Zockerpapiere Zwei Türen, zwei Zonks [10:16, 18.06.09]
Von Christian Kirchner
Arcandor ist pleite, die Hypo Real Estate bald ohne freie Aktionäre. Doch an der Börse sind die Unternehmen dank Zockern eine halbe Milliarde Euro wert - nicht mehr lange.
In der Fernseh-Quizshow mit dem treffenden Namen "Geh auf's Ganze" müssen sich Kandidaten im Finale zwischen zwei Türen entscheiden. Hinter einer verbirgt sich ein Gewinn, hinter der anderen eine Stoffmaus namens Zonk.
Am Aktienmarkt gehen die Zocker mit den Aktien von Hypo Real Estate ( HRE) und Arcandor derzeit auf's Ganze. Sie mühen sich nach Kräften, die beiden Zonks irgendwie hinter eine Tür zu zerren, in der Hoffnung, dass ihnen ein Dummer die Aktien teurer wieder abnimmt: Am zentralen Tummelplatz deutscher Aktienzocker - der Internet-Community Wallstreet-Online - liefert die Arcandor-Aktie seit Tagen den meisten Gesprächsstoff. Zwar ist die Firma pleite, die Aktie notiert aber bei 0,67 Euro. Das Unternehmen wird so an der Börse mit 160 Mio. Euro bewertet. Der Aktienkurs der Hypo Real Estate liegt bei 1,53 Euro, der Börsenwert der Bank bei 350 Mio. Euro, obwohl der Bund längst klargemacht hat, dass er maximal 1,39 Euro zahlt, wenn er Aktionäre demnächst aus der Skandalbank quetscht.
Im Falle Arcandor nimmt die Spekulation absurde Züge an. Nur rund 100 Millionen Aktien von Arcandor werden frei gehandelt, die restlichen Papiere liegen in der Hand von Großaktionären. Seit dem Tag der Insolvenz wechselte jede dritte Arcandor-Aktie den Besitzer - im Schnitt pro Tag. |