Banken drehen den Hahn zu [09:51, 18.06.10]
Von Angela Maier und Kathrin Werner
Die finanzielle Lage beim Düsseldorfer Solarunternehmen Systaic spitzt sich dramatisch zu. Die Solarfirma bekommt fällige Kredite nicht verlängert. Ein Aktionär ist mitschuldig an der brenzligen Lage.
SYSTAIC AG... Die finanzielle Lage beim Düsseldorfer Solarunternehmen Systaic spitzt sich dramatisch zu. FTD-Informationen aus Branchenkreisen zufolge haben Systaics Banken dem Vorstand Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass sie die Ende Juni fälligen Kredite von 25 Millionen Euro nicht verlängern. Damit droht Systaic womöglich kurzfristig der Exitus.
Ein Systaic-Sprecher sagte dazu nur: "Systaic befindet sich unverändert in intensiven und fortgeschrittenen Verhandlungen mit Banken und Investoren über die Sicherung der weiteren Konzernfinanzierung. Dazu finden bilaterale Gespräche mit möglichen Partnern statt." Unternehmenskreisen zufolge hat sich der Bankenpool aufgelöst. Nun hofft der Vorstand, bis Ende Juni bilateral an neue Kredite zu kommen.
Systaic hat sich auf große Solarkraftwerke spezialisiert - ein Geschäft, das in den vergangenen zwei Jahren stark gelitten hat. Zum einen brach der wichtige spanische Markt nach einer Änderung der staatlichen Förderung fast vollständig ein. Zum anderen hat die Wirtschaftskrise die Finanzierung der Großprojekte enorm erschwert. Institutionelle Investoren verschoben die Solarparks - oder sagten sie gleich ganz ab.
Systaic drückt vor allem, dass der größte Kunde seine Rechnungen nicht zahlt: die Düsseldorfer Firma Soldevco, ein Projektentwickler für Fotovoltaikanlagen. Gegen Soldevco hat Systaic Forderungen aus Solarprojekten in Italien über 96,5 Millionen Euro. Soldevco gehört pikanterweise Michael Viktor Kamp, der an Systaic 20 Prozent hält. Obwohl Kamp bei Systaic keine Funktion hat, regiert er dort laut mehreren Brancheninsidern kräftig mit. Die Folge: Vorstände kamen und gingen - derzeit hat Systaic nur einen Vorstand, Michael Pack. Kamp weist jeden Einfluss auf die Systaic-Geschäftsführung zurück.
Den Banken sind die Geschäfte zwischen Systaic und der erst Mitte 2009 gegründeten Soldevco ein Dorn im Auge: Sie fürchten, von Kamp über den Tisch gezogen zu werden. So hat Soldevco von den seit April fälligen Raten bislang keine überwiesen. "Die Banken haben die Nase voll", so ein Brancheninsider. Systaic hatte bereits auf schwere Finanzrisiken hingewiesen. "Sollte es nicht gelingen, kurzfristig eine Überbrückungsfinanzierung zu erhalten, oder sollte kein signifikanter Eingang auf überfällige Kundenforderungen verzeichnet werden, weil der Kunde selbst kurzfristig Liquidität generieren konnte, ist die Existenz der Systaic AG gefährdet", hieß es Ende Mai im Zwischenbericht. Der Aktienkurs fiel seit Jahresbeginn von 7 Euro auf knapp 1 Euro.
Die unsichere Finanzlage hat das Geschäft zuletzt fast völlig zum Erliegen gebracht. So stürzte Systaics Umsatz im ersten Quartal 2010 von 50 auf 5,1 Millionen Euro ab. Vor Steuern blieb ein Verlust von 9,3 Millionen Euro. Seit der Gründung 2004 war Systaic stark gewachsen: 2009 erreichte die Firma mit 220 Mitarbeitern zwar nicht ihren Plan von 300 Millionen Euro. Der Umsatz lag mit 218 Millionen Euro aber noch um zehn Prozent über Vorjahr bei einem Gewinn von 2 Millionen Euro. |