Ich staune, dass du so wenig auf den beiden vielleicht verdächtigen Mitautoren Kohl und Klingner des Köhler-Textes rumhackst.
Ich habe die Nachricht (die übrigens von Lobby-Control kommt, was SPON erstaunlicherweise nicht erwähnt) bereits am Freitag Mittag im Radio gehört und war befremdet darüber. Ich habe zwar per se nichts gegen Motoren-Experten, die sich zu Schadstoffen äußern, sondern nehme an, dass sie was davon verstehen. Man hätte das aber natürlich von Anfang an offenlegen müssen.
Inhaltlich ändert das aber nichts. Köhler sagt, dass die rein statistische Methode ungeeignet ist, einen Ursache-Wirkung zwischen NO2 und Lungenkrankheiten, gar tödlichen, zu beweisen. Und noch viel weniger, um damit Grenzwerte und Fahrverbote zu begründen. Was beides eine Binsenweisheit ist.
Du verlangst von ihm lächerlicherweise, dass er das Gegenteil beweisen müsse, was er natürlich nicht kann und auch nicht versucht. Wie auch? Man weiß es nicht. Das ist eine alberne Taktik: Irgendwer, z. B. die WHO, behauptet, Schinkenwurst sei krebserregend. Wer das bezweifelt, wird aufgefordert, die Unschädlichkeit zu beweisen. Was für ein Quatsch!
Und komm nicht dauernd mit einer angeblichen Analogie des NO2-Themas zum Rauchen oder zu Asbest: Dort hat man wegen einer zunächst nur statistischen Korrelation viele Jahre lang geforscht und gestritten, um eine echte Ursache-Wirkung zu beweisen. Was jedermann inzwischen als bewiesen glauben muss.
Was übrigens bzgl. Passivrauchens m.E. nicht der Fall ist. Da werden auch ungeheure Totenzahlen genannt, die im Wesentlichen Ideologie und Lustfeindlichkeit sind. Du fühlst dich ja sogar im Freien auf deinem Balkon gefährdet, wenigstens belästigt, wenn ein paar Stockwerke tiefer im Freien geraucht wird. Und plädierst deshalb für ein generelles Rauchverbot. Dich interessiert nicht im Geringsten, dass Drogenkonsum ein elementarer Bestandteil der menschlichen Natur ist. Und somit ein Verbot sowieso nicht durchsetzbar wäre, sondern fatale Folgen hätte. Siehe die US-Prohibition im vorigen Jahrhundert.
Vor ein paar Tagen hast du dich sinngemäß zu der Aussage verklettert: "wo man ein Risiko erkennt, muss man es beseitigen". Das ist m. E. vollkommener Blödsinn. Wir alle leben ständig mit Risiken und nehmen ihre Folgen für uns selbst und andere billigend in Kauf. Anders kann man gar nicht leben. Wir haben gar nichts gegen Risiken, sondern wägen permanent Kosten gegen Nutzen (beides in einem allgemeinen Sinn) ab.
Du übrigens auch, soweit ich mich erinnern kann. Fährst du nicht Fahrrad, Ski und sogar Motorrad? Und zu allem Überfluss auch noch einen Benzin-Stinker als Auto. Was dich vom großen Teil der Menschheit unterscheidet ist nur, dass du selbstverständlich deine persönliche Kosten/Nutzen-Abwägung für richtig hältst (Bäcker) und alle anderen für falsch (Brötchen).
---------- Wie auch immer. Jedenfalls bin ich froh, dass Scheuer die Köhler-Argumente zum Anlass nimmt, das Thema in der EU prüfen zu lassen. Insbesondere die Grenzwerte, Messtationen und die daraus resultierenden Fahrverbote.
Ich überlege, gegen das exzessive Fahrverbot in Stuttgart zu klagen. Alleine schon deswegen, weil es sich nicht nur auf den bei Inversionswetterlage kritischen Innenstadtkessel bezieht, sondern praktisch auf die gesamte Gemarkung Stuttgart, die sogenannte Umweltzone. Ich wohne in einer unmittelbaren Nachbar-Doppelstadt K-M, und zwar in M. K-M hat zwar keine Fahrverbote, aber es gibt keinen Weg von M nach K, der nicht durch die Stuttgarter Umweltzone führt. Somit wird K zur Insel obwohl es keinerlei NO2- oder Feinstaubproblem hat. Ich kaufe in K ein und habe dort vor allem meinen Hausarzt, den ich regelmäßig aufsuchen muss. Beides ist nicht mehr legal möglich.
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