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Investoren suchen nach Wahlprofiteuren

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neuester Beitrag: 27.08.05 19:51
eröffnet am: 27.08.05 19:51 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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Wie schnell sich die Zeiten ändern: Sagten Analysten auf die Frage, welche Branchen von einem möglichen Regierungswechsel profitieren werden, unmittelbar nach der Ankündigung von Neuwahlen am 22. Mai meist dasselbe, so hören sich ihre Aussagen heute deutlich differenzierter an.

HB FRANKFURT/M. Der wesentliche Grund: Damals gingen Analysten unisono davon aus, dass es zu einem Regierungswechsel von der aktuellen rot-grünen Bundesregierung zu einer Koalition aus CDU/CSU und FDP kommt. "Ein zusehends offeneres Rennen", nennen es die Experten von Goldman Sachs nun. Trotzdem geht die breite Masse der Investoren davon aus, dass es zu einem Regierungswechsel kommt. Das Taktieren und Spekulieren ist allerdings für die Masse der Anleger damit deutlich schwieriger geworden. Die ersten Analysen, die allesamt noch von einem großen Überraschungsmoment über die angekündigten Neuwahlen geprägt waren, haben viele Experten im Laufe der vergangenen drei Monate überdacht, überarbeitet und weiterentwickelt. Dabei kam innerhalb der einzelnen Brancheneinschätzungen manch überraschender Sinneswechsel zu Stande. Hier die bei den Analysten meistdiskutierten Branchen.

Versorger: Die Aktien von Eon (Xetra: 761440.DE - Nachrichten - Forum) und RWE (Xetra: 703712.DE - Nachrichten - Forum) wurden unmittelbar nach der Ankündigung von Neuwahlen im Mai als die großen Gewinner tituliert. Typische "Merkel-Aktien" seien beide Werte, hieß es in diversen Studien, weil eine konservative Bundesregierung für verlängerte Laufzeiten bei Atomkraftwerken stehen würde. Zudem würde der Ausstieg aus der Kernenergie damit um Jahre nach hinten geschoben werden. Noch immer empfiehlt knapp die Hälfte der 37 Analysten, die laut der Nachrichtenagentur Bloomberg die RWE-Aktie beobachten, diese zum Kauf. Geradezu phänomenal ist die Euphorie um den Konkurrenten Eon. Von 38 Analysten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 32 zum Kauf.

Doch es gab zuletzt auch verstärkt skeptischere Stimmen, die den starken Optimismus bei den Versorgern, der noch vor einem Vierteljahr kursierte, relativieren. "Laut ihrem Regierungsprogramm will die CDU die Versorger zu einer Preissenkung bewegen", merken die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt (Xetra: 811510.DE - Nachrichten) an. Sie beurteilen deshalb den Sektor nur noch leicht positiv.

Dafür hat sich das anfangs negative Bild gegenüber den Anbietern regenerativer Energiequellen gewandelt. Galten sie anfangs als die großen Verlierer eines möglichen Regierungswechsels, weil die Branchen Wind- und Sonnenenergie dann vermutlich nicht mehr so üppig gefördert werden würden wie unter Rot-Grün, so dominiert nun unter Analysten die Einschätzung, dass gerade die Solarbranche auch in Zukunft kräftig wachsen wird. Steigerungsraten von 25 bis 30 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts bescheinigt beispielsweise Alastair Bishop von Dresdner Kleinwort Wasserstein der Branche. Vor allem die Branchenführer Solarworld und Conergy (Xetra: 604002.DE - Nachrichten) sollen seiner Einschätzung nach davon profitieren. Deutlich zurückhaltender sind die Experten hingegen beim Thema Windkraft, weil die interessantesten Flächen in Deutschland vergeben sind.

Konsum: Aktien der großen Einzelhändler galten, spätestens seitdem CDU und CSU in ihrem Wahlprogramm die Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 16 auf 18 Prozent angekündigt hatten, als Verlierer eines Regierungswechsels. Die negative Entwicklung, unter der die Aktien der Branche wegen des schlechten Konsumklimas bereits seit längerem leiden, könnte sich dadurch noch verstärken, so die erste Einschätzung. Inzwischen gehen die meisten Großinvestoren aber davon aus, dass es sich bestenfalls um einen kurzfristigen Effekt handelt. "Die deutschen Verbraucher scheinen rational genug zu sein, um zu erkennen, dass der Vorteil ökonomischer Reformen oft mit kurzfristigen Schmerzen verbunden ist", heißt es in einer aktuellen Studie des Investmenthauses Schroders.

Mittel- bis langfristig hoffen namhafte Investoren, dass sich die Konsumausgaben erholen. Dave Dudding von der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle wählt für diese These einen nicht alltäglichen Ansatz. Weil der historisch niedrige Anteil an Hausbesitzern in Deutschland gerade rapide ansteigt, fühlen sich diese nun "reicher". Schließlich besitzen sie am Ende der Hypothekenlaufzeit eine Immobilie. Weil für sie das Abbezahlen des Hauses bereits eine Art des Sparens darstellt, sinkt die ursprüngliche Sparrate aus der Zeit, als sie noch in Miete wohnten. Die Folge sei, dass die Sparquote sinke, es werde mehr konsumiert. "Zweitens ist der Hausbesitz psychologisch betrachtet ein Wohlfühlfaktor und sorgt für steigende Konsumausgaben, sei es nun für Haushaltsgeräte oder Möbel", sagt Dudding. Genau der gleiche Mechanismus habe im letzten Jahrzehnt auch den Konsum-Boom in Großbritannien, Spanien und Irland beflügelt.

Beispiel Automobil: Eine mögliche Mehrwertsteuererhöhung würde auch diese Branche treffen, die aktuell einerseits unter den hohen Benzinpreisen leidet, andererseits von der Erholung des Dollars profitiert. In Zukunft könnte neben der erhofften Steigerung des privaten Konsums noch ein wesentlicher Aspekt hinzukommen: Eine mögliche CDU/CSU-geführte Bundesregierung könnte den Kündigungsschutz lockern und die Unternehmen bei der betrieblichen Mitbestimmung entlasten.

Damit würde sich beispielsweise bei den großen, personalintensiven Automobilkonzernen Daimler-Chrysler und VW der Einfluss der Arbeitnehmervertreter weiter verringern, nachdem es im vergangenen Jahr schon zu Einschnitten kam. Für deren Aktienkurse könnte das einen Schub bedeuten, nachdem diese im ersten Halbjahr noch deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben waren.  

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