Warum die Nullzinspolitik noch lange anhalten wird
§Christoph A. Scherbaum
§ Guten Tag Herr Hotsch,
die Entscheidungen der Notenbanken sorgen seit jeher für viel Gesprächsstoff an den Finanzmärkten. Am Mittwoch war dies bei der US-Notenbank Federal Reserve der Fall. Am gleichen Tag hatte auch das Euro-Pendant im Blick gestanden:
Zur Wochenmitte waren die neuen Räumlichkeiten der Europäischen Zentralbank unter dem lautstarken Protest gewalttätiger Demonstranten im Frankfurter Ostend eröffnet worden. Doch auch wenn der neue EZB-Turm für Unruhe in der Stadt sorgte, dürfte von ihm keine neue Geldpolitik für den Euroraum ausgehen. Denn:
Die Nullzinspolitik ist für die europäischen Notenbanker derzeit ohne Alternative. Auf Seiten der Leitzinsen dürfte dies die niedrigen Verzinsungen auf Dauer zementieren. Sogar Negativzinsen werden inzwischen kaum mehr ausgeschlossen. Gut wer sich angesichts dieser Maßnahmen langfristig auf die attraktiven Renditen am Aktienmarkt verlässt und sich eben nicht zum Sparen verleiten lässt. In diesem Zusammenhang ist auch interessant:
Befragt man die Banken nach der Dauer der Nullzinspolitik der EZB haben sich die Zeithorizonte in den vergangenen Monaten immer weiter nach hinten verschoben. Laut einer „Welt“-Umfrage rechnen aktuell 40 Prozent der befragten Banken erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit einem Ende der Nullzinsphase! Weitere 9 Prozent halten sogar ein Festhalten an der Nullzinspolitik bis ins Jahr 2019 für möglich.
Nachdem die EZB erst im März mit einem Anleihenkaufprogramm begonnen hat ist der lange Zeithorizont der Banken nur allzu verständlich. Neben einem negativen Einlagenzinssatz von minus 0,2 Prozent soll der als quantitative Lockerung bezeichnete Aufkauf von Staatsanleihen die Geschäftsbanken ermuntern mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft voranbringen.
Da dieser Schritt in den USA bereits erfolgreich funktioniert hat – dort wird derzeit die quantitative Lockerung beendet – erhofft sich auch die EZB vergleichbare Erfolge. Allerdings sind die Rahmenbedingungen in der Eurozone andere, als in den Vereinigten Staaten. Ob die geldpolitischen Maßnahmen also tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werden, wird man erst in der Zukunft sehen. Bis dahin sollten wir uns als Börsianer von den Nachrichten aus Washington und Frankfurt nicht beirren lassen und auf die Stärke des Aktienmarkts bauen und den langfristigen Vermögensaufbau stets mit Sachwerte-Investments gestalten.
quelle: boerse.de |