtlich keine Möglichkeiten haben, gegen die Zahlungseinstellung vorzugehen: ... sovereign borrowers may have to default; and could do so with limited strings attached as they are not subject to bankruptcy courts in their own jurisdiction, and would hence avoid legal consequences. Und ein Beispiel, wie es geht, wird gleich mitgeliefert: During the 1996 Russian financial crisis, Russia defaulted on its internal debt, but did not default on its external Eurobonds. Verspüren Sie immer noch Lust auf sichere Staats-Anleihen, möglichst aus dem Land, in dem Sie wohnen? Die zweite Option der Entschuldung kennen die Leser dieser Berichte bereits: Die Inflation. Nach Ansicht der Analysten das kleinere Übel (im Vergleich zum default der Staatsanleihen). Devaluing, and letting inflation play its role would help recovery and reduce public debt heisst es in dem Bericht. Als Gefahren dieses Vorgehens werden Stagflation, Hyperinflation und eine Währungsreform gesehen. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Nächste Wochen laufen die Dezember-Optionen an der COMEX aus. Wegen des Thanksgiving Wochenendes bereits am kommenden Montag. Wir sollten also bis Montag keine wesentlichen Aufwärts-Bewegungen beim Gold-Preis sehen. Sonst wird es für die Gold-Kartell Banken doch noch teuer, wenn die geschriebenen Call-Options plötzlich in-the-money sind. Gold entwickelt sich trotzdem positiv. Gestern konnte ja die Marke von $1.140 zurückerobert werden. Und auch heute schien diese Marke trotz eines erneuten Versuchs, die Marke von $1.130 nach unten zu durchbrechen, zu halten. Gold startete den heutigen Tag in Asien auf dem Stand, bei dem das Metall gestern seinen späten Handel in New York beendet hat: bei $1.145. Aufmerksamen Beobachtern ist sicherlich schon aufgefallen, dass sich Gold die letzten Tage nach Schluss des Handels an der COMEX im Access Handel stabilisiert hat. Bislang hat das Gold-Kartell diese handelsschwache Zeit dazu verwendet, zusätzlichen Druck auf den Gold-Preis auszuüben. Diese als Plan C Taktik bekannte Vorgehensweise wird nun entgegengesetzt gegen das Gold-Kartell eingesetzt. Derzeit scheint der Druck eher vom physischen Handel in London (Plan A – Taktik) auszugehen. Auch heute konnten wir das wieder beobachten. Kurz nach Eröffnung des Handels in London nahm der Druck auf Gold wieder zu. Zum A.M. Fix stand Gold dann wieder bei $1.142,50 (EUR 768,07). Im Vergleich zum gestrigen A.M. Fix trotzdem ein Zuwachs von sieben Dollar. Im anschließenden frühen Nachmittags-Handel wurde Gold dann zuerst unter die Marke von $1.140 gedrückt und kurz vor Beginn des Handels an der COMEX stand das Metall dann bei knapp $1.134 Dollar. Mit Beginn des New Yorker Handels ging es dann wieder stetig aufwärts. Kurz vor dem P.M. Fix stand Gold bei $1.143. Der Preis brach dann plötzlich auf unter $1.140 ein. Der P.M. Fix mit $1.140,00 (EUR 768,30) war der Grund. Zwei Stunden vor Ende des Handels stieg Gold dann wieder über die Marke von $1.140. Gold beendete den Handel an der COMEX bei $1.147. In Euro wurde dabei die Marke von 770 gerissen. Der US-Dollar (USDX) stieg heute um 0,4 Punkte auf 75,7 an. http://www.bullionaer.de/shop/showZiemann.php/action/latest ----------- "Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany) "Ein Dummkopf der zuviel weiß, ist gefährlicher, als ein Unwissender!" |