Da ist ja wieder mal mächtig was schiefgegangen bei den US-Statistik-Zahlen: FED-Index für Arbeitsmarktbedingungen, IBD/TPP-Wirtschaftsoptimismus, ISM-Geschäftsaktivität (nicht-verarbeitendes Gewerbe) August, ISM-Dienstleistungsindex August (6-Jahrestief) – allesamt abgeschmiert à Dollar-Index knickt ein à Gold up. Die EZB belässt den Leitzinssatz bei 0,0 % und auch das Ankaufprogramm (80 Mrd. € pro Monat) bleibt unverändert, es könnte auch über den März 2017 hinaus fortgeführt werden. Charttechnik: Silber: lief bis an das Widerstandsfenster (›rising window‹, mutiert – rot) heran und prallte dort vorerst einmal ab. Interessant ist hier aber der grössere Bildausschnitt, beginnend mit der 5. Progression. Hier hat sich ein aufsteigendes Dreieck gebildet, das nun in die entscheidende Phase eintritt. Zwischen ⅔ und ¾ der Zeitachse (Abstand Basis–Spitze, gelbe Fläche) wird eine solche bullische Formation meistens nach oben aufgelöst (Kursziel: USD 26). Gleitet Silber hingegen über dieses Zeitfenster hinaus weiter seitwärts, verliert diese Formation an Bedeutung, bricht es nach unten durch, dann fällt es aus dem statistischen Mittel heraus. Betrachtet man alle anderen Linien und Formationen, die in dieser entscheidenden Phase Einfluss haben werden, so kann man folgendes konstatieren: nach unten sichert die Zinskarotte (grün) zusammen mit der EMA 50 (Kreuzunterstützung) ab, nach oben sperrt ein mutiertes Fenster (rot) den Weg ab, gleichzeitig aber hat sich auch bei Silber ein Abwärtskanal (weiss) etabliert, welcher dem Silber nach unten mehr Bewegungsfreiheit bietet, nach oben hingegen gemeinsam mit dem roten Fenster einen Kreuzwiderstand (verstärkter Widerstand) bildet. Freitag ging es dann auch gleich mit Tempo bis auf Zinskarottenniveau. Gold: wieder zurück an der Stange! Stange, die vierte! Der obere Kanalrand (weiss) wurde zwar anvisiert, aber nicht angelaufen. Die ›3.-Mann-Tour‹ fand also diese Woche ihre Fortsetzung. Interessantes, nicht unwesentliches Detail: die EMA 50 hat sich nun exakt in der Kanalmitte platziert. Auch hier kann man ein Dreieck (gelb), beginnend mit der 2. Progressionsphase, erkennen, allerdings ist es ein symmetrisches, das jedoch ebenso eine Fortsetzungsformation ist. Gold steuert bald auf den zeitlichen Ausbruchs-Trigger (gelbe Fläche) zu. Nach unten gibt es die Unterstützungslinie 12/2015 (grün) sowie zuvor bereits die EMA 50, nach oben sind – ausser den letzten lokalen Hochs und der oberen Kanallinie – keine weiteren Widerstände erkennbar. Kursziel bei Ausbruch: USD 1.470. Barrick Gold: ist zur Zeit kraftlos. Die Kraftlinien vom Edelmetall sind einfach zu schwach, um Barrick über die mittlerweile zum Widerstand mutierte Aufwärtstrendlinie aus der 6. Regression des einstmaligen Aufwärtstrends hinwegzuheben. 3 gescheiterte Versuche en suite in dieser Woche. An dieser Stelle ist sogar ein Kreuzwiderstand gegeben, nämlich in Kombination mit dem mutierten 6. Fixseil. Einzig positiv: das dabei abnehmende Handelsvolumen. Barrick ist in akuter Gefahr, in einen Abwärtstrend zu wechseln. Fällt Barrick nämlich nun nach dem Pullback zum Zwischentief (gelb) unter USD 16,75, dann wird dieser neue Trend schlagend. Doch gibt es glücklicherweise auf diesem Level 2 Retter in der Not, die gemeinsam eine Kreuzunterstützung bieten, nämlich die EMA 200 und das ›bullish engulfing pattern‹. Die Zone, die Barrick also in den kommenden Tagen Schutz bieten könnte, bis es zum hoffentlich bullischen Ausbruch bei den Edelmetallen kommt, erstreckt sich also von USD 16,75 bis USD 19,01. Hier wäre Barrick in einer Seitwärtsbewegung gut aufgehoben, bis es mittels der dann zu erwartenden Edelmetall-Kraftlinien einen zumindest teilweisen Durchbruch der oberhalb angesiedelten Widerstandsschicht – zu der sich am Freitag eine zusätzliche, nämlich der 6. Felsabbruch, hinzugesellt hat – in Angriff nehmen könnte. Fazit: Nicht nur Barrick, auch die anderen Minen folgen zur Zeit der Schwerkraft. Der NYSE Arca Gold Bugs Index befindet sich ebenfalls im Sinkflug und ist am Freitag erneut in den BREXIT-Level eingetaucht. Aus heutiger Sicht also keine rosigen Aussichten für die Goldminen. Übrigens: Auch die US-amerikanischen Märkte sind am Freitag massiv abgestürzt; der Dow Jones hat sogar ein Doppel-Top aktiviert, sprich: eine Trendumkehr! Gold ist zur Zeit stark impulsgetrieben. So wurden die eingangs erwähnten schwachen US-Zahlen mit 22 USD Kursanstieg innerhalb 3 Tagen wieder abverkauft. Entsprechende Statements von FOMC-Mitgliedern sind dafür völlig ausreichend. Gold bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten, bis die leeren FED-Worthülsen von der Realität ad absurdum geführt oder gar – entgegen jeder geofinanztechnischen Vernunft – doch mit entsprechendem Inhalt gefüllt werden? Goldanleger hingegen können den herrlichen Spätsommer geniessen und an der Börse einfach den Faktor Zeit wirken lassen … In diesem Sinne: ein sonniges Wochenende!
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