Die großen deutschen Stromerzeuger fahren schwere Geschütze auf. Bis zu ein Fünftel der Gas- und Kohlekraftwerke, die sich wegen der Energiewende nicht mehr rentieren, könnten Medienberichten zufolge vorübergehend dicht gemacht werden. Was heißt das für die Anleger von E.on und RWE? Ankündigungen, einzelne Stromblöcke abzuschalten, gibt es schon lange bei fast allen Versorgern, aber dieser Umfang ist neu. Vor allem in Süddeutschland dürfte das Sorgen auslösen. Dort steht die Mehrzahl der Atomkraftwerke, die schrittweise vom Netz gehen - wie 2015 das E.on -Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Schneller Ersatz durch Windstrom aus dem Norden ist wegen des langsamen Leitungsausbaus nicht zu erwarten - auch wenn die Politik für Stromautobahnen wie die Thüringer Strombrücke zur Versorgung Bayerns heftig wirbt. Ausreichende Kapazitäten Die für die Versorgungssicherheit zuständige Bundesnetzagentur betont zwar, dass die Kapazitäten völlig ausreichend sind: Auf dem Papier stand 2012 jederzeit rund zehn Prozent mehr konventionell erzeugter - also ständig verfügbarer - Strom zur Verfügung als maximal verbraucht wurde. Hinzu kommen noch die riesigen Kapazitäten an Erneuerbaren, die an manchen Tagen in den Mittagsstunden den bundesweiten Verbrauch ganz allein decken könnten. Ungünstige Lage Doch was ist nachts und wenn der Wind ruht? Nicht umsonst hat die Bonner Behörde im Juni für Süddeutschland ein Stilllegungsverbot für konventionelle Anlagen angekündigt. „Wenn in Süddeutschland noch mehr Kraftwerke vom Netz gehen, wäre das für die Sicherheit der Stromversorgung nicht günstig", sagt ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion vorsichtig. Zahlreiche Projekte auf Eis Nach Angaben des Versorgerverbandes BDEW sind derzeit fast 80 größere Anlagen mit einer Gesamtleistung von fast 40 Gigawatt in Planung, genehmigt, im Bau oder im Probebetrieb. Aber inzwischen sei bei fast einem Drittel dieser Projekte der Zeitpunkt der Inbetriebnahme unklar - vor allem für Anlagen, die nach 2015 umgesetzt werden sollen. Die Branche stoppt, rudert zurück und fühlt sich dabei im Recht. Noch vor wenigen Jahren hatte der Staat sie immer wieder zu Investitionen ermuntert. Zahlreiche milliardenschwere Kraftwerksprojekte wurden beschlossen, die jetzt angesichts des dramatisch gefallenen Börsenstrompreises hohe Verluste produzieren. Panikmache? Kritiker werfen den Versorgern dagegen politische Stimmungsmache mit den Ängsten der Verbraucher vor: „Um Druck für neue Subventionen zu erzeugen, malen die Stromkonzerne in Deutschland wieder einmal den Teufel Blackout an die Wand", kritisiert Greenpeace. Die Energie-Expertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, nannte Blackout-Ängste „abwegig". „Offenbar gehe es den Energieunternehmen um weitere Subventionen für ein ohnehin überteuertes System", meinte Kemfert in der Saarbrücker Zeitung. Neu ja, aber wie? Einig sind sich alle Lager in der Forderung nach einem neuen „Marktdesign" - die erneuerbaren Energien müssten bei einem Marktanteil von inzwischen 25 Prozent ihren anfangs und zum Start sinnvollen Sonderstatus wenigstens teilweise verlieren. Doch wie soll das funktionieren, ohne Vertrauen des Marktes zu zerstören - das wird eine der schwierigsten Aufgaben der neuen Bundesregierung. Sinnvolle Maßnahmen DER AKTIONÄR hat bereits im Rahmen der angekündigten Abschaltung eines E.on-Kraftwerks in der Slowakei betont, dass die Abschaltung unrentabler Kraftwerke - oder auch nur deren Androhung - grundsätzlich positiv für die Anleger von E.on, RWE und Co ist. Die Einschätzung zu den Aktien der beiden größten deutschen Energieversorger bleibt daher unverändert. RWE sollten Anleger weiter von der Seitenlinie beobachten. E.on ist ein Kauf mit Kursziel 16,50 Euro. Ein Stopp bei 11,50 Euro sichert ab. http://www.deraktionaer.de/aktien-deutschland/...rasseln-19906799.htm |