Ahmad Obeidi erstach seine Schwester Morsal, weil ihm ihr Lebensstil nicht gefiel. Wegen Mordes hat ihn das Hamburger Landgericht deshalb nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Gisela Friedrichsen kommentiert die Entscheidung, die bei der afghanischstämmigen Großfamilie für Empörung sorgte.
Hamburg - Welches Signal geht von diesem Urteil aus? Trägt es zu einem besseren, verständnisvolleren Zusammenleben zwischen der deutschen Bevölkerung und den zugewanderten, eingebürgerten Familien bei, die aus einem anderen Kulturkreis stammen? Hilft es, unsere Werte und Normen durchzusetzen bei Menschen, denen diese fremd sind?
..................Auf dem Gerichtsflur empörte sich ein Verwandter der Familie erregt: "Lebenslang wegen so einer Kleinigkeit!"
Da leben Menschen unter uns in einer unzugänglichen Parallelgesellschaft, die sehen die Tötung eines jungen Mädchens als "Kleinigkeit" an. Die toben im Gerichtssaal, drohen, brüllen und schlagen um sich - nicht um der Familienehre willen, sondern weil sie gegen den deutschen Rechtsstaat und gegen unsere Werte und Normen aufbegehren. Von Integration oder auch nur dem Schatten eines Bemühens keine Spur.
Als der Vorsitzende Richter immer wieder auf das Motiv der Familienehre zu sprechen kam, schrie ihn der Angeklagte an: "Sagen Sie mir, was Ehre ist. Ich kenn keine Ehre!" Das dürfte der Wahrheit ziemlich nahekommen.
Denn die Tötung Morsals, diese "Kleinigkeit", ist die Tat ihres unbeherrschten, hochaggressiven, gefährlichen Bruders, der nach der Urteilsverkündung dem Staatsanwalt eine Akte entgegenschleuderte und brüllte: "Du Hurensohn! Ich ficke deine Mutter!"
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