Die Recherche über den Motorradmarkt ist nicht so ganz einfach. Wenn man Statistica.com halbwegs vertrauen kann, gelten folgende Eckdaten:
- ca. 1 Mio. Neuzulassungen pro Jahr in Europa
- davon 14000, also 1,3% Elektrisch [
http://motorzeitung.de/news.php?newsid=623592]- Nordamerika ca. 350.000 Neuzulassungen
- in den Hauptmärkten also zusammen ca. 14 Mrd. Jahresumsatz
- insofern Energica die 2020er Prognose erfüllt, erreichen sie 6 Mio. Umsatz, bei grob kalkulierten 25.000€ pro Maschine sind das 240 Stück, da ist echt wenig und entspricht wiederum nur ca. 1,3% aller verkauften Elektromotorräder.
- in 2021 und 2022 unterstellt Energica nahezu jeweils 100% Umsatzwachstum, auf über 20 Mio. € in 2022.
- Das Unternehmen ist ein Spin-Off der CRP-Group (seit 45 Jahren am Markt, Zulieferer Motorsport, CNC-Bearbeitung, Umsatz unbekannt). Etwas Kapital wird daher im Hintergrund stehen, solange man noch Geld verbrennt. Chairman und CEO sind die Kinder des CRP-Gründers. CRP hält knapp 55%, 40% Freefloat
- positives EBITDA wird ab 2022 erwartet. Vermutlich etwas zu ambitioniert.
- die Motorräder sind im Vergleich teuer als Verbrenner. In der Präsentation spricht man von einer Amortisation nach 4 Jahren.
- Reichweite ähnlich bis höher als Verbrenner und technisch wird es hier sicher auch noch Verbesserungen geben.
- Fahreigenschaften sind wohl gut. Im Rahmen des Marketing hat man Nico Rossberg eine Maschine geschenkt, dessen Urteil auf der Strecke dann - wie überraschend - positiv ausfiel. Auf Youtube einsehbar.
- Wenn der E-Motorradmarkt mit knapp über 20% p.a. wüchse, stünden wir in 10 Jahren bei 10% Marktanteil (vlt. ist das auch viel zu konservativ). Abgasnorm liegen bei Motorrädern seit 1.1.21 bei Euro 5, also deutlich verzögert zum PKW-Markt, aber dennoch finden Verschärfungen statt. Realistischer sind 2030 wohl eher 20%+x Marktanteil, also ca. 130.000 E-Maschinen in den USA und Europa. Das entspräche 30% Wachstum des E-Motorradmarktes p.a.
- Würde Energica nach Umsatz 2022 von 20 Mio. ebenfalls mit 30% p.a. wachsen, kämen wir 8 Jahre später in 2030 auf 160. Mio. Umsatz und 6500 verkaufte Maschinen.
- Harley-Davidson wird (auch da leicht schrumpfend) mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1 bewertet. Unterstellt man im wachsenden E-Motorradmarkt eine Umsatz-Multiple von 1,5, entspräche die einer Marktkapitalisierung von 240 Mio. € in 2030 und somit einem Faktor von 7,5 im Vergleich zu heute.
Die Konkurrenz bewegt sich zwar bereits in ganz anderen Absatzregionen und es gibt hier sehr viele Variablen, dennoch werde ich demnächst eine erste Position in dieses Papier eingehen. Der Markt ist interessant und noch ganz am Anfang. Die Kurse sind nicht allzu heiß gelaufen (kein Vergleich zu H2) und es gibt wenig andere oder keine börsennotierten Player. Im Hintergrund steht Unternehmen mit Knowhow im Motorsport. Die Produkte scheinen mindestens Konkurrenzfähig.