Artikel in der boerse.ARD
30.09.2008 11:45 K+S schwimmt aus dem Potash-Sog Die Sorge, dass die Finanzkrise die Weltkonjunktur schwächt, tritt mittlerweile offen zutage. Rohstoffaktien, die als sehr konjunktursensibel gelten, geraten unter Druck. K+S gerät zunächst in den Sog, kann sich dann aber befreien. Den Branchenkollegen aus Kanada ist das nicht gelungen. Sie konnten sich der schlechten Stimmung nicht entziehen. So verloren die Aktien von Mosaic mehr als 16 Prozent, Agrium sackten 15 Prozent abwärts und Potash büßten rund 11 Prozent ein. Auch die Titel von K+S gaben heute morgen zunächst 8 Prozent nach.
Allerdings setzte sich an der Börse dann die Meinung durch, dass die Kursverluste nicht gerechtfertigt sind. Die Aktie schwang sich auf, zeitweise stand auf der Kurstafel ein Plus von 6 Prozent. Schließlich meint die Kali-Branche ja, dass die Fundamentaldaten für ihren Markt intakt sind. „Die Kaliknappheit bleibt uns über die nächsten drei bis fünf Jahre erhalten, wenn man Kapazität und Nachfrage vergleicht“, sagte K+S-Chef Norbert Steiner jüngst im Interview.
Kein Ende des Kali-Booms in Sicht Ähnlich sieht das ein Analyst der Royal Bank of Canada. Er hat zwar die Kursziele von Potash und Agrium vergangene Woche drastisch gekürzt. Doch dies begründete der Experte mit den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den drastischen Aktienverkäufen. Er betonte zugleich: Der fundamentale Ausblick habe sich nicht verändert. Die starke Nachfrage nach Düngemitteln und das knappe Angebot dürften den Sektor stabil halten.
Kalihersteller wie K+S profitieren von dem starken Wachstum der Weltbevölkerung. Wegen der zunehmenden Verstädterung steht für deren Ernährung immer weniger landwirtschaftliche Anbaufläche zur Verfügung. Außerdem verändern sich die Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern und die Nachfrage nach Biosprit steigt. Deshalb ist der weltweite Düngemittelverbrauch in der Landwirtschaft stark gestiegen und hat wegen Lieferengpässen zu deutlich höheren Stickstoff-, Phosphat- und Kalidüngemittelpreisen geführt.
Aktie mit Knick Das kommt K+S als weltweit viertgrößtem Kali-Produzenten zugute. Das Mitte August veröffentlichte Quartalsergebnis für das 2. Quartal war das bisher beste. Die Aktie des Salz- und Düngemittelherstellers ist seit Jahren erfolgreich, allerdings ist der Kurs seit Juni dieses Jahres eingebrochen. Allerdings sprachen Analysten von einem Zwischentief. Es gab jüngst Gerüchte, dass ein oder zwei Großinvestoren ihren Exit bei K+S vorbereiteten. Die rückläufigen Preise einzelner Agrarprodukte brachten zusätzlichen Druck auf die Aktie. Es gab auch Befürchtungen, dass die Kalipreis-Entwicklung etwas abflachen könnte. Doch diese Sorgen wurden von den Unternehmen zerstreut. Konzerne wie K+S oder Potash hoben ihre Jahresprognose an.
Der Kali-Markt wird jedoch dominiert von Kanada. Auf die nordamerikanischen Düngerkonzerne Potash, Mosaic und Agrium entfällt ein Drittel der Weltproduktion, K+S hat einen Marktanteil von zwölf Prozent. |