Zu dem oben diskutierten Thema Neukunden versus Umsatzverluste aus Abgabe von Altgeschäft gibt es übrigens eine interessante Diskussion im Earnings-Call von vor ein paar Monaten:
http://www.datagroup.de/datagroup/...nkonferenz-zum-nachhoeren-1.htmlDort wird erklärt, dass Datagroup noch ca. 20 Mio. Altgeschäft mit niedriger Marge hat. Die werden über die nächsten Jahre (hoffentlich sanft) abgebaut werden. Wenn man mal davon ausgeht, dass das 4 Jahre dauert, könnte man also mit einem negativen Umsatz-Impact von ca. 5 Mio. pro Jahr in den nächsten 4 Jahren rechnen. Der Ergebnis-Rückgang, den dies mit sich bringt, sollte allerdings aufgrund der marginalen EBIT-Marge dieser Geschäfte sehr gering sein (zumindest dann, wenn alles planmäßig abgebaut werden kann und keine Restrukturierungskosten nötig werden).
Schaber erklärt im Call, dass dieser Abbau Datagroup beim Umsatzwachstum bremst, so dass man rein operativ keine riesigen Umsatzsprünge erwarten sollte. Allerdings betont er auch, dass dies eben nur das Umsatzwachstum betrifft, jedoch nicht das Ergebniswachstum, weil die sich ergebende Umsatzumschichtung von alt zu neu mit einer deutlichen Verbesserung der Marge einhergehensollte.
Falls Du den Call noch nicht gehört hast, kann ich ihn auch ganz grundsätzlich empfehlen. Sind 40 Minuten interessante Diskussion über das Geschäftsmodell und die Perspektiven.
Was mir von Seiten der fragenden Analysten leider fehlt, ist eine kritischere Diskussion der zukünftigen Wettbewerbsintensität. Dass Cloud und Outsourcing hohe Margen bringt, hat sich ja nun mittlerweile rumgesprochen, so dass Firmen wie QSC ganz bewusst ihr Geschäftsmodell in diese Richtung hin ändern (man hat die alten Pironet-Köpfe von Cancom abgeworben). Auch Firmen wie All for One Steeb und Bechtle werden da offenbar gerade aktiver.
Aus meiner Sicht heißt das, dass zumindest die ganz hohen Margenerwartungen (z.B. Cancoms ausgegebene EBIT-Zielmarge von 30% für Cloudservices) nicht dauerhaft tragbar sein werden. Schaber diskutiert das ein wenig im Call und macht sich zwischen den Zeilen auch ein wenig über Cancoms vollmundige Ziele lustig. Er selbst hat eine EBIT-Zielmarge von 15% für die Cloud und hält das wettbewerblich für dauerhaft machbar. Das wäre natürlich immer noch eine extrem gute Marge (zum Vergleich: 2014/15 wird Datagroup als Gesamtunternehmen wohl eine EBITDA-Marge unter 10% haben--die EBIT Marge wird entsprechend noch tiefer liegen).
Dennoch frage ich mich, ob auch diese 15% Zielmarge erreichbar sein wird, gegeben, dass es 5-6 Unternehmen wie Datagroup gibt, die essenziell das gleiche anbieten können. Es hätte mich interessiert zu hören, wo Datagroup da den Trigger für die hohe Marge sieht. Zum einen werden das Wechselkosten der Bestandskunden und Skaleneffekte sein. Schaber spricht auch von einer hohen Effizienz von Datagroup. Im Moment zieht sicher auch das sehr kundenfreundliche modulare Konzept Corbox. Allerdings denke ich, dass die Wettbewerber das früher oder später kopieren werden.
Da im Earnings-Call nur zwei Analysten gefragt haben, würde ich mich beim nächsten Call vielleicht sogar als Privatanleger einwählen, wenn Datagroup dies erlaubt. Hatte bisher einmal Kontakt mit der IR und das war sehr zuvorkommend und kosntruktiv.
Schließlich, was den Kursverlauf angeht: da wurde Datagroup sicher auch ein wenig in Sippenhaft genommen für den Cancom Kursverfall, weil man derselben Branche zugeordnet wird. Cancom hat in Q1 aber primär die Schwäche des Hardwaregeschäfts getroffen, weniger Schwäche des Cloudgeschäfts. Insofern ist das ein hinkender Vergleich. Cancom ist massiv zurückgekommen von über 40 EUR auf jetzt jetzt nur noch 32 EUR. Das ist die Strafe für das ewige Pushen im Aktionär :)
Im Vergleich scheint mir Datagroup aber immer noch deutlich günstiger bewertet als Cancom. Für Cancom denke ich, sind die Analystenerwartungen für 2015 übertrieben. Aufgrund der Q1 Zahlen würde ich von einem PPA-bereinigten EPS von 2 EUR ausgehen, so dass Cancom selbst nach dem massiven Kursverfall immer noch ein EPS von über 16 hat. Bei Datagroup erscheint mir ein um PPA bereinigtes EPS von Richtung 1 EUR aufgrund der H1 Zahlen nicht unerreichbar. Das entspräche einem KGV von unter 12 beim momentanen Kurs.
Folge: auch wenn ich mit Cancom in der Vergangenheit wirklich sehr schöne Kursgewinne erzielt habe (und zu Glück damals gut den Ausstieg getimet hatte) und die Aktie mittlerweile wieder attraktiv bepreist scheint, bleibe ich im Cloudbereich dennoch lieber in Datagroup investiert und habe keine Cancom Aktien gekauft.