Wall Street: Konjunktur und Politik helfen
Die US-Börsen haben den Donnerstag vorsichtig optimistisch eröffnet. Die Blue Chips handeln an einem neuen Allzeit-Hoch zunächst unverändert, doch die übrigen Indizes legen nach guten Nachrichten aus Politik und Konjunktur und starken Quartalszahlen zu.
Das endgültige Ergebnis der Kongresswahlen vom Dienstag dürfte nun doch nicht bis Mitte Dezember auf sich warten lassen, wie zunächst befürchtet wurde. Nachdem das rennen um den Senatssitz von Montana bereits am Mittwoch offiziell von den Demokraten gewonnen wurde, soll nun am Donnerstag auf der Sitz von Virginia ins blaue Lager gehen. Eine erste Überprüfung der Stimmen bestätigt den hauchdünnen Vorsprung des Demokraten Jim Webb, sein republikanischer Konkurrent George Allen soll noch am Mittag den Wahlausgang anerkennen.
Damit haben die Demokraten künftig die Mehrheit in beiden Kammen des Kongresses.
Aus Washington kommen am Donnerstag erfreuliche Konjunkturdaten. Das Defizit in der Handelsbilanz ist im September um 6,8 Prozent geschrumpft und liegt bei nur 64,3 Milliarden Dollar und deutlich unter den Befürchtungen der Wall Street. Das liegt vor allem an den geringeren Öl-Importen und dem zuletzt niedrigeren Ölpreis.
Der niedrigere Ölpreis hat auch dafür gesorgt, dass die Importpreise im abgelaufenen Monat um 2 Prozent gefallen sind und damit den größten monatlichen Einbruch seit drei Jahren verzeichnen. Aus dem Import-Sektor droht daher zur Zeit keine Inflaion, zumal auch die Importpreise außerhalb des Rohstoffe um 0,1 Prozent nachgegeben haben und damit erstmals seit einem Jahr kein Anstieg verzeichnet wird.
Zurückgegangen ist in der vergangenen Woche auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die zuletzt ein Monats-Hoch erreicht hatte. Insofern sind auch die Nachrichten vom Arbeitsmarkt erfreulich.
Gute Quartalszahlen kommen aus dem Hightech-Sektor. Der Netzwerker Cisco Systems hat dank starker Nachfrage von Seiten der Telekom-Anbieter den Umsatz um 25 Prozent und den Gewinn um 28 Prozent gesteigert. Mit einem Profit von 1,61 Milliarden Dollar oder 26 Cent pro Aktie werden die Erwartungen der Analysten deutlich geschlagen. Das Management hebt die Prognosen an, die UBS stuft die Aktie auf „Kaufen“ auf, und entsprechend klettert das Papier im frühen Handel: Selbst auf einem Zwei-Jahres-Hoch legt Cisco um 8 Prozent zu.
Mit dem Branchenführer verbessert sich auch der kleinere Konkurrent Juniper Networks, der im frühen Handel mit einem Plus von 3,3 Prozent notiert.
Im Laufe des Tages stehen weitere Quartalszahlen an: Nach Handelsschluss melden der Dow-notierte Versicherer AIG und der Medien- und Unterhaltungsriese Walt Disney.
Mit 3M macht noch ein weiterer Dow-Wert Schlagzeilen: Das Unternehmen verkauft seinen Pharma-Teil für 2,1 Milliarden Dollar. Der Bereich soll gedrittelt und an verschiedene Interessenten abgegeben werden, einer von ihnen ist Meda aus Schweden.
Lars Halter - © Wall Street Correspondents Inc.
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