Ich weiß nicht, wo ich das schon mal gelesen habe, aber der Gedanke gefällt mir immer noch:
Zu Zeiten des Kalten Krieges wäre eine derartige Ungleichheit und Misswirtschaft (Inflationierung auf Kosten der Sparer und abhängig Beschäftigten) nie möglich gewesen, weil neben dem Aufbau militärischer Stärke der ideologische Kampf, welches politische System das überlegene ist, dies verhindert hätte. Da hätte man trotz Ungleichheiten und Eigennutz, die (wie ich finde zu Recht) im Zentrum jeder kapitalistischen Überlegung stehen, immer darauf achten müssen, dass sich stets ein Großteil der Bevölkerung mit dem Wirtschaftssystem identifizieren kann. Heute, wo das kapitalistische System alternativlos ist, muss es jetzt nicht mehr jedem dienen, um weiterzuexistieren.
Dass diese Monokulturen insgesamt schlecht sind, kann man auch an einem anderen Beispiel erkennen: In jeder Gesellschaft gibt es Altruisten. Diese Vorstellung verträgt sich auf den ersten Blick nicht mit der Evolutionslehre von Darwin, Dawkins, etc. Tatsächlich ist es aber so, dass Gesellschaften, in denen Altruismus vorkommt, als Ganzes so viel effizienter funktionieren als solche, in denen jedes Individuum maximal rücksichtslos seinen eigenen Vorteil sucht, dass sie sich letzten Endes gegenüber anderen Gesellschaften durchgesetzt haben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass es verschiedene Gesellschaftsmodelle gibt, die miteinander konkurrieren. Bleibt nur noch eines übrig, weil alles global ist, dann kann sich der Anteil an Altruismus beliebig vermindern, ohne dass die Gesellschaft Gefahr läuft, durch ihre sinkende Funktionalität durch eine andere verdrängt zu werden.
Das ist jetzt alles nicht ideologisch gefärbt, sondern ist ein rein naturwissenschaftliches/intellektuelles Gedankenspiel. |