... jetzt alle zufrieden sind:
- Die 8,00 Kursziel der professionell agierenden Kursdrücker wurden (fast) erreicht. - Der Vorstandsvorsitzende und der Vorsitzende des Aufsichtsrats sind beide noch im Amt. - Die Leerverkäufer können sich nun in aller Ruhe vollsaugen, selbst wenn der Kurs mehrere 10% zulegen sollte. - Die Kleinanleger sind (nervlich und finanziell ohnehin) am Ende und haben von "Verzweiflung" auf "Sarkasmus" umgeschaltet.
Ich habe die (vermeintliche) Gunst der Stunde genutzt und heute am frühen Vormittag sehr kurz laufende Call-Optionsscheine für 2 Cent (Ask) gekauft, die inzwischen ihren Spread (fast) aufgeholt haben. Eine (heftige) Gegenreaktion auf den jüngsten Kursverfall ist eigentlich längst überfällig, aber solange sich die US-Börsen nicht beruhigen, werden wir hier wohl weiter sehr volatile Kursbewegungen bei der Deutschen Bank sehen. Was ich überhaupt nicht denke und glaube ist, dass wir nun in eine nachhaltige Baisse schlittern. Es sieht vielmehr nach einer Korrektur aus, wie wir sie schon das eine oder andere Mal in den letzten 10 Jahren gesehen haben. Gerade wenn alle denken, dass 2019 ein schlechtes Börsenjahr werden wird, ist die Wahrscheinlichkeit um so höher, dass genau das Gegenteil passieren wird. Diejenigen, die bei der Deutschen Bank nun Kurse von (deutlich) unter 8,00 sehen, würde ich warnen wollen, ihre Puts mit engen Limits abzusichern. Nicht dass sie eines morgens aufstehen und sich fragen, wo ihre bisherigen Gewinne abgeblieben sind!? Der aktuelle Abschlag rechtfertigt nicht einmal die geäußerten Unwahrheiten eines Herrn Sewing bei der Präsentation der Q2-Zahlen. Ganz klar, das Vertrauen in die Führungsriege der Deutschen Bank ist auf einem Niveau, das unterirdischer nicht sein könnte, aber vielleicht war das Erreichen der 8,00 -Marke jetzt auch der Punkt, an dem man sagen kann, dass es schlimmer wohl kaum noch kommen kann. Immerhin hat sich die Bank heute Vormittag dazu hinreißen lassen, sich öffentlich gegen die Geldwäsche-Anschuldigungen zu stellen. Ich bin auch gespannt, ob an den Anschuldigungen letztendlich etwas dran ist, aber selbst wenn das der Fall wäre, ist der angerichtete Schaden wohl einigermaßen überschaubar, auch wenn mir ein "Freispruch" deutlich lieber wäre. Da wurde in den letzten Tagen deutlich mehr Porzellan zerschlagen als nötig war, aber wo das Vertrauen fehlt, da hält man sich doch lieber erst einmal zurück und schaut sich das Ganze eben aus der Ferne an, als zu früh in ein (möglicherweise) weiter fallendes Messer zu greifen. Man darf nun gespannt sein, wie sich der jüngste Verkauf des Polen-Geschäfts auf die Erträge auswirken wird: Nimmt man das Vorjahresquartal als Maßstab, so dürfte hier ein neuer absoluter Negativ-Rekord (seit der Finanzkrise) erreicht werden. Klar, die Kosten und der Headcount werden auch deutlich sinken, aber man muss schon 2 Mal hinschauen, um sich zu vergewissern, dass diese Bank wirklich noch ein "systemrelevantes" Finanzinstitut auf diesem Globus ist, zumal die Mitbewerber in der Liga der systemrelevanten Finanzinstitute ein Mehrfaches an Ertrag und ein Vielfaches an Gewinn erwirtschaften. Wie im Fußball wird sich Deutschland auch im Bankenbereich am Ende des Jahres 2018 in einer B-Liga wiederfinden und wie es scheint, ist das (insbesondere) den handelnden Personen vollig egal, weil sie eben "satt" sind und nicht (mehr) hungrig nach (noch mehr) Erfolg. Immerhin lassen sich 11 Fußballspieler deutlich leichter ersetzen als 90.000 Bankmitarbeiter, weshalb zumindest im Fußball noch ein kleines Lichtlein am Ende des Tunnels leuchtet, das einem Hoffnung auf Besserung verschafft. Bei der Deutschen Bank kann man wohl tun was man will: Es will einfach nichts gelingen, was die Bank (unterm Strich) wieder erfolgreicher macht. Das ist schon ganz schön deprimierend, aber (zumindest für mich) ganz klar eine Frage und Folge der Mentalität und Denkweise in diesen Frankfurter Hochhäusern: Die werden nie verstehen, dass notwendige neue Ideen und Impulse von Quertreibern und eher "unangepassten" Leuten eingeworfen und umgesetzt werden müssen, also genau solche Typen, die nach klassischer HR-Herangehensweise mit zu den ersten gehören, die aussortiert werden. Und wenn es dann doch jemand schafft (wie z.B. eine Kim Hammond), dann wird sie eben dann herausgeworfen, wenn ihr der Kragen platzt. Man hätte ihr stattdessen eine Gehaltserhöhung geben und noch mehr Verantwortung übertragen müssen, weil sie offenbar als einzige im Vorstand dieses Unternehmens die Eier hatte, die Dinge beim Namen zu nennen, und das obwohl sie ... (... na ihr wisst schon!). Vielleicht sollte man sich ernsthaft überlegen, "einfach" beide deutsche Großbanken zu verstaatlichen. Bis auf ein etwas höheres Lohnniveau gleicht der dortige Verwaltungsapparat im Großen und Ganzen dem des öffentlichen Dienstes und dann regt sich auch niemand mehr über zu niedrige Aktienkurse oder zu hohe Kosten auf. Am Ende zahlt der Steuerzahler ohnehin, wenn die Zeche geprellt wird. Warum also bis zur nächsten Finanzkrise warten? |