Neuemissionen
OVB-Aktie lebt von Osteuropa-Phantasie
Osteuropa im Blick: OVB-Chef Michael Frahnert 17. Juli 2006 Mit der OVB Holding (Isin DE0006286560) strebt gerade wieder einmal ein Finanzdienstleister an die Börse (Details dazu in der FAZ.NET-Tabelle). Und wie den meisten Vertretern aus diesem Sektor wird auch dem mit Hauptsitz in Köln ansässigen Unternehmen ein gehöriges Maß an Skepsis entgegengebracht. Erschwert wird der Börsengang des in Deutschland viertgrößten Versicherungs- und Finanzmakler zudem durch ein momentan sehr schwieriges Umfeld, ist doch allgemein eine starke Zurückhaltung in der Anlegerschaft zu spüren.
Was die Kritik an der Gesellschaft selbst angeht, werden der inzwischen seit 36 Jahren existierenden OVB nicht selten noch immer die Fehler aus der Vergangenheit vorgehalten. Und da man damals nach der typischen Masche eines Strukturvertriebes agierte, war das Image zu Recht angekratzt. Die meisten fragwürdigen Praktiken sind zwar längst abgeschafft, Kritik am Konzernaufbau wird aber dennoch nach wie vor geübt.
Nur maximal 25 Millionen Euro gehen an das Unternehmen
Was vielen Skeptikern nicht gefällt, ist die enge Verflechtung mit den Großaktionären Deutscher Ring, Signal Iduna und Volksfürsorge. Diese halten schließlich noch immer insgesamt 68 Prozent der Aktien. Angesichts dieser Dominanz stellt sich schon die Frage, wie unabhängig beim Produktverkauf vorgegangen wird. Nicht geringer werden die damit verbundenen Bedenken natürlich durch den im Emissionsprospekt enthaltenen Risikohinweis, wonach die Interessen der Großaktionäre nicht immer und automatisch gleichgerichtet mit den Interessen der anderen Aktionäre sein müssen.
An der Aktienemission selbst wird ansonsten primär bemängelt, daß dem Unternehmen aus den erhofften Mittelerlösen von maximal 66,67 Millionen Euro letztlich nur maximal knapp 25 Millionen Euro direkt zufließen werden. Der Rest geht an die Mitarbeiter, die einen Teil ihrer Aktien abgeben werden. Mit der Begründung, die Abgabebereitschaft resultiere auf dem nachhaltigen Drängen der Emissionsbanken nach einer Ausdehnung des Free Floats, geben sich nicht alle Beobachter zufrieden. Sie können sich nicht vorstellen, daß jemand, der vorbehaltlos von den guten Zukunftsaussichten des Unternehmens überzeugt ist, freiwillig Aktien abgeben würde. Das gilt übrigens auch mit Blick auf die Verkaufsbereitschaft von Vorstandsmitglied Oskar Heitz, der bei Ausübung der Mehrzuteilungsoption bereit wäre, einen Teil seiner Aktien zu verkaufen. Sein Verweis, mit dem Erlös private Immobilienträume verwirklichen zu wollen, wirft bei einigen Kritikern ebenfalls Fragen auf.
Beurteilung der Aktie hängt an der Erfüllung der Wachstumsaussichten
Bei allen Vorbehalten gibt es aber auch einige Gründe, die für die OVB-Aktie sprechen. Das wichtigste Argument ist mit Sicherheit die bereits sehr gute Positionierung im Ausland, wobei man insbesondere in Osteuropa stark vertreten ist, zum Beispiel in der Tschechischen Republik und der Slowakei, in Kroatien, Ungarn, Polen und Rumänien. Verglichen mit der deutschen Konkurrenz sind die Kölner dort schon viel weiter, und es ist nicht davon auszugehen, daß man sich diesen Wettbewerbsvorteil wird nehmen lassen. Im Gegenteil: Mit Hilfe des Kapitals aus dem Börsengang ist eine Ausdehnung der Aktivitäten in Osteuropa fest eingeplant. So soll unter anderem als nächstes der ukrainische Markt erschlossen werden.
Schon jetzt wird mehr Geld im Ausland erwirtschaftet als im Inland. Da es sich in Osteuropa noch immer sehr viel Nachholbedarf in Sachen Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen gibt, wird das Ausland in den nächsten Jahren noch mehr an Dominanz gewinnen. Das Geschäftsmodell von OVB beinhaltet jedenfalls Wachstumsdynamik. Bis 2008 scheint bei den Gesamtvertriebsprovisionen, die sich im Vorjahr auf 181,2 Millionen Euro beliefen, durchaus eine Steigerung in den Bereich von 250 Millionen Euro denkbar zu sein.
Läuft alles nach Plan könnte in diesem Zeitraum beim Gewinn sogar eine Verdoppelung drin sein. Stimmt diese Annahme, würde der Gewinn je Aktie von zuletzt 1,01 Euro auf mehr als zwei Euro steigen. Gemessen an der Bookbuildingspanne von 19 bis 22 Euro würde dies maximal ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter elf bedeuten. Nicht uninteressant ist für manche Anleger vermutlich die Dividendenrendite, die dann winkt, wenn wie versprochen die Ausschüttungsquote auch künftig rund 75 Prozent betragen wird. Denn bereits auf Basis der letzten Ausschüttungssumme von 0,75 Euro je Aktie errechnet sich eine Dividendenrendite von immerhin 3,4 Prozent.
Die Aktie könnte ihren Eignern durchaus Freude bereiten
Die noch immer vielen Vorbehalte gegenüber dem Unternehmen in Verbund mit der schwierigen Börsenlage dürften einen Blitzstart der OVB-Aktie verhindern. Darauf deuten auch die derzeitigen Kurse im Handel per Erscheinen hin. Mit 18,75 bis 19,40 Euro bewegt sich hier die Geld-Brief-Spanne nur am unteren Ende der offiziell vorgegebenen Preisspanne.
An der Emission beteiligten Banker sprechen aber trotzdem von einer regen Nachfrage nach dem Titel, und sie rechnen trotz aller Widrigkeiten fest mit einem erfolgreichen Börsendebüt. Wie es heißt, dürfte der Wert vor allem in einige auf Osteuropa ausgerichtete Portfolios wandern. Und die Ausrichtung auf Osteuropa ist auch sonst das größte Pfund mit dem die OVB wuchern kann. Hält die Gesellschaft in dieser Region Kurs, kann die Aktie ihren Eignern durchaus Freude bereiten.
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