Der Strom in Frankreich kommt RECHNERISCH zu 84,2% aus Kernenergie. Richtig ist, dass auch in Frankreich Kernkraftwerke Grundlastwerke sind und daher nur max. zwei Drittel der Elektrizitätserzeugung abdecken können. Für den Rest werden Mittel- und Spitzenlastkraftwerke benötigt. Real löst Frankreich das Problem durch den Export von Grundlaststrom und Import von Mittel- und Spitzenlaststrom, mit per saldo leichtem Exportüberschuss. Damit ist der rechnerische Erzeugerpreis aufgrund des hohen Grundlastanteils in Frankreich billig, kommt aber nicht billig beim Verbraucher an, weil teuerer Mittel- und Spitzemlaststrom importiert wird, aus Staaten, bei denen dieser Anteil höher ist und damit deren rechnerischer Erzeugerpreis teuer. Unter dem Strich kommt für die Beteiligten jeweils das Gleiche heraus und deshalb auch (steuer- und subventionsbereingt) auch vergleichbare Preise beim Endverbraucher. Wer also PRO Atomstrom argumentieren möchte wählt im Regelfall die Erzeugerpreise als Vergleichswert, vergleicht damit aber Äpfel mit Birnen. Wie kam es überhaupt zu dieser Situation ? Im Unterschied zu Deutschland gab es in Frankreich Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger keinen wirksamen Widerstand gegen die Nutzung der Kernenergie, mit der Folge, dass die damals schon erkennbar überzogenen Wachstumsszenarien der Energielobby eins zu eins umgesetzt wurden, während in Deutschland immer wieder die Bremse gezogen wurde. Nun sitzt Frankreich auf einer gewaltigen Überkapazität an Kernkraftwerken, für die es ökonomisch ist, sie, wenn auch mit unzureichendem Deckungsbeitrag, weiterlaufen zu lassen - denn sie stehen halt schon da und die investierte Kohle ist weg. Die Verluste aus den Fehlinvestitionen wurden über eine beschleunigte Abschreibung der Kraftwerke in der Bilanz bereits kompensiert und dabei so ganz nebenbei infolge Verrechnung mit Gewinnen aus anderen Bereichen eine satte indirekte Steuersubvention eingesammelt. Der nun RECHNERISCH niedrige Restwert der bestehenden Anlagen bringt rechnerisch eine schöne Kapitalrendite und läßt die Atomenergie günstig erscheinen. Wieso wird dann auch für die Zukunft weiter auf Kernenergie gesetzt ? - Man bedenke bitte, dass Frankreich der weltweit bedeutenste Exporteur von Atomtechnologie aller (!) Art ist. Dieses Geschäft kompensiert bei weitem den versteckten Subventionsumfang für den Betrieb der heimischen Kernkraftwerke. Aber auch die Kosten für die "Entsorgung" auf französische Art sind natürlich weit geringer als wenn man wenigstens symbolisch auf Mensch und Umwelt Rücksicht nehmen wollte. Sollte übrigens die Zukunft des Atommülls weiter ungewiss bleiben, mit Horrorszenarien für die zukünftig anfallenden Kosten, und sollte auch eine größere Vorsorge für Risiken gefordert werden, so ist das der Atomlobby keineswegs unangenehm, solange dadurch nur der Weiterbetrieb nicht gefährdet wird. Alles was an Rückstellungen gebildet werden muss ist schließlich kein Gewinn - und damit steuerfrei ! Mit dem Ende der Kernenergie kann (und muss) ein Teil dieser Rückstellungen wieder aufgelöst werden - alles klar ? |