Hallo zusammen,
ich habe schon ein Weilchen accountlos mitgelesen und wollte nun auch mal meine Ansichten kundgeben - dabei muss ich sagen, dass ich ams erst seit Ankündigung des Deals verfolge und den von Beginn an aus bilanzieller Sicht eher fragwürdig fand - der Kursverfall bietet jetzt aber eventuell trotzdem eine gute Einstiegsmöglichkeit.
Wenn ich mir die GuV so angucke, ist es sehr naheliegend, dass die möglichen Synergien zu großem Teil auf Ebene der Verwaltungs- und Vertriebsaufwendungen gefunden wurden. Osram hat im Vergleich zum Umsatz eine Aufwandsquote von 18,67%, ams von 9,5% - das Optimierungspotential bei Osram scheint also enorm. Wann ein solches aber gehoben werden kann, finde ich anhand der an Gewerkschaften gemachten Zugeständnisse aber sehr schwierig einzuschätzen -> Verwaltungs- und Vertriebskosten sind nun mal vorrangig Personalkosten.
Ich würde erwarten, dass ams erstmal bei 62,5% der Anteile an Osram verharrt, weil die Liquiditätsposition + Finanzierungskosten alles andere unattraktiv erscheinen lässt - auch wenn damit einige Vorhaben zeitlich verzögert werden (somit sehe ich auch einen Osram-Short als kurzfristig attraktiv an, aber das nur am Rande). Bedeutet, dass erstmal Anteile im Wert von 2.573 Mrd. (bzw. wurde das dafür bezahlt, ob sie das wirklich wert waren, wird man erst retrospektiv feststellen :D) in den Besitz von ams übergegangen sind. Davon sind vermutlich circa 820 Mio (correct me if I´m wrong; €/$ von 1,08 angenommen) bereits in der Bilanz zum 32.12.19 drin, ams hatte liquide Mittel von circa 500 Mio € und hat durch die Kapitalerhöhung 1,65 Mrd € eingenommen. Macht zusammen schon 3 Mrd. , klar die Mittel werden teilweise auch anders verwendet, aber aktuell sollte der Liquiditätsbedarf zur Überbrückung nicht allzu hoch sein. Alles nur ganz grob überschlagen...
Somit hat ams aktuell EK von 3.369 Mrd.€ (1,65 Mrd. € + 1.869*0,92(Dollar in €)) bei Verbindlichkeiten von vermutlich circa 3,05 - 3,35 Mrd.€ , wenn man Osram nur als Finanzanlage zu Anschaffungskosten einbezieht... Wenn man Osram zu EK bewertet (ohne Goodwill und Aufdecken stiller Reserven zum 31.12.19) und die Verbindlichkeiten anteilig einbezieht sowie den Minderheitenanteil außen vor lässt, kommt man auf Verbindlichkeiten von 4,4 - 4,7 Mrd. € und EK von 2,1 Mrd. (natürlich bleibt dieses eigentlich bei 3,5 Mrd., weil der Rest als Goodwill ausgewiesen wird, aber den lasse ich hier außen vor, weil die Werthaltigkeit alles andere als sicher ist). Heißt aus Sicht der ams-Aktionäre liegt der Buchwert des Konzern bei 62,5 % Anteil an Osram zum aktuellen Zeitpunkt bei 2,1 Milliarden. Bei 274.289.280 Aktien entspricht das einem konservativ ausgerechneten Buchwert von 7,66€. Im Bilanzausweis mit Goodwill/immaterielle VG (also zu Anschaffungskosten) liegt der Buchwert bei 12,28 €. Natürlich wurde ams lange deutlich über Buchwert gehandelt, aber im zusammengelegten Konzern muss man einen Bewertungsaufschlag aufgrund der Unsicherheit sowie der fehlenden Profitabilität von Osram und somit der geringen Gesamtmarge nicht unbedingt gewähren.
Ich weiß - viele Zahlen usw... Aber ich habe mir die Mühe mal für meine eigene Bewertung gemacht und wollte diese mit euch teilen. Wenn ihr einen Fehler entdeckt oder ein Gedankengang unlogisch / nicht nachvollziehbar ist, könnt ihr das gerne anmerken. Ich teile das ja auch, um meine eigenen Gedanken zur Bewertung im Kontext einer Diskussion zu hinterfragen.
Viele Grüße, Binvest |