Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

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neuester Beitrag: 23.04.14 08:58
eröffnet am: 04.11.12 14:16 von: permanent Anzahl Beiträge: 16949
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20752 Postings, 3804 Tage permanentÖkonomen streiten über Verteilungsfrage

 
  
    #1
76
04.11.12 14:16

Wirtschaftswissenschaften: Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

Die Einkommensungleichheit destabilisiert die Volkswirtschaften, sind immer mehr Ökonomen überzeugt. Viele von ihnen sehen in der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich auch die Ursache für die weltweite Finanzkrise.

BerlinDer Klassenkampf war lange verschwunden aus dem Vokabular der Ökonomen. Die meisten Forscher interessierten sich nicht mehr für die Unterschiede zwischen den einzelnen Schichten der Gesellschaft, zwischen Armen und Reichen, Arbeitenden und Vermögenden. Die Stoßrichtung gab Nobelpreisträger Robert Lucas vor: Ökonomen sollten sich nicht von der gefährlichen Versuchung verführen lassen, sich mit Verteilungsfragen zu beschäftigen, schrieb er vor gut zehn Jahren. Wer den Wohlstand mehren wolle, der solle nicht umverteilen, sondern für Wachstum sorgen.

 

Inzwischen aber findet in der ökonomischen Zunft ein Umdenken statt - immer mehr Volkswirte nehmen auch Verteilungsfragen wieder ernst, wie eine Konferenz des "Forschungsnetzwerks Makroökonomie" zeigt, die in der vergangenen Woche in Berlin stattfand. Auf Einladung der Hans-Böckler-Stiftung diskutierten mehr als 300 Volkswirte über die Zukunft der makroökonomischen Forschung. Die Einkommensverteilung war dabei eines der zentralen Themen. Schließlich ist die Kluft zwischen Arm und Reich vor der Krise massiv gewachsen - vor allem in den USA, aber auch in vielen anderen Industrieländern.

Wenn die Ungleichheit in einer Volkswirtschaft zu groß wird, wird diese instabil, zeigte Michael Kumhof, Vizeabteilungsleiter beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Zusammen mit Kollegen hat er ein makroökonomisches Standard-Modell um Verteilungsfragen erweitert. Anstelle von homogenen Haushalten, die einheitliche Interessen haben, gibt es in diesem Modell Arbeiter und Vermögende.

 

20752 Postings, 3804 Tage permanentDas Thema Verteilung und Gerechtigkeit

 
  
    #2
14
05.11.12 08:09

der Verteilung wird nach meiner Einschätzung in den kommenden Jahren stark zunehmen. Zum Einen geht es um die Verteilung von Einkommen und Wohlstand zwischen den einzelnen Schichten, zum Anderen um die gerechte Verteilung von Lasten zwischen den Generationen.
Eine zu starke Subventionierung der Schwachen in einer Gesellschaft auf Kosten der Starken führt zu Demotivation und Leistungsabfall auf allen Stufen, eine zu große Schere in der Einkommens- und Vermögensverteilung führt zu dem gleichen Phänomen.

Daneben müssen die gesellschaftlichen Kosten betrachtet werden.

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1889 Postings, 3705 Tage gamblelvgibt es denn gerecht?

 
  
    #3
6
05.11.12 08:26

Ist das nicht immer nur ein subjektives Empfinden?

 

20752 Postings, 3804 Tage permanent@gamble Es gibt Gerechtigkeit jedoch

 
  
    #4
11
05.11.12 10:13

selten für den Einzelnen sondern nur für eine Gesellschaft. Gerecht ist immer ein Kompromiss der alle Beteiligten einschließt, keine Seite überfordert aber auch keine Seite bevorzugt.
Sicher ist und bleibt das Ergebnis und die Einstellung dazu immer subjektiv. Dennoch ist es wichtig einen gesellschaftlichen Konsens zu finden um Zukunftsfähig zu bleiben.

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13574 Postings, 2836 Tage Malko07Manche Probleme der

 
  
    #5
17
05.11.12 10:26
gesellschaftlichen Unterschiede wurden mMn in den verflossenen Jahrzehnten mittels Verschuldung in allen denkbaren Bereichen unter dem Teppich gehalten. Diese Politik ist an ihre Grenzen gestoßen und damit werden die Unterschiede wieder sichtbar und noch wesentlich sichtbarer werden. Als Beispiel die Altersarmut:

Mitte der Sechsziger des letzten Jahrhundert war die Altersarmut wesentlich größer als heute. Sie wurde zeitweise überwunden durch Auflösung der großen Rückstellungen der Rentenversicherung und der Zwangsmitgliedschaft aller abhängig Beschäftigten in der Rentenversicherung und dem wirtschaftlichen Boom bedingt durch Babyboomer und einer sukzessive immer stärkeren Verschuldung. Gleichzeitig stieg die Produktivität in der Wirtschaft durch Elektronik und dann Informationsverarbeitung stark an. Die Wohnungen waren äußerst primitiv (WC im Treppenhaus, Bad in der Badeanstallt, Kohleöfen zum Heizen), in einem großen Umfang bewirtschaftet und deshalb auch noch für die ärmeren Rentner bezahlbar.

Heute sind die Wohnungen nicht mehr primitiv aber teuer. Die Verschuldung hat ihre Grenzen erreicht und der weitere große wirtschaftlich wirksame technologische Fortschritt ist nicht in Sicht. Die Energiepreise, von denen vieles abhängt, haben neue Höchststände erreicht und werden bei der explosiv wachsenden Weltbevölkerung nicht wesentlich billiger werden.

Beliebig belasten wird man aber die "besserverdienenden" abhängig Beschäftigten nicht können und die wirklich Reichen haben alle möglichen Fluchtmöglichkeiten und werden sie gegebenfalls auch nutzen. Frankreich liefert momentan ein praktisches Beispiel.

Wir werden deshalb noch größere Unterschiede im Einkommen zwischen qualifizierten und einfachen Arbeitsplätzen bekommen. Die wenig Qualifizierten werden eben in Konkurrenz zu den Nordafrikanern und Osteuropäern stehen. Die Altersarmut wird sich stark vergrößern. Insgesamt wird die Anzahl der sogenannten Armen so groß werden, dass man sie nicht mit Steuererhöhungen und Abgabenerhöhungen bei den "besserverdienenden" abhängig Beschäftigten wirklich verhindern wird können. Das Wohnen wird zum Teil wieder einfacher und primitiver werden müssen, wenn nicht in absehbarer Zeit die Campingplätze mit festinstallierten Wohnwägen überquellen sollen. Und die Armut wird sichtbarer werden.

Typisch für die Sozialdemokratisierung der letzten Jahrzehnte in der Politik (bei allen großen Parteien präsent) war das Melken der Qualifizierten und die Explosion der Staatsverschuldung. Beides hilft jetzt nicht mehr weiter. Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos!  

7332 Postings, 2146 Tage FillorkillEs ist ein interessiertes Märchen,

 
  
    #6
8
05.11.12 10:42
dass das Wachstum relativer Armut einen systemdestabilisierenden Effekt nach sich ziehen kann.  Denn dafür bräuchte es Paupers, die sich ihre karge Revenue revolutionär übersetzen. Und die gibt es nicht - weder in den US noch in den Piigs-Staaten. Das temporäre aufgeregte Fahenschwenken, Trillerpfeifen und Farbbeutelschmeissen tangiert die Systemstabilität nicht die Bohne, auch wenn Links- oder Rechtspopulisten hier ein Omen für ihre Agenda vorfinden wollen...
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contrarian investors are buying / selling the divergence between fundamentals and expectations

7332 Postings, 2146 Tage FillorkillMalko + Perma:

 
  
    #7
7
05.11.12 10:47
Ich würde es sehr begrüssen, wenn dies hier ein kritischer Makrothread werden könnte. Einer, der ohne ideologische Scheuklappen und verschwörungstheoretische Deutungsmuster auskommen kann, dafür mit dem Willen zum offenen Diskurs.

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13574 Postings, 2836 Tage Malko07Fillorkill (#6), ist auch meine

 
  
    #8
11
05.11.12 11:04
Meinung. Revolutionen werden nicht durch die verarmten Alten oder die unqualifizierten Hilfsarbeiter angeführt und gewonnen. In "neuerer" Zeit waren es die bürgerlichen Schichten (würde heute bei uns eher den besserverdienenden Angestellten entsprechen), welche Umstürze anführten. Die "Armen" wurden, wenn beteiligt, oft nur als Werkzeug genutzt. Auch unsere Gewerkschaftsbewegung war ursprünglich bei uns keine Bewegung der Hilfsarbeiter und Arbeitslosen, es war eine Bewegung der Facharbeiter, die sich in den Abendstunden weiter qualifiziert haben und die sich eine bessere Welt schaffen wollten.

Gegen was wollte man heute auch noch revoltieren. Gegen die "unfähige" Politik um diese durch eine noch "unfähigere" und "korruptere" Diktatur zu ersetzen? Eine erneute Diktatur des Proletariat? Wo das hinführt ist sattsam bekannt.

Umverteilung funktioniert nur, wenn die Masse die zur Umverteilung akzeptiert wird, in einem angemessenen Verhältnis zu dem was gebraucht wird, steht. Und diese Verhältnisse sind schon lange nicht mehr vorhanden. Auch ein Grund für die ausufernde Staatsverschuldung.  

20752 Postings, 3804 Tage permanentFill, eine solch offene Diskussion wünsche ich mir

 
  
    #9
12
05.11.12 11:05

ebenfalls. Leider ist die Emotion und die Entgleisung dieser allzu menschlich. Dementsprechend bedarf es einer gewissen Eigendisziplin der Beitrageinsteller/innen.

@Malko: Leider nur zu wahr: 
Manche Probleme der gesellschaftlichen Unterschiede wurden mMn in den verflossenen Jahrzehnten mittels Verschuldung in allen denkbaren Bereichen unter dem Teppich gehalten.

Das ist der bequeme Weg den jeder Politiker sucht bis dieser Weg eine Gesellschaft vor die Wand fährt, so wie wir es heute in einigen Ländern sehen.

Ein Problem ist die Reformunlust der Bevölkerungen wobei Veränderungen immer eine gewisse Angst auslösen und die Politik es häufig versäumt Veränderungen als Chance zu erklären.

Permanent

 

7332 Postings, 2146 Tage FillorkillPerma,

 
  
    #10
7
05.11.12 11:23
um Makro kritisch zu diskutieren braucht es kein Bärenfell. Umgekehrt ist das eifrige Aufklauben vermeintlich schlechter Nachrichten als Beleg für eine ideologische Agenda das Gegenteil einer kritischen Analyse. Negative Affirmation sozusagen...

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227 Postings, 2010 Tage Veska"Revolutionen

 
  
    #11
10
05.11.12 11:26

werden nicht durch die verarmten Alten oder die  unqualifizierten Hilfsarbeiter angeführt und gewonnen" - sehe ich genauso, hatte aber die Situation vorallem in Spanien auf Grund des geringen Altersdurchschnitts und der hohen Qualifikation anders eingeschätzt. Revoltieren könnte man aber eigentlich nur gegen das unseelige Verlängern des Status Quo durch die Politik, die eigentlichen Probleme (von Malko schön aufgezeigt) scheinen / sind aber überall unlösbar.

Aber auch das schürt Wut, ob es dann letztendlich die Erkenntnis ist dass keine fähigen Lösungsansätze vorhanden sind und das daraus resultierende Gefühl der Hilflosigkeit, oder aber dass von der Politik teilweise ein "weiter so" mit zusätzlichen Umverteilungsversuchen propagiert wird und die Masse dies so langsam durchschaut..

 

20752 Postings, 3804 Tage permanent@fill, Die kritische Diskussion braucht

 
  
    #12
13
05.11.12 11:42

kein Bärenfell. Ohnehin haben die Begriffe Bulle und Bär nur eine Bedeutung für die Börse um die es hier ja nicht geht.
Gewisse Emotionen gehören wahrscheinlich auch zu einer Diskussion, prägen sie doch oft die Auseinandersetzung wie der typische Charakter einen guten Wein.
Gradmesser der guten Auseinandersetzung ist es Emotionen nicht in persönliche Beleidigungen umzumünzen. Ich denke kaum ein Mensch schafft es immer sachlich zu bleiben.

Permanent

 

7332 Postings, 2146 Tage FillorkillPerma,

 
  
    #13
11
05.11.12 11:54
es ist sachlich absurd und in der Konsequenz kontraproduktiv, sich als Permabär oder - Bulle aufzustellen. Dies gilt nicht nur für die Makrodiskussion, sondern natürlich auch fürs Trading. Ein offener Diskurs kann dabei helfen, mentale bzw ideologische Blockierungen zu erkennen...

Fill
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20752 Postings, 3804 Tage permanentfill, ich habe mich auch nie auf die Position

 
  
    #14
13
05.11.12 12:02

Permabär oder Bulle festgelegt. Ich bin lediglich Mitgliet im BT was für einige impliziert Permabär zu sein nicht aber für die Mehrheit.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Teilnehmer ständig auf einen bärischen Börsenverlauf setzt.
Da ich seit einiger Zeit keine Derivate mehr handele -aus Mangel an Erfolg- habe ich kaum noch eine Möglichkeit eine Bärenhaltung als Investment zu vertreten.
Um diese Einstellung geht es hier aber doch auch nicht.

Permanent

 

13574 Postings, 2836 Tage Malko07Ob Bulle oder Bär oder

 
  
    #15
13
05.11.12 12:59
Ziege oder Eichhörnchen ist doch Schnuppe. Die wirtschaftliche Entwicklung ist laufend Schwankungen unterworfen, es entwickeln sich Risiken - manche werden über- und manche werden unterschätzt - und die Aktienkurse schwanken noch stärker und nicht unbedingt synchron. Wann Risiken praktisch wirksam oder nicht wirksam werden weiß keiner. Will man an mit Spekulationen Geld verdienen (nehme an, das will die überwiegende Mehrheit) muss man die richtige Spekulationsmethoden einsetzen. Und jeder spekuliert, auch wenn er sein Geld aufs Sparbuch legt oder ein Wohnung zum vermieten kauft.

Aber was sind die richtige Spekulationen? Nun, sie müssen mMn einem liegen. Man muss seine Spekulationen mental durchstehen können, man sollte also noch schlafen können und es sollte mMn auch noch ein Leben neben den Spekulationen geben. Und so unterschiedlich die Menschen nun mal sind, umso unterschiedlicher sind die unterschiedlichen Spekulationen. Auf keinen Fall sollte man sich in irgendeine Art rein drängen lassen.

Ob einem eine Methode liegt und ob sie brauchbar ist, kann man an sich selbst (seinem Verhalten) und an den längerfristigen Ergebnissen feststellen. Und dann braucht man auch noch das Umfeld in das die eigenen Methoden passen und eine nicht zu unterschätzende Portion an Glück.  

20752 Postings, 3804 Tage permanentHeute stehen die US Wahlen auf dem Programm

 
  
    #16
11
06.11.12 08:36

Dabei wird der Ausgang aus meiner Sicht vollkommen überbewertet. Weder Obama noch Romney können zaubern.
Die großen Ausgabenblöcke stehen: Militär, Sozialausgaben, Zinsausgaben.

Das Budget muss in solide Bahnen gelenkt werden. Dazu bedarf es einer Kombination aus Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen. Dabei muss dann noch versucht werden die Konjunktur nicht vollends abzuwürgen.
Eine schwere Aufgabe. Vielleicht ist der heutige Verlierer am Ende der Gewinner weil er nicht vor dieser Aufgabe, die fast unmöglich zu lösen scheint, steht.

Bei allen Entscheidungen geht es dann wie immer um die Gerechtigkeit inder Lastenverteilung.

Permanent

 

13574 Postings, 2836 Tage Malko07MMn sind die

 
  
    #17
10
06.11.12 08:59
Kongresswahlen wichtiger. Dort wird über zulässige Neuverschuldung, Steuern und damit Umverteilung entschieden. Wer von beiden Präsident wird, ist mMn ziemlich unerheblich. Ich schaffe es nicht größere Unterschiede im Faktischen festzustellen. Die Unterschiede spielen wohl mehr im Auftreten und bei den Sprüchen.

Umverteilung ist mMn nicht per se Gerecht, sie kann auch ungerecht sein. Wobei Gerecht ein weiter Begriff ist und wahrscheinlich jeder etwas anderes darunter versteht.

Ist es z.B. gerecht, wenn eine Familie von Kleinverdiener, beide berufstätig,  mehr Krankassenbeiträge zahlt als eine Familie von Besserverdiener in der z.B. nur einer berufstätig ist? Es gibt nicht so wenige Familien in denen einer nur einen 400-€-Job nachgeht, weil bei einem "ordentlichen" Job die Abzüge so groß sind und das sich nicht rentiert. Das führt auch nicht in Zukunft zur Altersarmut sondern jetzt. Wir haben nämlich eine umlagefinanzierte Rente. Führt auch zu höheren Rentenversicherungsbeiträgen (in % vom Lohn) beim obigen Beispiel der Kleinverdiener.

Es ist ja schön, wenn mancher glaubt sich mit wenig Arbeit selbst verwirklichen zu können. Aber ist es dann gerecht, dass die Gesellschaft für einen Großteil seiner Versicherungsleistungen aufkommen muss. Ob das Gerecht ist, darf man bezweifeln, solidarisch ist es auf jeden Fall nicht!  

13574 Postings, 2836 Tage Malko07Das eigene Häuschen als

 
  
    #18
7
06.11.12 09:02
Altersabsicherung? Auch das ist eine Spekulation, die bei weitem nicht immer aufgeht. Dieses Risiko steigt zusätzlich, je nach demographischer Entwicklung, stark an und in manchen Regionen bei uns platzt dieser Traum inzwischen.
Cuxhaven: Demografischer Wandel bedroht Einfamilienhausviertel - SPIEGEL ONLINE
Alle reden vom Immobilienboom - aber gerade Einfamilienhäuser in der Provinz verlieren durch den demografischen Wandel eher an Wert. Es drohen Leerstand und Verfall. In Vierteln wie Cuxhaven-Altenwalde lässt sich heute schon besichtigen, was bald auch dem Rest der Republik droht.
 

1889 Postings, 3705 Tage gamblelvhat denn der zukünfige US Präsident noch

 
  
    #19
8
06.11.12 09:12

eine Wahl?

Sparen wird eine Pflicht.

@Malko, ich habe eine Kollegen aus den neuen Bundesländern die von entvölkerten Dörfern ihrer Heimat erzählten. Vor einigen Monaten war ich zu einer Hochzeit in Thüringen eingeladen und konnte mich davon überzeugen.
Wenn mehr als 20% der Häuser ohne Bewohner sind verfallen diese wertlos.

mfg

 

20752 Postings, 3804 Tage permanent@Malko Das sind die traurigen Realitäten für

 
  
    #20
11
06.11.12 09:26

viele Eingenheimbesitzer die der demographische Wandel mit sich bringt. Selbst wenn unsere Bevölkerung durch Immigration stabilisiert werden kann, werden die strukturschwachen Regionen kaum davon profitieren.

Daneben kommt dann noch die späte Einsicht der Eigenheimbesitzer spätestens mit der Erinnerung von der Behörde: Eigentum verpflichtet.

@gamble: Das Bild der neuen Bundesländer kenne ich gut durch einige Investments im Agrarbereich.  Jedoch muss ich nicht weit fahren. Das Ruhrgebiet vor meiner Haustüre bietet viel Anschauungsmaterial zum Thema Leerstandsimmobilien.

Permanent

 

13574 Postings, 2836 Tage Malko07MMn wird man einige

 
  
    #21
10
06.11.12 10:08
ländliche Regionen aufgeben müssen, da das Geld fehlen wird eine funktionierende und zeitgemäße Infrastruktur in stark ausgedünnten Regionen am Laufen zu halten.

Die bayerische Staatsregierung hat für Bayern eine derartige Studie ausarbeiten lassen (über Gebiete, die aufgegeben werden sollen - ja, auch in Bayern gibt es Regionen mit Landflucht und wachsendem Leerstand und Rückbau), hat sie aber in Angst vor dem Wähler schnell in der Versenkung verschwinden lassen. Je später man diese Problematik angeht, umso teurer wird es werden - auch das ist eine Art der Staatsverschuldung.

Die demographische Entwicklung führt zu einer stärkeren Vergreisung mit all ihren Problemen. Besonders krass wirkt dies in wirtschaftlich armen Regionen (Junge ziehen weg). Eine bezahlbare und menschliche Betreuung der Alten wird man aber in der fast leeren Fläche kaum leisten können. Die ist in Ballungsräumen einfacher und billiger zu gestalten.

Mit permanent bin ich einig, dass Immigration diese Probleme nicht lösen wird. Die Immigranten werden dorthin ziehen wo es Arbeit gibt und ihre Zahl wird mMn auch nicht so groß sein, wie mancher es hofft.

Diese Entwicklung hat schon seit einiger Zeit begonnen. Jeder der mit offenen Augen über Land fährt und sich mit der dortigen Bevölkerung unterhält, hat es längst bemerkt. Ab einem bestimmten Grad wird sich diese Entwicklung erheblich beschleunigen. Dies wird dazu beitragen die Unterschiede im Land stark anwachsen zu lassen. Man darf sich nicht mehr weiter in die Tasche lügen. Auch dieses Problem werden wir so wie die Staatsverschuldung angehen müssen. Wir sollten es nicht auf die nächsten Generationen schieben. Auch die können nur bis zu einer Grenze die Umverteilung füttern. Werden diese Ansprüche zu groß werden wir keine Immigration sondern eine massive Emigration erleben.  

227 Postings, 2010 Tage VeskaEigenheim

 
  
    #22
10
06.11.12 10:21

der o.g. Artikel betrifft ein Thema welches mich mit am meisten interessiert zur Zeit. Ich bin - noch nicht allzulange - Eigenheimbesitzer eines 60er Jahre Hauses, das nun grundlegend renoviert wurde. Auch wohnen wir ländlich (Südbaden), zwar gibt es durch den historisch vorhandenen Mittelstand genügend Arbeitsplätze (AL-Quote im Landkreis im Sept.12 = 3,5%), andererseits sinken die Einwohner-Zahlen aller Gemeinden hier seit vielen Jahren kontinuierlich, von den Jungen die studieren gehen, kommen nur wenige wieder zurück. Die Entwicklung ist klar: Landflucht, zunehmdes Sinken der Immo-preise, etc. und trotzdem gibt es kaum eine Gemeinde die nicht neue Wohngebiete ausweist. Hier wird mMng nach mit offenen Augen gegen die Wand gerannt, es fehlt - wie so oft - an Weitsicht und langfristige Planung der örtlichen Verwaltungen. Jedes weitere Wohngebiet benötigt Infrastruktur, die später auch gepflegt werden möchte und dies bei sinkenden Beitragszahlern.

Dennoch sehe ich meine Entscheidung recht pragmatisch: die Sicherheit, die Eigenheimbesitz evtl. mal hatte, schwindet zwar; in anderen Bereichen sieht es aber nicht besser aus. Aber vielleicht sollte man (zumindest selbstgenutzten) Hausbesitz auch ein stückweit mehr als Konsum denn als Invest betrachten.

 

227 Postings, 2010 Tage Veska@ Malko

 
  
    #23
7
06.11.12 10:29

ist diese Studie noch irgendwo einsehbar? Sowas würde mich wirklich mal brennend interessieren, deckt sich das doch mit der noch nicht allzu alten Aussage vom BW-Finanzminister Nils Schmid zur Zukunft des ländlichen Raums (allerdings mehr auf die Landwirtschaft bezogen): "Dann wächst im Schwarzwald halt mal ein  Tal zu."

 

1889 Postings, 3705 Tage gamblelvauch wenn ein Eigenheim abgezahlt ist

 
  
    #24
7
06.11.12 10:31

bleiben noch einige Kosten, wohnen im Alter ist also nicht kostenlos auch wenn das Heim (wie bei mir DHH Jahrgang 2005) bereits abgezahlt ist.

mfg

 

13574 Postings, 2836 Tage Malko07@Veska: Kann man auch sehr

 
  
    #25
5
06.11.12 10:32
schön in Niederbayern beobachten. Die Gemeinden weisen laufend neue Baugebiete aus, die Jungen wollen keine alten Häuser und bauen neu. Dabei werden sie nach dem Ableben ihrer Eltern oft 2 zusätzliche Häuser erben die sich dann zum Leerstand hinzugesellen. Im Altbestand kann man dort oft mehr als ein Leerstand pro Straße feststellen. Hier ist das, so wie in Baden, kein Elends- sondern ein Luxusproblem.

Eine selbstgenutzte(s) Eigentumswohnung/Eigenheim ist sicherlich nie ein Investment sondern dient dem eigenen Leben/Komfort. Auch mancher etwas überteuerter selbstgenutzter PKW ist sicherlich eher unter dem Spaßfaktor als unter der Wirtschaftlichkeit zu betrachten. Man sollte im jetzigen Leben leben, im Jenseits will keiner unser Geld.  Vollkommen richtig gesehen.  

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