ay, mich gibt es auch noch zuallererst, ich will hier KEINEM die endlich mal gute Stimmung verderben, möchte aber JEDEM an´s Herz legen, nach diesem Anstieg den Markt weiterhin SEHR aufmerksam zu verfolgen, normal ist das alles nicht..... hierzu noch ein schöner Artikel, der dem einen oder anderen bestimmt nicht gefällt in dieser Stunde, vielleicht aber gerade deshalb..... Die beste aller Börsenwelten ... oder: „irrational exuberance" von Ronald Gehrt Guten Tag, verehrte Leserinnen und Leser! Die gestrige Entscheidung der US-Notenbank (Fed) war für mich etwas überraschend. Doch die Reaktion der Aktienmärkte war für mich sehr überraschend. Mir kommt da die Formulierung des vormaligen Fed-Chefs Greenspan der „irrational exuberance“ (irrationaler Überschwang) in den Sinn. Aber zuerst die Fakten: Die Fed senkte den eigentlichen Leitzins, die sog. Fed Funds Rate, um einen halben Prozentpunkt von 5,25% auf 4,75%. Der Diskontsatz, früher (bis zum 17.8.) kaum beachtet (das ist der Satz, zu dem sich Banken bei der Fed Geld pumpen können), wurde ebenfalls um 0,5% auf 5,25% gesenkt. Warum gleich die „große Keule“? Sehen wir, was die Presseerklärung zur Zinsentescheidung aussagte: Der Text der Fed-Presserklärung „Das Wirtschaftswachstum gestaltete sich im ersten Halbjahr moderat. Doch die Verschärfung der Situation am Kreditmarkt hat das Potenzial, die Korrektur am Immobilienmarkt ebenso zu intensivieren wie das Wirtschaftswachstum allgemein. Die heutige Maßnahme hat das Ziel dazu beizutragen, den negativen Einflüssen auf die Gesamtwirtschaft zuvor zu kommen, die sich ansonsten aus den Störungen der Finanzmärkte entwickeln könnten – und darüber hinaus moderates Wachstum sicherzustellen. Wenngleich die Kerninflation in diesem Jahr nur moderat angestiegen ist, ist das Komitee der Ansicht, dass gewisse Inflationsrisiken verbleiben und wird die Inflationsentwicklung auch weiterhin sorgfältig beobachten. Die Entwicklung an den Finanzmärkten seit der letzten Sitzung hat die Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven vergrößert. Die Notenbank wird diese und andere Entwicklungen mit Bezug auf die wirtschaftlichen Perspektiven weiterhin überwachen und die nötigen Maßnahmen ergreifen, um Preisstabilität und hinrechendes wirtschaftliches Wachstum sicher zu stellen.“ Aus diesem Text war nicht viel ergreifendes herauszulesen. Die Fed sieht, dass neben den reinen Problemen am Kreditmarkt auch Risiken für die Gesamtwirtschaft vorhanden sind. Das konnte man sich denken, schließlich ist das Federal Open Market Committee kein Teil der Regierung, welche nirgends irgendwelche echten Probleme sieht ... und im Vorwahlkampf steht. Alles so schön bunt hier ... Was mich aber sehr erstaunt ist der Umstand, dass offenbar niemand sich wundert, sondern alle diese 50 Basispunkte-Zinssenkung als Geschenk netter Leute und Freibrief für nun auch weiterhin ungehindert steigende Aktienkurse ansehen. Die vorher oft geäußerte Befürchtung, dass aus einem solchen großen Zinsschritt viele herauslesen könnten, dass die Lage hinreichend schlecht sei, dass die Fed selbst nun nervös wird, scheint völlig verschwunden ... oder? Warum hat die US-Notenbank doch 50 statt nur 25 Basispunkte gesenkt? Zutreffendes bitte ankreuzen: - Weil das echt coole Kumpels sind - Damit sie so was anstrengendes in sechs Wochen nicht noch mal machen müssen - Weil es nötig und sinnvoll war Nun, sollten Sie unter Umständen der Ansicht sein, dass der dritte Punkt zutrifft, gibt es nur vier Varianten, warum dies nötig war: - Weil die Kredit- und Liquiditätsprobleme größer sind als man allgemein annimmt - Weil der Rückgang im Wirtschaftswachstum stärker ist als man annimmt - Weil beides zusammen zutrifft - Weil gerade Zeit war Ich frage mich, welcher dieser Punkte so fantastisch bullish ist dass er geeignet ist, den Dow Jones um über 330 Punkte nach oben zu schicken ... oder sieht das alles nur so bullish aus? Die Stop-Loss-Kadskade Sehen sie sich mal den Chart des S&P 500 an. Mit dieser Überraschung schossen die Kurse so plötzlich nach oben, dass mit einem Schlag die Dreiecksformation ebenso wie sämtliche oberen Wendepunkte seit dem ersten Abwärtsimpuls durchstoßen wurden ... immer schön einer nach der anderen. 
Mit der ersten Linie bei 1.490 die jüngsten Zwischenhochs, dann das Dreieck, dann die August-Hochs. Mit jeder einzelnen Linie wurden Stoppmarken von Shortpositionen ausgelöst. Das bedeutet: Sofort und automatische Glattstellung der Shortposition ... indem man kauft. Und die Käufe schoben die Kurse erneut nach oben – über die nächste Widerstandslinie. Und da ging das Spiel von vorne los. Das ist also ein Kursanstieg, der zu einem nicht unwesentlichen Teil einfach eine Reaktion auf den initialen Impuls nach oben war, aber nicht unbedingt eine gewollte Aktion, sprich aktives kaufen. Faktor Hexensabbat Und dass diese Rallye nicht einfach irgendwo auslief, hat einen weiteren simplen Grund: Übermorgen ist großer Verfalltermin an den Terminbörsen, sprich der dreifache Hexensabbat, an dem Optionen und Futures auslaufen. Niemand kann riskieren, so kurz vor dem Verfall deutlicher ins Minus zu laufen. Es war also eine Short-Squeeze, vergleichbar brutal wie die bei der überraschenden Diskontsatzsenkung die, wie der „Zufall“ es wollte, auch an einem Verfalltermin für Optionen vollzogen wurde. Ob sich die Fed dessen bewusst war, als sie sich für 50 Basispunkte statt 25 entschied? Nööööö, oder? Heute in der camera magica: Die beste aller besten Börsenwelten ... Nun, auf jeden Fall wurde so am Aktienmarkt eine Situation „erzeugt“, die zeigt: Alles ist gut. Quatsch, nein, es zeigt, dass wir in der absolut besten aller überhaupt nur denkbaren Börsenwelten jedweder Planten leben, auf denen es Börsen gibt. Mindestens. Der S&P 500 notiert nun nur noch 2% unter seinem Allzeithoch. Und (entschuldigen Sie den nicht mehr zu stoppenden Sarkasmus) die bullishen Perspektiven, die die Börsen nun in neues „uncharted territory“ vorstoßen lassen, lauten: - US-Öl per Handelsende gestern bei geradezu deflationär billigen 82,18 US-Dollar (Allzeithoch). - US-Dollar top-stabil bei Euro/Dollar von 1,3970 (Allzeithoch). - Miserable Konjunkturdaten deuten abflauendes oder ganz schwindendes Wachstum an. Rezessionsgefahr? Wie schön! Mehr Zinssenkungen! - Northern Rock oder Interhyp – die Hypothekenkrise ist bei bester Gesundheit. Und die Tatsache, dass immer noch neue Banken auftauchen und zugeben müssen, dass sie Mist gebaut haben – obwohl genug Zeit war zu prüfen und zu informieren ... sagt alles über die Glaubwürdigkeit von Aussagen wie „bei uns ist alles bestens“. - Niedrigere Zinsen ermöglichen jetzt noch billigeres Geld für noch tolleren Konsum ... und geben der überschuldeten US-Haushalten noch einen obendrauf. .. sofern sie bei den Banken noch Kredite bekommen sollten. Sind das nicht Weltklasse-Hausse-Argumente? Na eben. Gestern abend standen auf CNBC diverse Trader-Veteranen auf dem Parkett der NYSE und sagten, dass sie einfach nur entsetzt wären. Aber die haben ja keine Ahnung mehr. Und dann kam ja auch noch die Moderation und brachte Tabellen, wie weit der S&P 500 bei den letzten 0,5%-Zinssenkungen im Monat darauf gestiegen ist. Um bullish einzustimmen. Es waren knapp 3%. Hm. Mal sehen, wie lange alle fröhlich bleiben Das hatten wir doch gestern schon? Und davon mal abgesehen, ist es nicht ein Unterschied, ob so was z.B. nach 2 Jahren Baisse in 2002 passiert, während die negative Reaktion bereits erfolgt ist ... oder an Allzeithochs bei Rezessionsgefahr und Kreditkrise? Die Tatsache, dass übermorgen Verfalltermin ist, hat die Reaktion der Notenbank clever nach unten abgesichert. Da konnte und wollte keiner a la Baisse dagegen halten. Nach dem ersten Schub waren die Börsen dadurch wegen des Eindeckungsbedarfs quasi unfallbar. Ich bin mal gespannt. Nicht ob, sondern wie lange das so bleibt. Ich frage mich, ob diejenigen, die z.B. tonnenweise Calls verkauft haben (und das sind meist die großen Adressen) nicht dafür sorgen werden, dass der Verfall am Freitag in „korrektem“ Terrain ablaufen wird – also unter z.B. 1.500 im S&P ... oder es erst danach, ab nächster Woche, wieder runter geht. Aber sollten die Börsen nun einfach so auf neue Rekordhochs laufen, die negativen Aspekte einfach mal weglächeln und die Frage, ob eine Zinssenkung seit neuestem alle Probleme per Befehl verschinden lässt, nicht gestellt werden ... es sollte mich wundern. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag Ronald Gehrt The Daily Observer |