NM: Schlechte Zahlen und Gewinnwarnungen nonstop

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neuester Beitrag: 29.08.00 21:03
eröffnet am: 29.08.00 10:00 von: short-seller Anzahl Beiträge: 10
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29.08.00 10:00
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3148 Postings, 7640 Tage short-sellerNM: Schlechte Zahlen und Gewinnwarnungen nonstop

Auch heute bestätigte sich wieder einmal eine alte selbst aufgestellte Theorie: Fehlt bei Veröffentlichung in der Überschrift der Hinweis auf das Ergebnis, ist dieses meist sehr schlecht.

Trintech: Weitet die Verluste aus, von -0,08 auf -0,09 im zweiten Quartal 2000/01. In der Überschrift viele Worte zur Umsatzsteigerung

TTL: Erst wird in höchsten Tönen vom Umsatzwachstum gesprochen. Ganz zum Schluß heißt es das EBIT sinkt von 3,124 Mio. DM auf nur noch 0,638 Mio. DM. Das Ergebnis nach Steuern beträgt nur noch 0,281 Mio. DM, während es im Vorjahr noch 1,511 Mio. DM waren.

Andere Unternehmen sind zumindest ehrlich und sagen sofort, was den Leser erwartet.

Intraware: ABER, ABER: Ziemlich zum Schluß wird das geplante DVFA-Ergebnis von -1,1 Mio. EUR auf -4,7 Mio. EUR nach UNTEN revidiert. Na, so was: Da haben sich die Analysten aber kräftig verrechnet und das gerademal 3-einhalb Monte nach dem Börsengang.

Rücker: Auch wenn es zum Schluß heißt, daß die Prognosen eingehalten werden, so habe ich starke Zweifel. Geplant war für dieses Jahr ein Umsatz von 227,4 Mio. DM, was einem Zuwachs von knapp 28% entspricht. Das EBIT sollte auf 26,7 Mio. DM, also um gute 33% steigen. Nach den ersten 6 Monaten wurde aber nur 104,1 Mio. DM umgesetzt (+22,7%) und ein EBIT von 14,1 Mio. DM (+ 2,9%). Bei bisher derart geringen Wachstumsraten dürften die Ziele kaum zu realisieren sein.

AC-Service ist die ehrlichste von allen. Da heißt es sofort: "Starker Umsatzrückgang .... belasten Quartalsergebnis ..." Der Umsatz stieg um läppische 3% und das EBIT stellte sich mit - 4,9 Mio. DM äußerst negativ dar, während im Vorjahr noch + 4,4 Mio. DM im ersten Halbjahr erzielt werden konnte. Zum Schluß heißt es noch "... ergeben sich einmalig negativ Sondereffekte, die das Jahresergebnis zusätzlich belasten". Ergo: Es kommt meistens noch schlimmer, als man denkt.

Ein besonderes "Bonbon" präsentiert Artstor: Zwar lag das negative EBITDA im Rahmen der Erwartungen, aber der kritische Anleger sollte sich fragen warum der Vorstand für Marketing+Vertrieb seinen Platz räumen mußte.

FAZIT: Viele Unternehmen am NM haben bereits enttäuscht und werden auch in Zukunft weiter enttäuschen. Das Wachstumssegment Nr. 1 in Europa wird immer wieder mißbraucht um unverhältnismäßig viel Kapital durch einen überhöhten Emissionspreis abzusaugen. Oftmals wandern auch beachtliche Summen in die Taschen der Altaktionäre. In der nahen Zukunft werden noch viele schlechte Meldungen auf uns warten und man muß genauestens prüfen ob die gemachten Versprechungen realisierbar scheinen.

Grüße
Shorty  

29.08.00 10:40

155 Postings, 7567 Tage Bewe@short-seller

Dein letzter Satz ist aber genau das Problem. Die Überprüfung von Versprechungen ist nur möglich wenn nicht bewußt getäuscht wird. Genau dieser Verdacht belastet aber jetzt langsam das Vertrauen und die Kurse. Bleibt dann wirklich nur die Methode Prior ( Qiagen,Aixtron,Intershop ) und alles sonst Schrott ( auch EM.TV und Mobilcom ) ?. Wie kommen WIR zu besseren Informationen wenn die Firmen,Banken,Analysten,Presse zusammen halten. mfg Bewe  

29.08.00 12:05
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191 Postings, 7591 Tage crocodiehlDie Liste lässt sich beliebig fortführen...

Selbst renomierte Unternehmen schrecken vor solchen Aktionen nicht mehr zurück.

Beispiel 1 Aixtron:
Da hieß es vor einigen Wochen, daß die Gewinnerwartungen übertroffen worden währen. Was zwar defakto stimmt aber wenn sich die Zahlen einmal genauer anschaut nur der halben Wahrheit entspricht.
Aixtron wickelt seine Geschäfte auf Dollar Basis ab. Kalkuliert wurde für 2000 mit einem Dollarkurs von 1,05 euro. Der tasächlich Kurs liegt aber, wie wir alle wissen bei etwa 90 cent.
Der Gewinnanstieg ist also keines Wegs auf höhere Margen oder Auftragseingänge zurüchzuführen, sondern ausschliesslich auf mehr oder weniger zufällige Währungsschwankungen.
Rechnet man diese Differenz heraus, so hätte auch Aixtron die eigenen Erwartungen NICHT ERFÜLLT.!!!!!!


Beispiel 2 Norcom:
Da heißt es in der Adhoc, nachdem auch wie in den von short-seller herangezogenen Beispielen erst ausfühlich das tolle Gewinnwachstum gepriesen wurde, beiläufig im letzten Abschnitt sinngemäß:  "Wir hoffen trotz der hohen Inverstitionen in den USA für 2000 ein leicht pos. Ebit zu erreichen.
( 75 cent waren prognostiziert )
Schon nett wie Gewinnwarnungen auch hier umschrieben werden.


Die eigentliche Frechheit daran sind aber nicht die Adhoc Meldungen der Unternehmen sondern das Verhalten der Banken und der sogenannten Analysten.
Diese bombadieren den Anleger nach solchen Meldungen ( besonders im Fall Aixtron, bei denen eh der Kurs nicht mehr das geringste mit den Fundamentaldaten zu tun hat ) mit Kaufempfehlungen und lassen diesen skrupellos in die Falle laufen.
Bei vielen "Herren" oder auch "Damen" dieser Zunft liegt die Betonung wohl auf den ersten vier Buchstaben von Analyst da diese ebenfalls nur eine braune, kelbrige, undeffinierbare Masse absondern.


FAZIT:  Jeder sollte so gut er kann sein eigenes Research betreiben. Der    eigene Verstand ist immer noch der beste Ratgeber. Klar, ein ordentliches Grundwissen über die Zusammenhänge an der Börse ist von elementarer Wichtigkeit. Aber auch ohne BWL-Studium kann man sehr erfolgreich sein.


ALSO:Glaubt lieber eurem Verstand als irgendeinem selbsternannten Guru oder den Versprechungen unseriöser Unternehmen.




In diesem Sinne      crocodiehl  

29.08.00 12:58

751 Postings, 7458 Tage Tatanka-YotankaIn diesem Zusammenhang möcht ich mal ein Lob ....

aussprechen nicht nur für die Kommentare in diesem Thread, denen ich mich voll anschliessen möchte sondern auch ein Lob an Cybio. Irgendwie ging das wahrscheinlich unter, aber die haben das Ergebnis für 2000 fast schon eingefahren, auch wenn sie vielleiht nur ein Maschinenbauer(laut Cap.) sind. Ich liebe solche Firmen...  

29.08.00 13:20
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3148 Postings, 7640 Tage short-sellerHi Bewe ! Meine 10 "goldenen Regeln"

1.) Niemals ausschließlich auf Empfehlungen hören. Immer ein eigenes Urteil fällen. KGV's sind in etwa eine Richtlinie, aber niemals ein Garant, da vielfach an den Zahlen manipuliert wurde.

2.) Von interessanten Unternehmen den Emissionsprospekt besorgen und ihn genauestens durchlesen, denn darin MUß auf alle Risiken hingewiesen werden. Sicherlich sind die Risikohinweise nicht immer erschöpfend, aber ein guter Anhaltspunkt. Risiken wie: "Der Erfolg ist auf die guten Erfahrungen des VV zurückzuführen" oder "gelingt es dem Unternehmen nicht genügend geeignetes Personal zu finden ..." sind Standdardformulierungen, die auf alle Wachstumswerte zutreffen.

3.) Unbedingt die Planzahlen ansehen. Ist ein Unternehmen in den vergangenen Jahren z.B. ein Wachstum von 15% erziehlt worden und dieses soll auf einmal 100% und mehr betragen, ist dies äußerst zweifelhaft. Auch wenn vollmundige Versprechungen gemacht werden, sind derartige Planzahlen faktisch "aus der Luft gegriffen".

4.) Ad-Meldungen genauestens beachten (siehe mein erstes Posting)

5.) Scheiden schon kurz nach dem Börsengang Vorstandsmitglieder aus, kann irgendetwas "faul" an der Sache sein. Denn meistens ist ein Austritt niemals grundlos. Die Formulierung "aus persönlichen Gründen" bedeutet meist so viel wie "Wir haben diesen Mitabeiter freigesetzt".

6.) Beim Börsengang die Ertragszahlen der Vorjahre beachten. Machte ein Unternehmen z.B. 1997/1998 Gewinne und stellte sich 1999 auf einmal ein Verlust ein, so sollte man sich fragen ob der Börsengang nicht nur vorgenommen wird um einen Konkurs zu verhindern.

7.) Hinterfragen, was mit dem Geld aus dem Börsengang geschehen soll. Gute Unternehmen haben klare Ziele vor Augen und wissen was sie damit anfangen sollen. Warum sollte ein Unternehmen an den NM gehen, wenn es nicht wachsen will ? Klare Aussagen unterstreichen die Perspektiven.

8.) Geben Altgesellschafter Anteile ab ? Wenn ja, stellt sich die Frage ob es VC-Geber ist ? Bei VC-Gebern ist die Sache weniger bedenklich, denn schließlich ist es deren Geschäftszweck. Geben aber Unternehmensgründer oder Vorstandsmitglieder ihre Anteile ab, so ist es ein Indiz, daß sie sich nicht mit ihrem Unternehmen identifizieren oder dem Unternehmen wenig Chancen einräumen. "Kein Bauer verkauft ohne Not eine Kuh, die viel Milch gibt !"

9.) Beachte die lock-up-Perioden der Altgesellschafter. Einigen sich die Gesellschafter nur auf die Mindestperiode von 6 Monaten, kann es nach Ablauf u.U. zu massiven Verkäufen kommen, die den Kurs drücken. Unterwerfen sich die Gesellschafter einer längerfristigen Sperrfrist, ist dies ein gutes Zeichen.

10.) Haben die angebotenen Produkte des Unternehmens eine Zukunft ? Dabei sollte man auf keinen Fall auf die Empfehlungen der Konsortialbanken hören, denn die sehen alles rosarot. Mache Dir eigene Gedanken zum Unternehmenszweck und den Perspektiven. Gibt es vielleicht sogar Alleinstellungsmerkmale oder eine überragende Marktstellung ?
Warum sollte z.B. die 100-ste ERP-Software der Firma XY besser sein als andere ? Worte sind nunmal Schall und Rauch und jeder VV wird natürlich seine Produkte besser sehen, als alle anderen.

Grüße
Shorty  

29.08.00 13:31

155 Postings, 7567 Tage Bewehttp://www.nemwax.de/ Diese "Sammlung" an

Informationen ist vielleicht der einzig richtige Weg um "Ordnung" in den NM zu bringen. Wenn die Firmen im "Zuchthaus" sitzen ist es natürlich zu spät. Vielleicht könnten WIR ALLE mit unseren Informationen die "Watchlist" besser füllen um neue "IXOSes" zu vermeiden. Dieses Instrument nemwax scheint auch in "besseren Kreisen" ernst genommen (gefürchtet ??) zu werden. mfg Bewe  

29.08.00 13:38

424 Postings, 7666 Tage racoHallo Shorty,

schönen Dank für Deine Ausführungen,die sollten sich möglichst viele potentielle Aktienkäufer-die im Glauben an die Unfehlbarkeit einiger Analysten-in die "Aktienfalle"laufen,durchlesen.Ein Hauptproblem der Börse bzw.der Börsenteilnehmer ist aber sicherlich,das irrationale Verhalten.Nichts desto trotz bin ich positiv gestimmt und denke,daß sich Qualität auf Dauer durchsetzen wird.

good trades und viele Grüße raco  

29.08.00 13:59

21799 Postings, 7666 Tage Karlchen_ISchöner Threat. Vielen Dank, Shorty. Eines sollte.

inzwischen doch klar sein: Nicht auf Analüsten hören!

Man sollte sich einfach die Frage stellen: Warum machen die sich die Mühe, irgendwelche Werte zu empfehlen? Gewiß nicht aus Gemeinsinn, sondern doch wohl aus Eigennutz.

Übrigens: Im Urlaub kommt man dazu, auch mal Bücher zu lesen, zu deren Lektüre man sonnst nicht kommt. Ich habe mir einen alten Schinken von Galbraith angetan ( Die Tyrannei der Umstände). U. a. kommen dort auch alte Bekannte vor: GoldmanSachs - die schon beim Börsencrash von 1929 wohl eine recht unrühmliche Rolle gespielt haben. Auch deshalb verstehe ich nicht, warum man auf solche Leute noch hören sollte.

Inzwischen bin ich schon fast so weit, Kaufempfehlungen als Verkaufssignale zu bewerten.  

29.08.00 19:09

179 Postings, 7874 Tage T.Taktik

Im Neuen Markt werden die einzelnen Werte der Reihe nach und gezielt massiv in einen Abwärtstrend gebracht, und schlechte Stimmung erzeugt, solange, bis auch der letzte aufgibt (sagen wir, auf ca. 10-20% des letzten High, je weniger, desto besser). Anschließend massiv abstauben (Aufwärtstrend auslösen), wieder in den siebten Himmel loben und abkassieren. Anschließend das Ganze von vorn. Mit dem Kapital, was "institutionellen" zur Verfügung steht, ist das überhaupt kein Problem. Ich glaube nicht, daß ich Beispiele nennen muß, die hab ich in meinem Depot nämlich zur Genüge, sowohl positive, als auch negative - wobei die negativen zur Zeit natürlich überwiegen.
Was ich dazu sage? Am besten cool bleiben, scheiß auf das miese Pack.

T.  

29.08.00 21:03

3148 Postings, 7640 Tage short-sellerDeine Theorie dürfte aber nicht nur für den NM

gelten. Jeder Wert unterliegt gewissen Schankungen. Sicherlich ist der NM ein beliebtes Spielzeug, da teilweise recht markteng aber die Instittuionellen sind nicht für alles verantwortlich.

Wenn Unternehmen wie heute maßlos enttäuschen ist der Kursrutsch vollkommen berechtigt und auch nicht von Seite der Banken beeinflußt. Allerdings kann so etwas in Zeiten der Gier schnell mal wieder vergessen werden. Anders ist die Überraschung des Ixos-Sturzes nicht zu erklären, da auch die Zahlen in den beiden vorhergehenden Zahlen extrem schlecht waren.

Auf das "miese Pack" sollte man nicht schimpfen. Wenn Du die Lage weitgehend richtig eingeschätzt hast, solltest Du ab jetzt danach handeln und immer das Gegenteil bei "Empfehlungen" tun.

Grüße
Shorty  

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