1. Ich preise nicht das Sparen im Sinne von Budgetkürzungen (Brüning'sche Deflationspolitik).
2. Ich preise aber erst recht keine 10-BIP-%-Neuverschuldungssause, wie sie seit 2009 in den USA läuft.
Wenn ich gegen (2) bin, bedeutet dies nicht, dass ich automatisch für (1) wäre.
Wenn heute von "Sparen" die Rede ist, wird eh nicht gespart. Lediglich die BIP-Quote der Neuverschuldung wird reduziert. In Ami-Land würde es demnach bereits als "Sparen" gefeiert, wenn die Neuverschuldung von 10 auf 7 BIP-Prozent läuft.
Unterm Strich bleibt aber selbst dann eine ökonomisch nicht nachhaltige Neuverschuldung, die früher oder später zu Währungszusammenbrüchen führt.
Worum es mir seit langem geht, ist eine nachhaltige Lösung. Und die bekommt man nur, wenn man die Neuverschuldung auf fast Null reduziert, selbst wenn das BIP dann ein paar Quartale schrumpft. Davor haben die in 3-Monats-Zyklen denkenden Politiker und Wirtschaftsführer aber eine Heidenangst.
Warum? Weil das Wirtschaftswachstum der letzten 30 J. zu erheblichen Teilen eine Schnellball-Nummer aus immer höherer Verschuldung war. Die "Macher" haben die Sorge, dass ein Ponzi-System, dem man den "Treibstoff" Schulden entzieht, brutal in sich zusammenfällt. Diese KÖNNTE auch passieren, MUSS aber nicht, wenn man die Sache behutsam angeht.
Die jetzige Politik besteht darin, die Börsen in eine Fahnenstangen-Hausse zu schicken, die dann "heile Welt" suggerieren soll, weil "die Märkte ja immer Recht haben". Fahnenstangen - sowohl an der Börse wie bei der Staatsverschuldung/Zentralbanken-Verschuldung - haben jedoch die unangenehme Eigenschaft, selbst dann, wenn die "Aufblaser" dies partout NICHT wollen, irgendwann unter ihrem eigenen Gewicht zusammenzubrechen.
Ein solche Bruch kann sehr dynamisch erfolgen, und die "Macher" verlieren dann gänzlich die Kontrolle. Das war zuletzt 2008 zu beobachten. Damals gab es aber noch Staatsgarantien, die etwas wert waren (man traute jedem Staat zu, die Wirtschaft auszubailen). Außerdem gab es den "Zentralbanken-Verschuldungs-Joker".
Wenn die nächste Fahnenstange zusammenklappt, sieht die Lage übler aus. Staaten sind schon jetzt nicht mehr recht kreditwürdig (Japan, USA, PIIGS). Wenn etwa Griechenlands Finanzminister erklären würde, der Staat garantiere für kollabierende Banken, dann ist das allenfalls noch eine Lachnummer. Dieser Effekt wird über kurz oder lang auch die bislang "soliden" Staaten, allen voran USA und Japan, erfassen.
Staatsgarantien sind dann nicht mehr wert. Dass bereits heute auch Staatschuld an Wert eingebüßt hat, erkennt man u.a. daran, dass z. B. US-Staatsanleihen gar nicht mehr im vom Geithner gedruckten Umfang im "freien Markt" abgesetzt werden können. Die Fed muss ein Drittel der Emissionen aufkaufen, sonst würden die Auktionen platzen. Unter diesen Prämissen wird USA nie einen QE-Exit hinbekommen, außer - unkontrolliert - im finalen großen Dollar-Crash. Der wird dann von den Blasentreibern wieder als genau so "unvorhersehbar" dargestellt, wie angeblich 2007 die private Überschuldungsblase für Wall Street nicht erkennbar war. Im USA Bären-Thread wurden die 2008-Probleme (samt Banken-Crash) bereits ab Februar 2007 thematisiert.
Doch nicht nur die Staatsgarantien sind im nächsten Crash nicht mehr wert, auch die Zentralbanken haben ihr Pulver dann bereits verschossen. Damit verliert auch der "Zentralbanken-Joker" als Spielkarte an Wert.
Die Zentralbanken sind zurzeit die letzten Garanten des laufenden Ponzi-Spiels. Wenn auch ihnen nicht mehr vertraut wird - u. a. weil sich QE und LTRO als langfristig destabilisierend erweisen - dann herrscht weltweit "Land unter".
Das ist bereits JETZT vorhersagbar. Deshalb plädiere ich dafür, bereits JETZT das Schuldenrad nicht mehr weiter zu drehen. |