Habe deine Frage leider erst heute gelesen. Hier meine etwas allgemein gehaltenen Antwort:
Nachdem ich von verschiedenen Seiten gefragt wurde, wie ich die Aussichten für TCM beurteile, hier eine kurze Zusammenfassung:
Man muss unterscheiden, wie gut es dem Unternehmen geht (Gewinn) und wie sich das auf den Aktienkurs auswirkt. Deshalb zunächst eine Betrachtung der Situation des Unternehmens und der Weltwirtschaft:
Die Weltwirtschaft zeigt sich in meinen Augen unverändert kräftig. Insbesondere China und Indien sorgen für kräftige Wachstumsimpulse. Die Delle im Wachstum der USA (eine Rezession erwarte ich nicht - ausser sehr viel Angst gibt es bis heute keine belastbaren Fakten, die in diese Richtung zeigen (eine Abschwächung des Wachstums ist jedoch nicht zu leugnen)) kann nach meiner Auffassung allenfalls das weltweite kräftige Wachstum leicht bremsen. Aus dieser Sicht ist weiterhin eine starke Nachfrage nach Rohstoffen zu erwarten (doch selbst bei schlechter Gesamtwirtschaft würde die Nachfrage nach Rohstoffen nicht plötzlich gegen Null gehen, sondern allenfalls leicht nachlassen).
Der wichtigst Punkt für den Gewinn von TCM ist sicher die Höhe des Molypreises. Derzeit besteht eine Knappheitssituation für Molybdän. Die Förderung der westlichen Länder ist 2007 gleichbleibend oder sogar leicht sinkend. Exporte im ersten Halbjahr aus China waren kräftig (im Vorgriff auf die Exportbeschränkungen wurde von chinesischen Firmen schnell noch exportiert, was nur machbar war), ab Jahresmitte stark rückläufig. Für 2008 ist keine wesentliche Steigerung der westlichen Molyproduktion zu erwarten, die Exporte aus China dürften gegenüber 2007 (Gesamtjahr) stark rückläufig sein. Als erwartetes Wachstum der Nachfrage werden hingegen 4%-6% angegeben, je nach Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Schere zwischen starker Nachfrage und schwachem Angebot wird sich also weiter öffnen, was tendenziell zu deutlich steigenden Preisen führen dürfte. Auch in 2009 werden keine wirklich großen Mengen an Molybdän zusätzlich auf den Markt kommen, während die Nachfrage weiterhin wachsen sollte. Erst 2010 kann (frühestens) eine relevante Zahl von neuen Minen in Produktion gehen. Ab 2011 könnte dann möglicherweise (falls alle geplanten neuen Minen tatsächlich finanziert werden können) durch erhöhte Produktion wieder mit leicht sinkenden Molypreisen gerechnet werden (vermutlich auf einem Niveau, das weit über dem heutigen liegt).
TCM selbst wird nach den Planungen die Produktion im Jahr 2008 um 51% steigern, in 2009 gegenüber 2007 sogar um 89% (ohne Davidson). Für 2010, unter der Voraussetzung, dass die Produktionserhöhung in Endako verwirklicht wird und Davidson bis dahin voll in Produktion ist, ergibt sich gegenüber 2007 eine Produktionssteigerung um etwa 135%. Diese Zahlen sind bereits bei gleichbleibendem Molypreis extrem erfreulich. Soweit der Molypreis noch einen zusätzlichen Hebel für den Gewinn liefert, verbessern sich die Aussichten noch viel weiter.
Im kurzfristigen Bereich gibt es im Moment noch eine kleine Minderung der Produktion durch die Folgen des Erdrutsches in Endako. Die Produktion läuft jedoch nach wie vor und die Auswirkungen auf die Gesamtproduktion des Jahres liegen nach meiner Berechnung je Woche der Produktionseinschränkung bei maximal 0,3%. Sollten also bis Ende des Jahres die Folgen des Erdrutsches noch nicht behoben sein, so könnte die Jahresproduktion maximal um 1,8% sinken (je nach Aufteilung des in der Gesteinsmühle verarbeiteten Erzes vielleicht auch nur um 0,6%).
Die Gewinn-Aussichten des Unternehmens beurteile ich also im kurzfristigen Bereich als gut, auf Sicht von 2-3 Jahren sogar als extrem gut.
Vollkommen getrennt zu betrachten ist der Kurs der Aktie: Nach einem schönen Märchen ist der Markt vollkommen transparent, da heutzutage jeder die gleichen Möglichkeiten hat, an Informationen zu kommen. Jede Änderung der Fakten soll nach dieser Theorie innerhalb von Stunden, höchstens Tagen in den Kurs eingepreist sein. Ein schönes Märchen mit wenig Bezug zur harten Realität. Zwei Beispiele: 1) Zumindest am Tag nach der vollzogenen Übernahme, als am 26.Oktober 2006 der damalige Explorer Blue Pearl die produzierende Mine Thompson Creek übernommen hat, hätte der Kurs der Aktie schlagartig nicht mehr einem kleinen Explorer ohne Einkünfte und mit ständigem Verlust entsprechen dürfen, sondern er hätte die Ertragsaussichten eines hochprofitablen Produzenten wiederspiegeln müssen. In Realität hat es dann etwa 9 Monate gedauert, bis der Kurs auch nur in die Nähe einer fairen Bewertung kam. 2) Die eigentlich Schuldigen an der Subprime-Krise und durch Ertragsausfälle in Milliardenhöhe betroffenen Unternehmen, nämlich die Banken und Finanzinstitute erlitten fast durchweg nur relativ geringe Kursrückgänge und sind inzwischen wieder deutlich am Steigen. Sehr viel massiver abgestraft wurden jedoch z.B. Rohstoffunternehmen (und damit meine ich nicht nur spekulative Explorer), die nicht nur keine Verluste durch die Krise erlitten haben, sondern ihre Gewinne kräftig steigern konnten.
Mit einer fairen Bewertung durch den Markt ist also auf kurze Sicht nicht unbedingt zu rechnen. Was eine viel größere Rolle spielt, ist die Psychologie vieler Marktteilnehmer. Der durchschnittliche private Anleger hat üblicherweise absolut keine Ahnung von dem Unternehmen, dessen Aktie in seinem Depot liegt, die er auf Empfehlung von Analysten, Banken, Zeitschriften, Börsenbriefen usw. gekauft hat, oder auch nur, weil sie gerade so schön billig schien. Er betreibt kein eigenes Research und ist üblicherweise dazu auch gar nicht fähig. So fehlt es ihm an sämtlichen Kriterien um die Qualität eines Unternehmens beurteilen zu können und er wird umso leichter ein Opfer von Verunsicherung, Angst und Panik. Bei fallenden Kursen wird so extrem schnell der Verkaufsknopf gedrückt, und schon ist eine Spirale aus Angst und Verkäufen ausgelöst, die in sich selbst gute Nahrung findet. Kapitalkräftige Institutionen und Leerverkäufer nutzen dies, um mit dem Kurs ein hochvolatiles Jojo-Spiel zu treiben und sich selbst damit gute Gewinne zu verschaffen. Das derzeitige Marktumfeld läd geradezu ein für soche Manipulationen. Die Auswüchse davon in Form diverser User in Börsenforen die ganz massiv versuchten für Verkaufsdruck zu sorgen, durften wir in den letzten Tagen in reichlich unappetitlicher Form hautnah erleben. Wer erfahren genug ist und bereit, ein hohes Risiko einzugehen, der kann als Kurzfrist-Trader an diesem Spiel teilhaben. Der langfristig orientierte Anleger hingegen ist gut beraten, dieses adrenalinlastige Spiel einfach zu ignorieren und darauf zu setzen, dass der Kurs langfristig immer in die Nähe einer fairen Bewertung gehen wird. Bei einem sehr stark wachsenden Unternehmen wie TCM mit entsprechenden Gewinnaussichten hat die "buy and hold"-Strategie nach wie vor ihre Berechtigung.
Im kurzfristigen Bereich hingegen lässt sich nicht seriös vorhersagen, wohin der Kurs am nächsten Tag tendieren wird. Zuviel hängt dabei in diesen unruhigen Zeiten von externen Faktoren ab, wie steigender oder fallender DOW, Vorgaben der asiatischen Märkte, Entwicklung des Goldpreises, für den Gesamtmarkt wichtige Zahlen, die am jeweiligen Tag veröffentlicht werden, und sogar (idiotischerweise) von den Abschreibungen, die eine Bank heute gerade mal wieder an die Öffentlichkeit bringt, oder ein Übernahmegerücht eines vollkommen anderen Unternehmens aus der gleichen Branche. Selbst der am 22.11. vollzogene Ausbruch aus dem Abwärtstrend konnte ja gerade mal einen einzigen Tag lang für steigende Kurse sorgen, und schon ging es, trotz guter News wieder bergab. Trotzdem, der Abwärtstrend ist gebrochen und die 200-Tage-Linie hat als Unterstützung gehalten. Aus dieser Sicht gibt es zumindest keinen Grund, auf weiter sinkende Kurse zu setzen. Also buche ich das momentane Auf und Ab als übertriebene Volatilität und baue darauf, dass sich demnächst die Erkenntnis durchsetzen wird, das TCM ein hochprofitables Unternehmen ist. Ich denke jedenfalls nicht, dass sich diese Zitterpartie bis zu den Jahreszahlen 2007 fortsetzen wird. Zudem, es gibt immer noch viele Anleger, die fälschlicherweise glauben, dass die Produktion in Endako steht. Sobald das Unternehmen eine Beurteilung der Situation und der weiteren Entwicklung veröffentlicht, sollte dieser Unsicherheitsfaktor auch endlich vom Tisch sein. Die Befreiung des teilweise verschütteten Baggers ist ja schon ein erster, positiver Schritt. Und so allmählich sollte auch das KGV 2007 keine Rolle mehr spielen, vielmehr der sehr deutlich höhere Gewinn für 2008 zur Beurteilung herangezogen werden.
Bleibt als aktueller Punkt noch das morgen stattfindende Listing an der NYSE. Ein Listing an dieser Börse stellt hohe Anforderungen an die Qualität des Unternehmens und insofern ist ein Listing dort durchaus als Qualitätsmerkmal und Imagegewinn zu verstehen. Zudem konnte TCM als Unternehmen, das deutlich mehr als die Hälfte seiner Aktivitäten in USA betreibt, von US-Anlegern im wesentlichen nur umständlich über ausländische Broker gehandelt werden. Mit dem Listing an der NYSE ist dieser Hemmschuh beseitigt. Nach einer Mail des Unternehmens gibt es auch eine ganze Reihe von asiatischen Investoren, die Unternehmen in Nordamerika nur dann kaufen, wenn diese an der NYSE gelistet sind. Diese Überlegungen lassen zumindest auf Sicht von einigen Wochen auf einen deutlich ausgeweiteten Kreis von Kaufinteressenten hoffen. Inwieweit ein erhöhtes Kaufinteresse bereits am ersten Tag des Listings festzustellen ist, bleibt abzuwarten.
Stock24 (alias chartex)
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