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Verteilungsfragen - Börsen- und Politik-Aspekte

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neuester Beitrag: 22.01.19 16:22
eröffnet am: 08.01.19 13:41 von: Anti Lemmin. Anzahl Beiträge: 213
neuester Beitrag: 22.01.19 16:22 von: Murmeltierch. Leser gesamt: 4854
davon Heute: 32
bewertet mit 11 Sternen

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08.01.19 13:41
11

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingVerteilungsfragen - Börsen- und Politik-Aspekte

Dieser Thread soll Leuten mit fundiertem ökonomischen Background als Plattform dienen, sich über Verteilungsfragen (u. a. im Hinblick auf die Börse) auszutauschen.

Themen-Schwerpunkte:

(1) Probleme neoliberaler Globalisierungs-Politik

(2) Kritik an geopolitischen Strategien zur Umsetzung von (1)

(3) Umverteilungs-Ungerechtigkeiten (speziell Kritik an der grassierenden Umverteilung von unten nach oben auf allen Ebenen).

(4) Kritik an der Politik der Zentralbanken und deren überstarke Einflussnahmen auf Wirtschaft und Börsen - sowie an der "kalten Enteignung" von Sparern durch Nullzinspolitik trotz Inflationsraten von über 2 %

------------------------------------------------

Unerwünscht sind rassistische und neonazistische Kommentare. Wer Ethnien oder Religionsgemeinschaften verunglimpft und/oder die Nazi-Gewaltherrschaft verherrlicht, kommt ohne Wenn und Aber auf die Ignore-Liste.

Flüchtlingspolitik kann thematisiert werden, die Diskussion sollte sich jedoch auf deren ökonomische Aspekte beschränken. Werbung für Parteien (speziell AfD) ist untersagt. Der Schwerpunkt liegt auf grundlegendem Ideenaustausch.

Da ökonomische Themen (mit Börsenbezug) im Vordergrund stehen, habe ich diesen Thread im Börsen-Forum von Ariva eröffnet (statt im Talk-Bereich).
 
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187 Postings ausgeblendet.

21.01.19 14:59

3192 Postings, 3101 Tage Murmeltierchendie stärke einer währung

...ist vor allem verlässlichkeit  das schulden bedient werden! ( militärische macht begünstigt natürlich verlässlichkeit )  

21.01.19 15:01
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 188

Begreifst du nicht, dass China weit weniger Schulden hat als USA? (siehe # 176)

Wie soll USA da "Chinas Schulden aufkaufen". Das ist eine Diskussion für die Sandkiste.

Es gäbe auch für die US-Politik keinerlei Rechtfertigung, die Notenbank-Bilanz weiter aufzublasen, um "Chinas Schulden aufzukaufen". Solche Ideen grenzen an Irrsinn, sorry.  

21.01.19 15:01
1

36917 Postings, 3882 Tage FillorkillDie Schuldenquote Chinas lag 2018 bei nur 51 %

Die isolierte Betrachtung der Staatsschuldenquote ist auch im Falle Chinas wie immer irrelevant. Diese Quote reflektiert primär die Kreditbewegungen des Privatsektors. In dem Masse, wie der sich verschuldet, entschulden sichnotwendig  die anderen Sektoren Staat und oder Ausland. Umgekehrt umgekehrt. Auch die Piigs-Staaten sahen bei einer historisch hohen Privatverschuldung nahezu ausgeglichene öffentliche Haushalte, im Zuge der Kreditkrise drehte sich dann das Blatt. Chinas Private sind mittlerweile auf Crash-Niveau verschuldet, ihre mit dem Platzen dieser Kreditblase einsetzende Entschuldung wird mit einer entsprechend höheren Staatsverschuldung einhergehen. Dollars aufnehmen muss dafür jedoch keiner.  
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seeing well in the dark is the major function of an owl's eyes
Angehängte Grafik:
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maifig4_(1).png

21.01.19 15:05

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingQE (aka "Gelddrucken") zielt ja gerade darauf ab,

die Zinslast auf die eigene Staatsverschuldung zu senken bzw. nach unten zu manipulieren.

Dazu muss die Fed EIGENE Staatsanleihen aufkaufen, und nicht etwa chinesische.  

21.01.19 15:07
1

3192 Postings, 3101 Tage MurmeltierchenA.L.

...sorry da hast du wohl was falsch verstanden - ich meinte natürlich die u.s. anleihen die china hält -

mit anderen worten...also wenn die fed die amerikanischen schulden von den den chinesen aufkauft , so wie z.b. die ezb die schulden italiens aufkaufte

 

21.01.19 15:24
2

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 191 - ebenfalls Unsinn

Fill: "Die isolierte Betrachtung der Staatsschuldenquote ist auch im Falle Chinas wie immer irrelevant. Diese Quote reflektiert primär die Kreditbewegungen des Privatsektors."

A.L.: Die Staatsschuldenquote ist das Verhältnis der Staatsschulden zum jährlichen BIP, in Prozent. Die Privatverschuldung fließt da mit keinem Cent ein.

Eine zu hohe Privatverschuldung kann aber - im Zuge von Bankenrettungen - zu einer erhöhten Staatsschuldenquote führen. So hatte Spanien in den Nuller Jahren noch eine Vorzeige-Staatsschuldenquote von nur 40 %. Die Privaten (Firmen und Haushalte) hatten sich in der Immo-Blase jedoch stark überschuldet. Nach der Rettung der verzockten Banken, die unter nicht eintreibbaren Privatschulden litten, stieg Spaniens Staatsschuldenquote dann auf bis über 100 %.

Es gibt auch noch den Terminus Gesamtschuldenquote. Der gibt die Summe aus staatlicher und privater Verschuldung. Seit 2016 ist die chinesische Gesamtschuldenquote höher als die der USA.  
Angehängte Grafik:
hc_2170.jpg (verkleinert auf 40%) vergrößern
hc_2170.jpg

21.01.19 15:59
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingDie Vermögenssituation eines Landes

wird in der Gesamtschuldenquote überhaupt nicht berücksichtigt.

So haben z. B. die deutschen Privathaushalte Schulden in Höhe von 1,75 Billionen Euro. Dem stehen jedoch knapp 5,9 Bio. an Ersparnissen sowie Immobilien und weitere Sachvermögen gegenüber.

"Im Mittel" sieht es also ganz gut aus. Doch sind in D. knapp 7% der Haushalte überschuldet, d. h. sie werden in absehbarer Zeit ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können und haben auch keinen Kreditspielraum mehr.
 

21.01.19 16:06
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 193

"Eigene Staatsanleihen vom Markt zurückkaufen" wäre dann die treffendere bzw. präzise Bezeichung gewesen.

D.h. China schmeißt seine US-Staatsanleihen zwar auf den Markt, aber die Fed kauft sie (via QE 3.0) genauso schnell wieder ein, so dass Marktverwerfungen (außer psychologischer Natur) im Prinzip nicht auftreten.  

21.01.19 16:16
1

3192 Postings, 3101 Tage MurmeltierchenA.L.

ja so meinte ich das !  

21.01.19 16:29

3192 Postings, 3101 Tage Murmeltierchensolange

der dollar die weltleitwährung ist,  sind die usa  aus meiner sicht in der deutlich besseren position und die der gedanke das china aufgrund seiner  gehaltenen u.s . anleihen druck ausüben kann würde ich daher bezweifeln. und was die währungsreserven anbetrifft - die gehen schneller als sie gekommen sind wenn das wirtschaftswachstum nachläßt bzw. die u.s. zinsen steigen. d.h. für mich eher das die ami´s die chinesen unter druck setzen können, was sie seit trump auch tun.



 

21.01.19 16:41
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingStatt der Fed scheint das Land Belgien

(insgeheim?) damit beauftragt zu sein, auf den Markt geworfene US-Staatsanleihen "krisenvorbeugend" aufzukaufen. Als Russland 2014 einen Großteil seiner US-Staatsanleihen abstieß, erhöhte sich die Bestände in Belgien fast spiegelsymmetrisch.

Dies erregte bereits 2014 Stirnrunzeln:

https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/...r-_H1533278072_66695/

Normalerweise schauen sich die Daten des US-Finanzministeriums zum Anleihenbesitz nur Finanzprofis an: Sie wollen vor allem sehen, ob China, der mit weitem Abstand weltgrößte Eigentümer derartiger Papiere, möglicherweise weiter auf der Verkäuferseite steht. Nach massiven Verkäufen im Dezember hatten die Chinesen ihre Bestände im Januar um lediglich 3,5 Mrd. Dollar auf 1273,5 Mrd. Dollar aufgestockt. Ursprünglich hatte das US-Finanzministerium ein Plus von 14 Mrd. Dollar gemeldet. Die Daten für Japan wurden ebenfalls angepasst. Statt eines gleichbleibenden Bestands ist er im Januar um 18,9 Mrd. Dollar auf 1201,4 Mrd. Dollar angestiegen.

Wegen der Russland-Krise stehen die Daten aber deutlich stärker als sonst im Fokus der Investoren. Denn Investoren versuchen herauszufinden, ob Russland - wie kolportiert - Anleihen im Wert von 100 Mrd. Dollar verkauft oder zumindest von der US-Notenbank weg verlagert hat. Laut den Daten des Finanzministeriums ist der Bestand Russlands im Januar allerdings um lediglich 6,8 Mrd. Dollar gesunken.

Viel auffälliger als die Daten zu Russland waren einmal mehr jene zu einem anderen kleinen Land aus Europa: Laut dem US-Finanzministeriums hat Belgien seine Bestände im Januar um 53,5 Mrd. Dollar auf 310,3 Mrd. Dollar aufgestockt. Damit hat das Land die Region ?Karibische Bank-Zentren", sprich die Bestände von Hedgefonds, vom dritten Platz verdrängt. Seit August 2013 sollen die Bestände Belgiens um 143,5 Mrd. Dollar (104 Mrd. Euro) hochgeschossen sein. Dabei hatte das Land 2013 ein Bruttoinlandsprodukt von lediglich rund 376 Mrd. Euro. Woher hat Belgien plötzlich die 100 Mrd., um die Anleihen zu kaufen?...  

21.01.19 16:46

3192 Postings, 3101 Tage MurmeltierchenLeben mit Marx und Mercedes

https://www.n-tv.de/politik/...ichen-Kommunismus-article20091563.html

...Xi Jinping habe einmal das große chinesische Reich mit dem riesigen Ozeandampfer "Titanic" verglichen, erzählt Professor Willy Lam von der Chinesischen Universität in Hongkong. Die Führung dürfe sich keinen Fehler leisten, der die Herrschaft der Partei gefährden könne, zitiert er den Parteichef, der noch hinzugefügt habe: "Wenn die "Titanic" einmal sinkt, wird sie einfach untergehen."...  

22.01.19 10:11

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingLöschung


Moderation
Moderator: ame
Zeitpunkt: 23.01.19 01:24
Aktion: Löschung des Beitrages
Kommentar: Moderation auf Wunsch des Verfassers

 

 

22.01.19 10:30

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingLöschung


Moderation
Moderator: ame
Zeitpunkt: 23.01.19 01:24
Aktion: Löschung des Beitrages
Kommentar: Moderation auf Wunsch des Verfassers

 

 

22.01.19 10:44

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingGenaue Definition der LFPR

Die Labor Force Participation Rate beschreibt das Verhältnis von "Labor Force" (= Angestellte und offizielle Arbeitslose) zur Gesamtbevölkerung.

Ende 2018 lag die LFPR in USA bei 63,1 %. Dies bedeutet, dass 36,9 % der US-Bevölkerung nicht zur Labor Force zählte - also entweder gar nichts zu tun hatte (oder ohne Lohn im Haushalt tätig war), sich in inoffizieller Arbeitslosigkeit befand (z. B. wegen Resignation nach zig erfolglosen Bewerbungen) oder eben in vom BLS nicht erfassten Mini- und Aushilfsjobs tätig war.

-----------------------

https://www.thebalance.com/...ation-rate-formula-and-examples-3305805

LFPR Formula

Here's how to calculate the labor force participation rate:

LFPR = Labor Force / Civilian Non-Institutionalized Population

where the Labor Force = Employed + Unemployed

To calculate the formula correctly, you must first understand the underlying definitions outlined by the Bureau of Labor Statistics. The BLS is the Federal agency that reports on the labor force and its participation rate every month in the Jobs Report. Here they are:

Civilian non-institutional population - Everyone living in the United States who is 16 or older minus inmates of institutions such as prisons, nursing homes, and mental hospitals and minus those on active duty in the Armed Forces.

Labor force - Everyone who is classified as either employed or unemployed.

Employed - Anyone aged 16+ in the civilian non-institutional population who worked in the last week. They are those who worked an hour or more as paid employees or 15 hours or more as unpaid workers in a family-owned business or farm. It also includes those...  

22.01.19 11:26
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingWarum stieg die LFPR von 1965 bis 2000?

In den goldenen Nachkriegsjahren konnte ein Angestellter in USA noch die ganze Familie ernähren, das galt damals auch für D.

Doch ab den 1970er Jahren gab es Reallohnabbau. Immer mehr Frauen, die vorher als Hausfrauen unbezahlt (und vom BLS nicht registriert) tätig waren, mussten mitarbeiten, weil sonst das Einkommen nicht zu Finanzierung der Familie gereicht hätte.

Hinzu kam, dass in den 1990er-Jahren im Computer- und Dot.com-Boom die US-Wirtschaft kräftig (und real) wuchs, was die Nachfrage nach Arbeitskraft erhöhte. Frauen, die arbeiten wollten, KONNTEN so auch einen Job finden.

Einen schweren Knick nach unten verzeichnet der LFPR-Chart ab 2008. In der Bankenkrise sprachen viele Firmen (auch nicht-finanzielle) Massenentlassungen aus. Sie "verschlankten" sich, was die Profitablität erhöhte. Die "Krise" lieferte einen willkommenen Vorwand, die durch zunehmende Computerisierung kräftig gestiegene Produktivität zugunsten der Unternehmen zu verwerten bzw. "umzuverteilen": Weniger Leute mussten dieselbe Arbeit erledigen, die Arbeitshetze in den Betrieben stieg, ebenso wie die Zahl der (z. B. aus Altersgründen) ausgemusterten Arbeitslosen.

Trotz des angeblichen Jobwunders unter Obama (schon unter ihm fiel in USA die Arbeitslosen-Quote wieder auf nahe 4 %) und Trump sank die LFPR weiter auf aktuell 63 %. (Am Top des Dot.com-Booms lag sie bei 67 %). Der Prognose im Chart in # 577 zufolge wird sie bis 2050 weiter sinken auf dann 60 %.

D.h. heute zählen, verglichen mit dem Jahr 2000, 4 % mehr Amerikaner zu den offiziell "Untätigen". In dieser diffusen Masse finden sich u. a. die langzeitarbeitslosen "angry old men" im Mittleren Westen, die Trump wählten - in der Illusion, er würde Amerika "wieder groß machen".

Trump behauptet, die vielen Ausländer (Latinos) seien das Übel für die versteckte Arbeitslosigkeit. Daher auch seine Hass- und Mauer-Propaganda gegen "Hispanics".

Der tatsächliche Grund ist jedoch die zunehmende Automatisierung und Roboterisierung, die den gleichen Output mit immer weniger menschlicher Arbeitskraft ermöglicht. Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz helfen zusätzlich. In Autofabriken arbeiten heute z. B. fast nur noch Roboter.

Im "statistischen Untergrund" des BLS versickern u. a. Leute, die die Höchstdauer für Arbeitslosenunterstützung überschritten haben und dann einfach nicht mehr gezählt werden. Oder sie haben nach zig erfolglosen Bewerbungen resigniert und suchen offiziell keine Arbeit mehr (oft unter elenden Zuständen, z. B. als Obdachlose oder als Dauer-Camper im eigenen Auto). Oder sie sind halt inoffiziell irgendwo als Hilfskräfte (schwarz) beschäftigt. Schwarzarbeit blüht u. a. in der Erntezeit.

Sicher ist jedenfalls: Das Prekariat existiert noch immer, und es ist entgegen den Ausführungen von Transatlantiker Joffe sogar gewachsen, freilich kaum sichtbar hinter dem hübschen Zahlenvorhang, hinter dem Joffe und das BLS das Elend propagandistisch verstecken.  

22.01.19 12:41
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming"Die Zeit" (Joffe) leugnet Prekariat in USA

(korrigierte Fassung von # 201, u. a. wegen HTML-Fehlern des Ariva-Editors)

Es gebe keine Armut und keinen "Raubtierkapitalismus" in Amerika, phantasiert Transatlantiker Josef Joffe in "Die Zeit":

https://www.zeit.de/2019/04/...ythos-billigjobs-prekariat-gig-economy

Joffe wendet sich explizit gegen das "hässliche Wort vom 'Prekariat'", das gerade die Runde mache. Und gegen Horrorvorstellungen, dass sich "bald die alte Arbeitsordnung auflösen würde ? zum Nutzen großer, superreicher Unternehmen und zum Schaden kleiner Ich-AG-Dienstleister, die nicht wissen, welche Einnahmequelle sie morgen anzapfen könnten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Ein übler Trend scheint sich durchzusetzen..."

Doch in Wahrheit, wähnt Joffe, gebe es diesen fürchterlichen "Raubtierkapitalismus" überhaupt nicht. Joffes Begründung: Gemäß den Zahlen der US-Arbeitsbehörde BLS gingen "über 90 Prozent der Erwerbstätigen einer traditionellen Beschäftigung nach", seien also Festangestellte. Dies sei ein fundierter Gegenbeweis, dass eben nicht "eine Explosion der Selbstbeschäftigung die Arbeitswelt im Sauseschritt umkrempelt".

Holla, Herr Joffe, auch der Frittenbrater bei McDonald oder die Hilfsarbeiterin im Convenient Store für teils unter 8 Dollar die Stunde sind "festangestellt", zählen aber dennoch zum Lohn-Prekariat. Und in solchen Jobs arbeitet ein Großteil der US-Bevölkerung.

Auch von den nackten Zahlen her ist Joffes Argumentation in keinster Weise überzeugend, da sich die von ihm unterstellte Trendumkehr am US-Arbeitsmarkt allenfalls kosmetisch zeigt. Joffe schreibt im Artikel: "Die Quote der freischaffenden Erwerbstätigkeiten ist seit der "Großen Rezession", die 2007 begann, von 7,4 auf 6,9 Prozent gesunken."

A.L: WOW, das sind ja satte 0,5 % weniger in 12 Jahren. Das nenn ich Fortschritt. Diese lächerliche Besserung lässt sich, bereinigt um Statistikrauschen, auch gut mir Null annähern. Tatsächlich ist - hinter den Statistik-Kulissen - die Umverteilung von unten nach oben auch in USA in vollem Gange. Eine Tatsache, die neoliberale Transatlantiker wie Joffe natürlich nicht wahr haben wollen. Daher seine Pseudo-Widerlegung in "Die Zeit".

Auch wenn Joffe es leugnet: Das Prekariat in USA - jene "working poor" mit teils drei Mini-Jobs, die trotzdem nur ein Leben im eigenen Auto als Wohnungsersatz ermöglichen - existiert sehr wohl. Und es wächst sogar entgegen den BLS-Zahlen stetig: Denn in den BLS-Zahlen überhaupt nicht erfasst sind jene Langzeitarbeitslosen, die längst aus der Statistik rausgefallen sind. Die Labor Force Participation Rate (LFPR) in USA ist aktuell mit 63 % auf dem tiefsten Stand seit 40 Jahren - und dürfte Projektionen zufolge (siehe Chart unten) in den nächsten 20 Jahren noch weiter bis 60 % fallen.

Laut Daten der Worldbank...

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.ZS

sinkt auch weltweit die Labor Force Participation Rate stetig! Diese Quote steht für das Verhältnis von "Labor Force" (= Angestellte und offizielle Arbeitslose) zur Gesamtbevölkerung. Liegt sie wie in USA bei 63 %, sind 37 % der Gesamtbevölkerung entweder gar nicht oder in nicht vom Arbeitsamt offiziell erfassten Mini- oder Schwarz-Jobs tätig.

Wer wie Joffe nur mit BLS-Zahlen argumentiert, ignoriert das Elend der vielen oft älteren Hungerlöhnern und Scheinselbständigen, die aus der BLS-Statistik gefallen sind (u. a. weil ihre Arbeitslosenunterstützung auslief).

Der nationalistische Teil dieses US-Prekariats, jene "angry old men" aus dem Mittleren Westen, stellt zugleich die Basis der frustrierten Trump-Wähler, die sich nicht ohne Grund von "make America great again" Besserung erhoffen. Der Slogan besagt ja sozusagen "offiziell", dass Amerika in Wahrheit nicht wirklich "great" sein kann. Denn sonst bestünde seitens Trump überhaupt kein Handlungsbedarf.

----------------------------------

U.S. Labor Force Participation Rate - und Projektionen bis 2045:

 
Angehängte Grafik:
lfpr.png (verkleinert auf 58%) vergrößern
lfpr.png

22.01.19 12:49

54442 Postings, 5375 Tage Anti LemmingLese-Hilfe zu # 204 und # 205

In # 205 habe ich eine korrigierte Fassung des von mir gelöschten # 201 geschrieben (enthielt u. a. HTML-Fehler).

# 204 liefert eine Interpretation des Charts in # 201 (gelöscht).

Ich bitte daher darum, erst # 205 und dann # 204 zu lesen.

Die "Interpretation" des LFPR-Charts in # 204 bezieht sich auf den (aus obigen Gründen) erst später gezeigten Chart in # 205.  

22.01.19 13:46
2

1488 Postings, 526 Tage CoshaWenn man den Hai im Boot hat

22.01.19 14:10

16995 Postings, 6278 Tage lehna#205, AL, das sind doch die üblichen

verweichlichten Wohlstandsdepressionen, wenn du über den armen Joe Sixpack schwadronierst.
Ok, ok, deine armen Amis müssen oft hart malochen, damit abends was in die Kauleiste gemampft werden kann.
Allerdings ist das immer noch viel gesünder, als wenn sich hierzulande chronische Hartzler aufm Sofa ne Wampe anfuttern.
Zudem ist im sozialistischen Venezuela- von Sarah Wagenknecht einst gelobt- die Armut bei 1 Million Prozent Inflation viel höher.
Trump will eine Mauer bauen, weil alle dahin wollen- also bitte etwas weniger Mitleid mit dem armen Ami- Malocher...



 

22.01.19 14:21
1

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 207 Frachter-Ausverkauf

Es wäre interessant zu erfahren, mit wieviel "Rabatt" auf den Nennwert die faulen Schiffskredite der HSH Nordbank und der Nord LB an die amerikanischen Hedgefonds verkauft worden sind.  Immerhin handelte es sich beim Verkauf dieser Kredite um Notverkäufe, die zwangsweise auf EU-Geheiß durchgeführt werden mussten, weil HSH und Nord LB zuvor mit (neuerdings verbotenen) Staatshilfen vor der Pleite bewahrt wurden.

Die Rabatte waren offenbar hoch genug, dass die Käufer - Cerberus, Flowers und andere Leichenfledderer - die 250 Frachter nun im Ausland mit stattlichem Gewinn verkaufen können (sobald die Umstände dies erlauben, z. B. Zahlungsausfälle).

Die FAZ merkt an, dass diese Schiffsverkäufe im Ausland den deutschen Reedereien schaden (sie verlieren Schiffe) und auch deutsche Arbeitsplätze kosten.

Wieso gibt es in D. keine Hedgefonds, die so etwas zustande bringen? Können solche Finanztransaktionen wirklich nur die Amis?
 

22.01.19 14:23

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 208

Ami-Loser haben auch ne Wampe. Dazu aber noch eine Wumme.  

22.01.19 14:33

54442 Postings, 5375 Tage Anti Lemming# 208 (b)

Josef Joffe/"Die Zeit" widmet dem US-Prekariat sogar einen umfangreichen Artikel. So unwichtig (wie für dich) scheint diese Entwicklung für die neoliberale Elite und deren Presservertreter daher nicht zu sein. Diese Entwicklung muss sogar, wie bei Joffe geschehen, mit Statistiktricks aggressiv geleugnet werden.

Warum? Weil es "nicht angehen kann" (und daher auch "nicht sein darf"), dass die Globalisierung WELTWEIT die Prekariat-Bildung vorantreibt (Chart unten) - im Zuge der altbewährten Umverteilung von unten nach oben.

Obwohl es, wie der Chart zeigt, klar der Fall ist.

Kurzum: Der Artikel passt perfekt zu Joffes Transatlantik-Agenda.

-------------------------

Labor Force Participation Rate (weltweit)

 
Angehängte Grafik:
hc_2175.jpg (verkleinert auf 63%) vergrößern
hc_2175.jpg

22.01.19 14:51
1

1488 Postings, 526 Tage CoshaFür mich klangs

nach einem dieser berühmten Big Deals, der nicht von vielen gestemmt wird obwohl er doch fast Risikolos Rendite bringt.
"Rabatte" das wohl nur ein kleiner Teil der Frachter zu ordentlichen Konditionen in besseren Zeiten verkauft werden muß, die Masse weit unter Wert verschleudert werden kann.

Da lachen die Fonds mit den neuen Reedern um die Wette und der Rest kuckt dumm zu.
Landesbanken sollten gar nicht erst versuchen am großen Rad zu drehen.  

22.01.19 16:22
1

3192 Postings, 3101 Tage MurmeltierchenDie Welt könnte auch 10 Milliarden Menschen ernähr


https://www.nzz.ch/panorama/...ie-weltbevoelkerung-derzeit-ld.1451949

Die globale Fehlernährung führe derzeit zu mehr Krankheits- und Todesfällen als der Konsum von Drogen, Alkohol, Tabak und ungeschütztem Sex zusammengenommen, betonen die Autoren.

Doch um die ökologische Stabilität des Planeten zu erhalten, muss neben den Speisezetteln auch die Landwirtschaft massiv umgestellt werden.

....in meinen augen das größte und wichtigste projekt überhaupt. schluß mit wampe und co. !
 

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