Sicherlich gibt es auch Fälle in denen man das Geländer am Teich erst anbringen kann, wenn das Kind im Brunnen liegt. Das trifft aber bei weitem nicht für alle Fälle zu. Mein Beispiel bezüglich der Immobilienblase in Irland zeigt es sehr genau. Die dortige Zentralbank hat es frühzeitig bemerkt und Gegenmaßnahmen verlangt, welche problemlos umsetzbar gewesen wären und wozu es auch keine neuen Erkenntnisse gebraucht hätte. Und wieso hat sich die Zentralbank sogar öffentlich an die EZB gewandt? Sehr wahrscheinlich weil sie mit ihrem Anliegen bei der eigenen Politik schon gescheitert war. Heute weiß es jeder auch wieso, damals wusste es jeder Ire auch schon. Es gab mafiöse Verstrickungen zwischen der Bauindustrie, den Banken und großen Teilen der Politik, schlimmer als in Italien. Etliche sitzen schon, aber ganz gelöst ist dieses Problem noch immer nicht. Und welche Schlussfolgerung kann man daraus ziehen? Es ist eben nicht so, dass man prinzipiell nichts gegen Krisen tun könnte, es wird aber nicht selten aus ganz bestimmten Interessenlagen verhindert.
Jeder Anfänger in der Volkswirtschaft weiß, dass wenn das Geld zu billig ist, Fehlentwicklungen entstehen. Und 0 bis 1% sind eindeutig zu billig. Todkranke Firmen können überleben und sogar gesunde Firmen schlucken. Es werden unsinnige Investitionen getätigt und die notwendige Risikoneigung steigt zu stark an. Gerade in derartigen Phasen muss man besonders vorsichtig sein und sich nicht nur mit Makrozahlen sondern auch mit der realen Welt beschäftigen. Weidmann sieht bei uns z.B. sich eine Immobilienblase entwickeln. Etliche Sparkassen finanzieren den Hausbau mit fast 100%, manchmal sogar darüber. Wo bleiben die gesetzlichen Regelwerke? Wo bleibt die Bankenaufsicht? Auch in den USA gab es, als die kriminellen Kreditverträge überhand nahmen, nicht wenige Warner und jeder, der bis 3 zählen konnte war die Gefahr klar. Es passierte aber nichts, weil es so ein toller kurzfristiger Gewinn war und die Interessierten die Politik in der Hand hatten.
Jeder würde für nicht voll genommen werde, der seine Haustüre auch bei Abwesenheit sperrangelweit aufstehen ließe und vorher jedem erzählt hätte wieviel Geld er zu Hause lagerte. Man hat trotz Gesetz und Polizei eben nicht grundlos Türen mit Schlösser und Alarmanlagen geschaffen. Verhindert auch nicht alles aber sehr viel. |