Schön + stringent geschrieben, Dreiklang ! Eine Anmerkung: Ob die Bürger nun z.B. Staatsanleihen in großem Volumen halten oder nicht - diese Anleihen, diese Papiere sind Vermögenspositionen, aber illiquide. Es ist selbstverständlich für Keen, dass Banken diese Staatsverschuldung nicht für Geldschöpfung nutzen dürfen. Damit Schulden - und Geldschöpfung - insgesamt begrenzt bleiben, schlägt Keen z.B. vor, dass Immobilien nur mit dem 10-fachen der Jahresmiete beliehen werden dürfen. Bei einem Mietertrag von 5% des Wertes würde dies bedeuten, dass eine Wohnung / ein Haus nur mit 50% seines Wertes beliehen werden darf! Der Rest wäre über Eigenkapital zu finanzieren.
Ein Denkfehler Keens liegt mE darin, dass er die Geldschöpfung durch den Staat via Netto-Kreditaufnahme fokussiert, die massgebliche (und anarchische) der Privaten aber unterschlägt - letztere ist in der MMT nur 'Redistributing of existing Money'. Nur unter dieser falschen Prämise macht es überhaupt Sinn, den Staat, die Fiscalpolitik als verantwortlich lenkende Instanz zu denken, die Money Supply und umlaufendes Kreditvolumen dirigieren kann... Marx kannte kein Fiat-Money-System und daher auch keine "Liquiditätsfalle". Aus Sicht von Marx hätte der Finanzkrach 1929 - 1933 eine Pleite des kompletten Bankensystems bedeuten müssen ; anschließend wäre die Wirtschaft, von spekulativ hochgezockten Vermögenswerten befreit, langsam wieder hochgefahren. Die "Great Depression" wäre nach Marx einfach ein Missverständnis gewesen, nämlich der Glaube, dass man mit Fiat-Geld sowohl die Realwirtschaft als auch die Banken gemeinsam retten kann. 'Pleiten des kompletten Bankensystems' waren im 19 Jh durchaus die Regel, aller 'Volldeckung' zum Trotz. Der Unterschied 1929 ff bestand massgeblich darin, dass der Staat neben der Garantie des prekär gewordenen Bankensektors durch seine kreditfinanzierten Infrastrukturprogramme reale Investition und reales Einkommen stiftete und damit die Implosion des Privatsektors partiell substituieren konnte. Das limitierte die Krise, nicht das nachgedrucktes Fiat. Ich denke, Du unterschätzst diesen Effekt... ----------- 'Being a contrarian is tough, lonely and generally right' |