Hallo Leute,
jetzt muss ich mich auch wieder mal zu Wort melden. Hatte damit gerechnet, dass heute ein Non-Event wird und das ist auch eingetreten. Allerdings gibt es für mich eine positive Überraschung des Tages und das ist Conforama:
Hier halten wir uns einigermaßen stabil im Vergleich zum Vorjahr. Was wir allerdings bedenken müssen ist der negative Impact der Geldwestenproteste auf den Umsatz in der betrachteten Reporting Period. Die ersten großen Proteste fanden im November 2018 statt (also unserem Q1), die letzten größeren Demonstrationen im Frühjahr dieses Jahres (Q2). Das schlägt sich auch in den Umsatzzahlen nieder. In Q1 sind wir massiv geschrumpft, ebenso in Q2 (etwas geringer). Das war genau jene Phase November 2018 - Februar 2019 als in Frankreich die Geschäfte teilweise an Wochenenden geschlossen waren, weil die Demonstranten alles kurz und klein geschlagen haben und jedes Auto abgefackelt haben das sie finden konnten. Klar schlägt sich das auf den Retailsektor besonders nieder, denn wer hat schon Lust darauf, dass er beim Shoppen mit Möbel beworfen wird und sein Auto dann auch noch brennt wenn man mit den Einkäufen fertig ist. ;-)
Dadurch passiert aber eines, es wird die eigentliche Stärke eines Unternehmens stark verfälscht. Darum Conforama bitte mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten:
2017: hier hat Unternehmen noch operative Gewinne im zweistelligen Millionenbereich erzielt
2018: hier hatte man erstmals ein negatives operatives Ergebnis von -24 Mio. EUR. Dadurch ist uns Conforama auch als große Belastung im Gedächtnis geblieben.
H1 2019 + Q3: Der Umsatz ist annähernd gleich hoch wie in den 3 Monaten 2018. Das heißt aber auch, dass der Umsatz TROTZ den Gelbwestenprostesten gehalten hat (sogar mit Q3 ein hauchdünnes Plus erzielt hat). Man darf darum gespannt sein wie Q4 verlaufen wird. Ich gehe davon aus, dass man - sollte die politische Lage in Frankreich einigermaßen ruhig bleiben - sogar ein leichtes Umsatzplus für 2019 drin ist, auch wenn das Ergebnis negativ wird.
Das heißt aber auch eines: Conforama wird auch 2019 nicht zum operativen Grab werden, so wie es bei Mattress Firm 2018 der Fall war. Ja, wir werden ein negatives Ergebnis sehen (im ersten Halbjahr bereits -9 Mio. EUR), aber dieses wird nicht wie bei MF im negativen dreistelligem Millionenbereich sein, sondern annähernd so wie 2018 (-24 Mio). Das dritte Quartal bei den like-for-like Sales in Frankreich ist daher sehr ermutigend!
Weiters müssen wir bedenken, dass die große Schließungswelle (32 Filialen mit negativem Ergebnis sollen geschlossen werden) noch nicht in diesen Zahlen enthalten ist sondern erst bevorsteht. Man muss sich ja auch immer vor Augen halten, dass ich bei 32 Filialen die ein fettes Minus erwirtschaften auch ein paar Filialen brauche die gute Gewinne machen, sonst würde man im Halbjahr nicht bei -9 Mio. sondern bei -90 Mio. liegen. Wenn das Management 32 schwache Filialen bei diesem operativen Ergebnissen identifiziert hat die wirklich schwach laufen, dann sind für mich die Indizien sehr hoch, dass es unter den restlichen Filialen auch sehr, sehr gute Zugpferde geben muss - denn anders rechnet sich das operative Ergebnis im ersten Halbjahr sonst nicht!
Darum traue ich mir auch behaupten, dass wir hier 2020 den Turnaround sehen werden und die Bude ab 2021 wieder richtig gut performt.
Sollte man Conforama verkaufen? Mit den Vorbereitungen für den Verkauf der Iberia Section wurde ja bereits ein erster Schritt in diese Richtung unternommen. Andererseits sehe ich hier auch die Möglichkeit mit 2020, spätestens jedoch 2021 wirklich gute Gewinne zu erwirtschaften. Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass Mattress Firm 2019 wieder (fast) profitabel wird und mit 2020 wohl erstmals gute Gewinne abwerfen wird. Fakt ist: Mattress Firm stand operativ noch viel schlechter da als Conforama heute. Bei Conforama hat man aber auch viel, viel höhere Umsätze und die Lage ist alles andere als hoffnungslos. Wenn man hier den Turnaround schafft und die Margen auf ein sektorübliches Maß biegen kann, dann bin ich überzeugt, dass Conforama Mattress Firm alt aussehen lassen kann - ist aber auch nur meine persönliche Meinung.
Welche Beteiligung man am Ende des Tages verkauft, das wird das Management am besten wissen. Hier können wir nur auf du Preez & co. vertrauen. Aber Fakt ist auch: Je höher sie jede einzelne Beteiligung in die operative Gewinnzone bringen, umso höher der Marktwert der Assets. Ich bin überzeugt, dass wir Conforama derzeit nur mit einem Bruchteil dessen bewerten was das Unternehmen wirklich leisten kann, wenn man es lässt. Die Umsatzentwicklung im 3 Quartal ist für mich ein gutes Anzeichen, dass an dieser Behauptung was dran ist!
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