@cicero: Danke für die Rückmeldung.
Du hast recht, dass meine Mail in Teilen alles andere als freundlich formuliert ist. Grund dafür ist, dass diese Punkte mittlerweile seit mehreren Jahren ein Thema sind und bei AT&S da offenbar leider keinerlei Lernprozess stattgefunden zu haben scheint. Zu Aktienrückkäufen hatte der Vorstand z.B. schon früher immer gesagt, man sei ja "kein Aktienspekulationsunternehmen". Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
In der Zwischenzeit hat man bei AT&S dann nochmals hunderte Millionen Kapital aufgenommen und in Projekte investiert, die derzeit sehr weit von der Rentabilität entfernt sind, die in früheren Calls und Slides angekündigt wurden. Der Aktienkurs ist im Vergleich zum Gesamtmarkt in dieser Zeit um weit über 50% abgerauscht. Und das, obwohl AT&S schon damals kaum mehr als ein KGV 10 aufwies. Dann geht der CFO und unmittelbar danach wird schon wieder eine neue Dividende ausgezahlt, obwohl schon die letzte unverantwortlich war. Da ist zumindest meine Geduld als Anleger irgendwann einfach am Ende.
Zu den vorformulierten Antworten und den Allgemeinplätzen: die Mail von Frau Koch enthielt zum Teil unterschiedliche Größen bei den Fonts, war also offensichtlich zumindest zu Teilen Copy-Paste. Das Anliegen meines Schreibens war es, auf eine optimale Kapitallokation hinzuweisen, also eine Hierarchie der Verwendungsmöglichkeiten zu diskutieren (z.B. begonnene Investitionen > Schuldenabbau > Projekterweiterungen > Aktienrückkauf > Dividende). Die Antwort versucht leider nur konkret das zu vertreidigen, was AT&S unternommen hat, anstatt eine Strategie der Kapitalverwendung aufzuzeigen, wie man sinnvoll zwischen unterschiedlichen Kanälen substituiert.
Was ich mit "unfertige Werke" meine, ist, dass dort erhebliche Vorleistungen in der Gegend stehen, die bezahlt, aber nicht genutzt werden. Es wurden Grundstücke gekauft, Gebäude errichtet, Genehmigungen eingeholt etc., aber die Halle ist halbleer. Das ist sicher nicht allein die Schuld von AT&S, sondern hat auch mit unerwartet schlechten Preisen zu tun. Es sind aber dennoch relevante Fixkosten, die bisher nicht genutzt werden.
Dass 80 Jährige die Kapitalallokation konservativ angehen, mag sein. Allerdings ist das Zahlen einer Dividende bei einem Unternehmen mit einer so hohen Verschuldung wie AT&S in meinen Augen auch nicht wirklich konservativ. Ich habe ja nicht ein Rückkaufprogramm gepocht, sondern nur angemerkt: wenn man schon Geld rausgibt was, das man nicht hat, dann wäre es in einem ARP deutlich besser aufgehoben als in einer Dividende. In meinen Augen ist das Thema Dividende hier für die Zeit 2015-2020 nicht angemessen.
Wenn Phase II irgendwann kommt (und gegeben die bereits gezahlten Vorleistungen wird sie das), ist offensichtlich, dass AT&S dann erhebliches weiteres Kapital braucht--egal was Frau Koch jetzt sagt. Man kann ja schlecht sein Net-Debt/EBITDA von 3,5 auf 5,5 hochtreiben als kapitalintensives Unternehmen. Schon jetzt ist AT&S ja permanent am Rande des Brechens der Covenants und muss Sorge haben, dass ihnen die Banken vollends auf die Füße steigen. Im Prinzip konnte das Platzen der Covenants ja nur gerade so dadurch verhindert werden, dass man im letzten Jahr krass beim Working Capital eingespart hat und jeder Pfennig zweimal umgedreht wurde. Das hat sicher auch operativ weg getan. Und dennoch zahlt AT&S jetzt schon wieder eine Dividende.
Ich fänd's super, wenn Du auf der HV ein paar Worte zum Thema Kapitalallokation sagst. Gegeben den harrschen Tonfall meiner Mail ist es für Dich wahrscheinlich schlauer, dich da etwas abzugrenzen und einfach Deine persönliche Sicht der Dinge vorzutragen ;) Die Rolle als "Good Cop" macht auch sicher mehr Spaß. :) |