www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/...hes-konto-ist/7990628.html Bis auf folgenden Satz ein interessantes Interview zur Zukunft und Gegenwart der Banken : "...Diese Kunden konnten wir aber mit dem Versprechen der Bundeskanzlerin beruhigen, dass die Einlagen in Deutschland sicher sind...."  Wie reagieren Privatkunden auf die neuerliche Verschärfung der Euro-Krise? Viele unserer Kunden kaufen oder verkaufen Papiere vor wichtigen politischen Entscheidungen. Oft liegen sie mit ihren Entscheidungen richtig. Und nicht nur die Trader sind in solchen Phasen aktiv. Auch der typische Sparer beobachtet die Entwicklung sehr genau, entscheidet aber gelegentlich ungünstig. Wenn die Lage an den Märkten angespannt ist, baut der eine oder andere Liquidität auf. Das kann dann schon zum Nachteil werden. Warum? Das Niedrigzinsumfeld bedeutet, dass die Kunden Geld verlieren. Null Zinsen bei zwei Prozent Inflation bedeutet: Nach 20 Jahren kosten Produkte rund 50 Prozent mehr als heute, aber Sie haben immer noch gleichviel Geld. Aktien sind da eine Alternative, denn Sparkonten führen zum sicheren Geldwertverlust. Aktien bergen zwar Risiken, aber sie bieten eben auch eine Chance, die Inflation auszugleichen oder sogar zu übertreffen. Sie haben kürzlich für eine Kampagne der Banken pro Aktie geworben. Wie war die Resonanz? Die traurige Wirklichkeit ist, dass die Branche wegen des harten Wettbewerbs untereinander nicht an einem Strang zieht. Und das ist ein echtes Problem. Ich rechne damit, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank noch lange Zeit deutlich unter der Inflation liegen wird, weil niedrige Zinsen überlebenswichtig für einige Länder der Eurozone sind. Ich kann deshalb nur hoffen, dass sich die Politik dafür einsetzt, den Bürgern die Angst vor der Geldanlage in Aktien zu nehmen. Andernfalls droht vielen Menschen Altersarmut, selbst dann, wenn sie in ihrem Berufsleben gut verdient haben. Muss die Comdirect auch sparen, weil sie das derzeitige Niedrigzinsumfeld trifft? Kosteneffizienz ist Teil unseres Geschäftsmodells. Wir haben schon immer knapp kalkuliert und fahren dauerhaft Kostensenkungsprogramme. Betrachtet man die letzten Jahre, zeigt sich: wir sind jedes Jahr durchschnittlich rund fünf Prozent effizienter geworden. Fürchten Sie, dass die weiter angeschlagene Commerzbank ihre Online-Tochter Comdirect zur Sanierung der eigenen Kassen abstoßen könnte? Das ist eine Frage, die typischerweise Journalisten an uns herantragen. Bei uns wird das nicht diskutiert. Sie haben im letzten Jahr zwölfmal so viel verdient wie ihr Mutterhaus, die Commerzbank. Wann übernimmt David den Goliath? Auch diese Frage stellt sich nicht. Schiere Größe ist nicht der einzige Erfolgsfaktor im Geschäft mit privaten Bankkunden. Kunden erwarten heute, passgenau bedient zu werden. Commerzbank-Kunden wollen Nähe und im Zweifelsfall die Möglichkeit, in eine Filiale gehen zu können. Wir sind das Bankformat für alle diejenigen, die ihre täglichen Bankgeschäfte und ihre Finanzen selber in die Hand nehmen – und das gerne online. Diese unterschiedlichen Modelle werden noch für Jahrzehnte nebeneinander existieren. Sicher? Die Commerzbank investiert in neue Technik und wirbt sogar mit einer bei der Comdirect geklauten Idee: Geld zurück, wenn das Konto nicht gefällt. So ist das eben mit guten Ideen; man behält sie selten lange nur für sich selbst. Darüber hinaus ist es klar, dass klassische Banken auch ihre Online-Dienstleistungen ausbauen – nicht nur die Commerzbank. Die Modelle nähern sich an. Sie investieren in den kommenden Jahren zusätzlich 120 Millionen Euro. Müssen Sie das, weil der Wettbewerb härter wird? Wir investieren, weil wir momentan besonders günstige Wachstumschancen sehen. Jeder zweite junge Erwachsene eröffnet immer noch sein erstes Konto bei einer klassischen Bank oder Sparkasse. Das ist Potenzial für uns. Wir investieren jetzt, um uns weiter als Erstbank für alle Bankgeschäfte zu qualifizieren. Wir entwickeln etwa neue Tools, die bei der selbstständigen Geldanlage helfen können. Das dürfte bald besser als die Beratung in einer Filiale sein. Das müssen Sie erklären. Ein Beispiel: Die hohen Anforderungen an Beratungsgespräche und der damit verbundene Aufwand machen es unattraktiv, Kunden mit geringen Vermögen persönlich in Filialen zu beraten. Die Beratungsleistung der klassischen Banken wird also dauerhaft abnehmen. Wenn aber dieser Mehrwert fehlt, wird die Zahl der Menschen, die bereit sind, zu Online-Banken zu wechseln, deutlich steigen. Sie bieten bereits seit einer Weile Honorarberatung an. Vor einem Jahr hatten Sie erst 2000 Nutzer. Ein richtiger Erfolg ist das noch nicht. Es sind seitdem ein paar Hundert weitere dazu gekommen. Seit letztem Jahr schreiben wir hier schwarze Zahlen. Aber wir spüren ganz deutlich, dass die Kunden es nicht gewohnt sind, für Beratung zu zahlen. Haben Sie mehr Angst, dass Google oder Apple ins Bankgeschäft einsteigen, als vor den klassischen Filialbanken? Vor einer solchen Entwicklung habe ich tatsächlich Respekt. Schließlich sind wir ja selbst der lebende Beweis dafür, dass die Wertschöpfungskette des traditionellen Bankgeschäfts umgebaut werden kann. Aber zur Zeit sind die Megatrends für uns intakt. Außerdem ist auch nicht zu unterschätzen, wie komplex Bankgeschäfte sind. |