So buhlen die Provinzregierungen mit Steuervorteilen, billigem Land, Bürgschaften oder Krediten um E-Auto-Hersteller. Und die Käufer von Elektroautos bekommen eine Prämie von umgerechnet bis zu 7.000 Euro – bevorzugt für Modelle aus China. Den Strom tanken können sie an mehr als 270.000 Ladestationen, die der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge landesweit bereits in Betrieb sein sollen. Immobilienbesitzer, die den Bau weiterer Ladesäulen auf ihrem Grund verweigern, müssen mit Strafen rechnen. So soll der Plan erfüllt werden: In Ballungsräumen darf im Jahr 2020 die nächste E-Tankanlage nirgendwo weiter als einen Kilometer entfernt sein.
Außerdem dürfen neue E-Mobile in der Regel sofort im Straßenverkehr herumkurven und gratis parken. Besitzer von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor müssen indes in Ballungsgebieten oft monate- oder jahrelang auf die Zulassung warten, bei Smogalarm dürfen sie meist gar nicht raus. In Chongqing, einer Megacity mit mehr als 30 Millionen Einwohnern, ordnete die Verwaltung kürzlich sogar an, die gesamte Taxiflotte auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Auch die Zentralregierung hat beschlossen, dass künftig mindestens 30 Prozent ihrer Dienstfahrzeuge mit Strom fahren müssen – und dass dies einheimische Produkte zu sein haben.
FMC-Chef Breitfeld ist begeistert: Die Volksrepublik setze Entscheidungen entschlossen durch, während andernorts jede Veränderung "ausgeregelt" werde. "In Europa hat noch keiner verstanden, was hier gerade geschieht", sagt der Manager.
Bis 2030 sollen laut einem Ministeriumsplan mindestens zwei von fünf Autos auf Chinas Straßen ohne Verbrennungsmotor unterwegs sein. Das entspräche einem Verkauf von mehr als 15 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Die meisten sollen, das ist das politische Ziel, aus heimischer Produktion kommen.
Die Verkehrswende ist Teil eines industriepolitischen Masterplans, der über die Automobilbranche hinausreicht. "Made in China 2025" heißt das Konzept des Regimes, das die viel zitierte "Werkbank der Welt" in eine Hightech-Supermacht verwandeln soll. Neben Robotik, künstlicher Intelligenz sowie Luft- und Raumfahrt ist die Elektromobilität eine tragende Säule der Strategie, die Staatschef Xi Jinping vorgegeben hat. Für ihn ist die Batterie der einzige Weg, um China zu einem "starken Land des Autos zu machen".
Bislang hat das nämlich nicht geklappt. Unterhaltungselektronik, Solarmodule, Windräder – Weltmarkt um Weltmarkt haben chinesische Unternehmen erobert. Nur beim Auto sind sie gescheitert. Obwohl der Staat ausländische Hersteller verpflichtet hat, in China in Gemeinschaftsunternehmen mit einheimischen Firmen zu produzieren, reichte es nicht aus, sich die Technik abzugucken und sie zu kopieren. Zu komplex ist die Ingenieursarbeit rund um den Verbrennungsmotor.
Die Wende hin zum Elektromotor ändert für die Chinesen alles. "Sie setzen auf die neuen Technologiefelder Elektromobilität und Digitalisierung des Autos", sagt Jost Wübbeke, Programmleiter für Wirtschaft des Berliner Mercator-Instituts für China-Studien. "Denn diese Bereiche sind noch nicht von internationalen Spielern dominiert."
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