Ob Pierer, Kleinfeld oder Löscher: Renditeversprechen haben bei Siemens eine lange Tradition – und trotzdem müssen Aktionäre weiter auf dauerhaft hohe Gewinne warten.
Wenn die aktuellen Geschäftszahlen von Siemens eines klarmachen, dann das: Aus dem Münchner Technologie-Riesen Siemens einen dauerhaft renditestarken Konzern zu schmieden, ist bislang noch keinem Vorstandschef gelungen.
In den 90er-Jahren wagte der damalige Siemens-Boss Heinrich von Pierer den ersten Anlauf. Weil kritische Aktionäre wegen schlechter Zahlen seinen Abtritt forderten, restrukturierte er ungewohnt hart, spaltete das Halbleitergeschäft (unter dem Namen Infineon) ab, und durfte sich 2000 über einen Rekordgewinn freuen. Die Superprofite waren zwar von Einmaleffekten wie dem New-Economy-Boom und den Erlösen des Infineon-Börsengangs getrieben, ermutigten Pierer aber zu ehrgeizigen Zielen. Für 2003 steckte er sich Renditemarken, die Siemens dauerhaft an den großen US-Rivalen General Electric heranbringen sollten. Das misslang völlig: Als der Tag der Abrechnung gekommen war, war der vorübergehende Höhenflug vorbei – und Siemens wieder mal meilenweit von den Vorgaben entfernt.
So blieb es Pierers Nachfolger Klaus Kleinfeld überlassen, bei seinem Amtsantritt 2005 zu verkünden, dass man die Ziele nun aber definitiv erreichen wolle, und zwar im April 2007. Hierzu sanierte Kleinfeld massiv, stieß das Handygeschäft ab (was unter BenQ Mobile in einer Pleite endete) und brachte die Kommunikationstechnik in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Und tatsächlich: Das Kunststück gelang. Kleinfeld erreichte die von Pierer geerbten Renditemarken im Frühjahr des vergangenen Jahres.
Heute, zwölf Monate später, sieht die Welt indes schon wieder ganz anders aus. Wieder ist Siemens weit von den Gewinnen der besten Wettbewerber entfernt, weil einmal mehr – völlig überraschend – Probleme bei Großprojekten aufgetaucht sind. Diesmal traf es die Energieerzeugung und die Bahntechnik.
Und wieder lautet die Botschaft des Siemens-Chefs, der aktuell Peter Löscher heißt, dass man das natürlich rasch in den Griff kriegen werde. Und dass man sich im Übrigen ja ehrgeizige Ziele gesteckt habe – diesmal für 2010.
Schwächelnde Gasturbinen und defekte StraßenbahnenEs ist stets dasselbe Muster, das sich bei Siemens über die Jahre wiederholt: Das Top-Management verkündet ehrgeizige Ziele, woraufhin das Geschäft meist auch einige Zeit ganz gut läuft und sich die Zahlen in die gewünschte Richtung bewegen – bis dann doch wieder der Einbruch kommt, aufgrund von hausgemachten Problemen. Mal sind es Gasturbinen, die hohe Millionenverluste bescheren, mal sind es defekte Straßenbahnen.
So scheint es, dass der Münchner Konzern ein doppeltes Problem mit seiner Unternehmenskultur hat: eines, das die Schmiergeldaffäre beförderte, die derzeit die Schlagzeilen dominiert. Und eines, das immer wieder dazu führt, dass trotz guten Umsatzes und hoher Aufträge unterm Strich viel zu wenig in der Kasse bleibt.
Quelle: focus.de
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