@Warren
Z.B. Gazprom hat grandiose Gewinne und Vermögensgegenstände, stagniert oder fällt aber seit Jahren. Irgentwann muss natürlich auch etwas beim Aktionär landen. Wenn Unternehmen immer nur investieren - und ein Großteil der neuen Investitionen kaum mehr Rendite als Bundesanleihen bringen - dann nützen die Gewinne dem Aktionär auch ersteinmal nichts. Der ROE fällt, der Buchwert bläht sich auf(KBV sinkt), beim Aktionär landet kaum etwas. Dabei sind die buchhalterischen Gewinne weiterhin stark.
Es kommt vorallem auch drauf an, was mit den Gewinnen passiert. Werden sie reinvestiert und wenn ja mit welchen Renditen? Wenn ein Unternehmen in neue Anlagen investiert, die sich nur mit 5% verzinsen (deutlich unter Eigenkapitalkosten), dann steigert ein Unternehmen auch in der Theorie seinen Wert, wenn es die Ausschüttung (Dividende oder Rückkauf) erhöht. Es gibt hier schon einen Zusammenhang. Andersherum schaden zu hohe Dividenden langfristig sogar, wenn das Unternehmen das Geld deutlich rentabler anlegen könnte. Der perfekte Punkt ist schwer zu finden. Optimalerweise investiert man solange, bis der Anleger die Dividende besser selbst anlegen kann bzw. bis Aktienrückkauf das EPS stärker noch oben bewegt.
Was ich aber oben mit der Dividende meinte war eher folgendes: Wenn sich Unternehmen verschulden, geht die Mehrheit direkt davon aus, dass dadurch die Fähigkeit in der Zukunft in das operative Geschäft zu investieren abnimmt, da das Unternehmen Zinsen zahlt, die dann jedes Jahr fehlen. Wenn die Aktien eines Unternehmens aber deutlich mehr Dividendenrendite bringen, als die Verschuldung Zinsen kostet, kommt es zu einem interessanten Effekt. Wenn das Unternehmen Geld leiht und damit eigene Aktien kauft (fallen aus dem Markt, erhalten keine Dividenden mehr), dann bekommen die Aktionäre ersteinmal weiterhin die gleiche Dividende, das Unternehmen hat nächstes Jahr aber mehr Geld nach Dividendenzahlungen für Investitionen (und/oder Dividendenerhöhungen) übrig. Der finanzielle Spielraum steigt, obwohl man sich verschuldet hat. Klar, Dividenden kann man kürzen, Zinszahlungen nicht, aber für viele Blue Chips sind Dividendenkürzungen niemals eine Option. |