aber jetzt mal abgesehen vom täglichen Marktgeschrei: Findest Du als lebenserfahrener und offensichtlich gut informierter Mensch nicht, dass gerade finanzmarkttechnisch ein vollkommener Irrsinn abgeht, der einfach nicht gut gehen kann? Vor 2 Jahren bestand die Hoffnung, dass der Finanzmarktkapitalismus eine sinnvolle Kurskorrektur bekommt, aber heute muss man gestehen, dass der Finanzmarktkapitalismus inzwischen die totale Kontrolle über die Politik und die Wirtschaft gewonnen hat - ohne Rücksicht auf Verluste. Private Schulden der Banken wurden zu öffentlichen Schulden, diese wiederum werden durch die Notenbank finanziert (FED hält mehr Anleihen als China und bald mehr als China und Japan zusammen). Die genannten Ziele der staatlichen Eingriffe (Senkung der langfristigen Zinsen und Begrenzung der Arbeitslosigkeit auf 7%) wurden nicht erreicht, niedrige Zinsen werden auch gar nicht an den Verbraucher weitergereicht, sondern stehen einzig den Banken zweckungebunden zur Verfügung - und keiner regt sich darüber auf, dass die Zinssenkung gar keine Zinssenkung ist. Ben sagt öffentlich, dass die Steigerung der Börsenindizes Teil seines Konzepts ist, man hofft, einen Teil der Schulden wegzuinflationieren und behauptet einfach, dass die Inflation eigentlich gar keine Inflation ist. Und Du fühlst Dich wohl in so einem verrückten Umfeld, denkst, dass das tragfähig ist für immer weiter steigende Aktienkurse? Dass bei QE3 weiter geht? Ich habe keinen Zweifel daran, nicht den geringsten, dass diese Geschichte nicht gut gehen wird. Die Probleme werden dann massiv, wenn China erstmalig seit 20 Jahren eine Konjukturpause einlegen wird - es wird Zeit und die Anzeichen sind zu erkennen. Dann bricht das gesamte Konzept, auf dem die derzeitige westliche Finanz- und Wirtschaftspolitik aufbaut, zusammen. Und die manisch-depressive Autoindustrie geht dann wieder in die depressive Phase, stellt wieder fest, dass kein Mensch diese überteuerten Dinger braucht. Und ich sage das alles als Börsenfreak, der in den letzten Jahren (inkl. 2008) wirklich viel Geld an den Märkten verdient hat. Da ist in Bezug auf die persönlichen Finanzen kein bisschen Frust dabei. |