www.wallstreetjournal.de/article/...7323384604578325392143100714.html Der Markt hat sein Herz an eine Koalition vergeben, in welcher der Mitte-Links-Anführer Pier Luigi Bersani und der aktuelle Ministerpräsident Mario Monti die Hauptrolle spielen. Mit dieser Besetzung erscheint die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass der Reformkurs fortgesetzt wird, den die gegenwärtige technokratische Regierung begonnen hat. Ein anderes Ergebnis als dieses – dem die meisten Experten die höchste Wahrscheinlichkeit zusprechen – wäre ein Schock, der die Investoren verstören würde. Tatsächlich erwarten die Anleger womöglich selbst von einer Koalition von Bersani und Monti zu viel. In der jüngeren italienischen Geschichte findet sich wenig, was das Vertrauen rechtfertigen würde, dass die politische Klasse des Landes bedeutende wirtschaftliche Reformen liefern wird. Fast jeder nennenswerte Fortschritt, den Italien in den vergangenen Jahrzehnten bei der Instandsetzung seiner Wirtschaft gemacht hat, wurde trotz seiner Politiker erreicht – ob über strukturelle Anpassungen, die von der EU gefordert wurden, oder über Maßnahmen technokratischer Regierungen als Antwort auf spezifische Krisen.
Zyperns neuer Präsident hat nur wenige Wochen Zeit, um ein Rettungsprogramm auszuhandeln, mit dem ein desaströser Zahlungsausfall umgangen werden kann. Die Situation ist jedoch noch komplizierter als vergangenes Jahr in Griechenland – sofern das überhaupt geht. Zyperns Banken allein stehen vor einem Kapitalloch von rund 11,5 Milliarden Euro. Die Regierung kann es sich nicht leisten, ihnen diese Summe zu leihen, die 50 Prozent des zyprischen Bruttoinlandsproduktes entspricht. Schon jetzt bewegen sich die Schulden des Landes auf die Marke von 100 Prozent des BIP zu. Bei einer Bankenrettung wären sie erst recht nicht mehr nachhaltig – was das Gespenst eines zweiten Zahlungsausfalls wecken würde, den die Eurozone offiziell für undenkbar hält. Deutschland hat eine direkte Rekapitalisierung durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) allerdings kategorisch ausgeschlossen. Damit stemmt sich die Regierung gegen die Lösung, auf die sich die Staats- und Regierungschefs im vergangenen Juni augenscheinlich geeinigt hatten. Jetzt bleibt die Möglichkeit, denjenigen Verluste aufzudrücken, die das zyprische Bankensystem mit Kapital versorgen. Doch es gibt nicht genügend Aktien und nachrangige Anleihen, um die Verluste zu absorbieren, also müssten auch die Sparer irgendwie einen Beitrag leisten. Politisch mag das reizvoll klingen, da Zyperns Banken randvoll mit russischem Geld sind, das dort angelegt wurde, um von den laxen Geldwäscheregeln auf der Insel zu profitieren. Ein solcher Schritt birgt aber auch die Gefahr einer Panik unter den Sparern in europäischen Ländern mit schwachem Bankensystem – etwas, was die Eurozone fast das ganze letzte Jahr über mit hohem Einsatz zu vermeiden suchte. |