Meinung.
Die muslimische Welt hinkt in ihrer Entwicklung der christlich/westlichen Welt hinterher. Dafür gibt es sicherlich Gründe. Vergessen wir jedoch nicht, dass auch die christlich/westliche Welt eine ähnliche Entwicklung hinter sich hat, die noch gar nicht so lange her ist. Im Grunde genommen zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Kirche hatte gewaltigen gesellschaftlichen Einfluss und war so etwas wie eine gesetzgebene Kraft. Eigentlich mit der Sharia vergleichbar, in der irdische Vertreter Vergehen und die zugehörigen Strafen benannten und gleichzeitig das Fortentwickeln der Gesellschaft behinderten. Gerade der technisch/wissenschaftliche Bereich wurde dabei über Jahrhunderte behindert, Vordenker als Ketzer abgekanzelt und es ist sicherlich nicht vermessen zu behaupten, dass wir auf den Wissenschaftsgebieten wesentlich weiter sein könnten. Und diese massive Einflussnahme auf die Gesellschaft durch die Kirche ist erst in den letzten 50 Jahren deutlich geschrumpft.
Die islamische Welt ist auf einem ähnlichen Weg. Gerade in Städten ist das öffentliche Bild da kaum noch von denen westlicher Städte unterscheidbar. Klar spielt sich da vor und hinter den Kulissen noch wesentlich mehr religiöser Einfluss ab, aber eine Tendenz in die andere Richtung ist unverkennbar. Gerade weil es heute Satelliten-Fernsehen und ähnliches gibt, die von staatlich/religiösen Einrichtungen kaum noch zu kontrollieren oder zu steuern sind, wird die islamische Welt einen nicht so langen Prozess des Umbruchs wie die westliche Welt durchlaufen. Und man kann doch auf die Welt schauen wohin man will, mal unabhängig von islamischen Regionen. Auch wenn die Menschen dort wenig haben, Fernsehantennen und Satellitenschüsseln findet man in jedem Winkel dieser Welt.
Auch sind die Unterschiede oftmals gar nicht so groß, wie man annehmen könnte. Ist doch gerade die Geschichte gar nicht mal so dünn gesäet mit Beispielen, wo man auch ganz gut miteinander konnte.
Ich ganz persönlich bin der Meinung, dass sich die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gar nicht soviel unterscheiden. Es liegt in ihrer Natur sich weiter zu entwickeln und ihre Lebensumstände zu verbessern. Da ist jedem das eigene Hemd wichtiger als die Hose des anderen. Auf der anderen Seite ist der Mensch jedoch auch leicht beeinflussbar und wenn die Umstände ungünstig sind, ist er anfällig für jede Art von Ideologie. Egal ob es sich dabei um religiöse Dinge handelt, die natürlich einen viel tieferen Ursprung haben und über Generationen und im engeren Familien- und Gesellschaftskreis gepflegt werden oder aber um politische, wie das Extrembeispiel des Nationalsozialismus in Deutschland. Deswegen bin ich ja auch kein Freund von Ideologien im Allgemeinen und ausser mich als überzeugten Demokraten mit dem Hang zur sozialen Marktwirtschaft zu bezeichnen (zumindest bis es für mich erkennbar etwas besseres gibt) versuche ich mich von allen Ideologien fern zu halten und so weit es geht nach Faktenlage zu entscheiden oder mir eine Meinung zu bilden.
Der Palästina-Konflikt gibt jedoch den radikaleren muslimischen Kräften immer wieder die Möglichkeit die muslimische Welt in ihrer Fortentwicklung zu behindern. Mir persönlich ist es dabei egal, welcher islamischen Strömung sie dabei entspringen, ihr Einfluss auf die gesamtislamische Denk- und Handelsweise ist dabei unverkennbar und zielt, ich glaube da sind wir uns einig, in die falsche Richtung.
Ich sehe aber auch einen deutschen Aussenminister im Fersehen, der brav vor ein paar Tagen die uneingeschränkte Solidarität zu Israel öffentlich der Welt verkündete. Eine klar proisraelische Haltung und damit eine nach Stand der Dinge auch eine als antisislamisch zu interpretierende. Obwohl ich Deutscher bin und eine demokratisch gewählte Regierung uneingeschränkt anerkenne ist dies trotzdem nicht meine Meinung. Wie wackelig diese Aussagen sind und welch großen aussenpolitischen Einfluss sie haben sollte man jedoch nicht unterschätzen. So hat die Vorgängerregierung ganz vollmundig nach dem 11.09.2001 der Welt verkündet, dass wir nun alle Amerikaner seien, das die USA die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands hat und wir die Pflichten der eingegangenen Bündnisse treu erfüllen. Was für ein aussenpolitisches Hich-Hack aus diesen Aussagen geworden ist und wie wenig Deutsche hinter diesen vorschnell getroffenen Aussagen dann wirklich gestanden haben, das haben wir ja erlebt.
Man sollte daher die eigene Rolle und die Aussenwirkung die man hinterlässt nicht fahrlässig unterschätzen.
Und noch eine Anmerkung. Mit so Einfachaussagen wie in deinem letzten Abschnitt tue ich mich besonders schwer, auch wenn Menschen (mich da manchmal eingeschlossen) danach zu streben scheinen gerne die Dinge auf so einfache Formeln zu reduzieren. |