Kurt Tucholsky, 1930

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neuester Beitrag: 26.10.08 08:03
eröffnet am: 26.10.08 07:56 von: Mulles Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 26.10.08 08:03 von: zombi17 Leser gesamt: 2823
davon Heute: 1
bewertet mit 9 Sternen

26.10.08 07:56
9

56 Postings, 5993 Tage MullesKurt Tucholsky, 1930


Wenn die Börsenkurse fallen,
  regt sich Kummer fast bei allen,
 aber manche blühen auf:
 Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

 Keck verhökern diese Knaben
 Dinge, die sie gar nicht haben,
 treten selbst den Absturz los,
 den sie brauchen - echt famos!


 Leichter noch bei solchen Taten
 tun sie sich mit Derivaten:
 Wenn Papier den Wert frisiert,
 wird die Wirkung potenziert.


 Wenn in Folge Banken krachen,
 haben Sparer nichts zu lachen,
 und die Hypothek aufs Haus
 heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
 kommt die ganze Welt ins Wanken -
 auch die Spekulantenbrut
 zittert jetzt um Hab und Gut!


 Soll man das System gefährden?
 Da muss eingeschritten werden:
 Der Gewinn, der bleibt privat,
 die Verluste kauft der Staat.


 Dazu braucht der Staat Kredite,
 und das bringt erneut Profite,
 hat man doch in jenem Land
 die Regierung in der Hand.


 Für die Zechen dieser Frechen
 hat der Kleine Mann zu blechen
 und - das ist das Feine ja -
 nicht nur in Amerika!


 Und wenn Kurse wieder steigen,
 fängt von vorne an der Reigen -
 ist halt Umverteilung pur,
 stets in eine Richtung nur.


 Aber sollten sich die Massen
 das mal nimmer bieten lassen,
 ist der Ausweg längst bedacht:
 Dann wird bisschen Krieg gemacht.


 Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"  

26.10.08 08:03

59073 Postings, 7889 Tage zombi17Das war echt schon 1930 so?

Dann wird das auch dieses Mal nichts mit dem Knüppel aus dem Sack.

Dann bleibt es also beim:

Liebe Schafe, anstellen zum scheren.  

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