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Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

Seite 1 von 1117
neuester Beitrag: 21.10.14 10:44
eröffnet am: 04.11.12 14:16 von: permanent Anzahl Beiträge: 27910
neuester Beitrag: 21.10.14 10:44 von: Kicky Leser gesamt: 1443455
davon Heute: 2512
bewertet mit 82 Sternen

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20752 Postings, 3985 Tage permanentÖkonomen streiten über Verteilungsfrage

 
  
    #1
82
04.11.12 14:16
Wirtschaftswissenschaften : Ökonomen streiten über Verteilungsfrage 13:15 Uhr Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

Die Einkommensungleichheit destabilisiert die Volkswirtschaften, sind

... (automatisch gekürzt) ...

http://www.handelsblatt.com/politik/international/...age/7328592.html

Moderation
Moderator: ksu
Zeitpunkt: 06.10.14 08:32
Aktionen: Kürzung des Postings, Threadtitel trotzdem anzeigen
Kommentar: Urheberrechtsverletzung, ggf. Link-Einfügen nutzen
Original-Link: http://www.handelsblatt.com/politik/...gsfrage/7328592.html

 
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27884 Postings ausgeblendet.

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Naja, fill

 
  
    #27886
1
20.10.14 19:27
du Sprecher aller Ukrainer.

Warten wir die Wahl ab. Ich bin sicher, es wird im politischen Wettkampf Alternativen zum Oligarchensystem geben. Wenn die Leute das wählen, bitte. Falls nicht, auch gut.

Lerne endlich, die Ukrainer als selbständig über sich entscheidendes Volk und nicht als Wurmfortsatz der Russen zu respektieren. Dein Erziehung bei den jungen Pionieren damals in Prenzlau macht das schwer, aber versuchen könntest du es wenigstens.  

9029 Postings, 2327 Tage FillorkillInfo: Ukraine-Analysen

 
  
    #27887
3
20.10.14 19:33
Hier findet man reichlich und diskursiv zusammengetragene Analysen und Informationen:

Die Ukraine-Analysen bieten regelmäßig kompetente Einschätzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in der Ukraine. Sie machen das Wissen, über das die wissenschaftliche Forschung in reichem Maße verfügt, für Politik, Wirtschaft, Medien und die interessierte Öffentlichkeit verfügbar. Autoren sind internationale Fachwissenschaftler und Experten.

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) herausgegeben.

http://www.laender-analysen.de/ukraine/

In Nr 127 ist zB zu sehen, wie sich die Zusammensetzung des Euromaidans im Dez 2013 schlagartig verändert. Die revoltierenden Studenten aus Kiew sind nahezu verschwunden, das Publikum wird nun hauptsächlich aus der Westukraine gestellt...

-----------
"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

9029 Postings, 2327 Tage FillorkillWarten wir die Wahl ab

 
  
    #27888
4
20.10.14 20:41
Auch Janukowitch wurde gewählt. Was auch immer das in einem Oligarchensystem heissen mag, so waren doch bei ihm anders als heute oppositionelle Parteien wie Medien zugelassen und nicht verboten oder bedroht. Und auch zu Putins Statthalter wurde er erst nach dem Sündenfall, die EU--Assoziierung so wie vorgelegt nicht zu unterschreiben. Eine souveräne Entscheidung 'der Ukraine', die die Totalitären genauso wenig akzeptieren wollten wie Wahlen mit 'falschen' Ergebnissen. Aber sie glauben ja auch,  wer Gartenzwerge in Ostfriesland sammelt und ansonsten die Russen aus ganzem Herzen hasst, wäre damit automatisch Demokrat...
-----------
"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

38107 Postings, 3820 Tage Anti LemmingIch hab heute

 
  
    #27889
2
20.10.14 22:09
keine gescheite Meinung.  

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Hat fill auch nicht

 
  
    #27890
20.10.14 22:29

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42"Warten wir die Wahl ab"

 
  
    #27891
20.10.14 22:32
Eben. Dann ist ja alles gut für dich: Die Ukraine wählt wieder die alten Stalinisten, tritt dem Westen in den Ar..., wiedervereinigt sich mit Osten, schenkt Russland offiziell die Krim. fill, Friede, Freude, Eierkuchen

Doch genau so wird es nicht kommen. Putin hat es geschafft, binnen wenigen Monaten Jahrhunderte der Brüderlichkeit in Hass auf beiden Seiten umzuwandeln. Herzlichen Glückwunsch!

Nicht, dass ich das nicht gutheißen würde, denn je weniger Untertanen Putin hat, desto schneller ist er weg vom Fenster....  

4957 Postings, 2166 Tage daiphongWürde Fill die "Länder-Analysen" lesen,

 
  
    #27892
20.10.14 22:56
speziell die zur Ukraine, hätten wir hier weniger Ärger. Aber als Geo-Stratege, muss, ja darf er das ja nicht. Egal ob Altsowjet, Neocon, Postsowjet, die kennen ja immer nur "Vehikel" und "Vasallen" für ihren hohlen Verstand.  

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Tja

 
  
    #27893
20.10.14 23:05
nun isser schon an dem zynischen Punkt angekommen, wo der Ausgang einer Wahl für ihn keine Rolle mehr spielt, es "sind ja eh immer dieselben Oligarchen da oben".  Dann könne man ja gleich bei Putins Marionetten bleiben.

Noch einen Schritt weiter und er ist mit malko, der mal behauptete gewisse Völker seinen nicht demokratiefähig und müssten folglich ewig unter Despoten leben.

Mir gehen langsam die Vokabeln dafür aus, wie will man das nennen: Linksfaschismus, Stalinismus, Altkommunist, Postsowjet?  

4957 Postings, 2166 Tage daiphongdestruktives Denken scheitert,

 
  
    #27894
20.10.14 23:16
normalerweise schon an sich selbst.

 

4957 Postings, 2166 Tage daiphong"Die endgültige Niederlage der DDR

 
  
    #27895
20.10.14 23:18

..Die Linke, Nachfolgepartei der SED, könnte erstmals in einem Bundesland eine rot-rot-grüne Koalition anführen..Dies wäre eine Zäsur in der deutsch-deutschen Geschichte. Aber: Wer will sich darüber noch aufregen?
Längst ist auch die Linkspartei ein Teil der Bundesrepublik geworden, ihre Repräsentanten übernehmen an vielen Stellen Ämter und politische Verantwortung. Sie sind (zumindest überwiegend) in diesem Land angekommen, wie man so schön sagt.
Die Integration der Linkspartei in das demokratische System der Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte. Um es ausnahmsweise im alten DDR-Jargon zu sagen: Es zeigt sich einmal mehr die Überlegenheit des Systems - des westlichen wohlgemerkt. Statt auszugrenzen und Gegner zu verfolgen, wie es die SED in der DDR tat, ermöglicht die Bundesrepublik Teilhabe, Mitsprache, Demokratie - sogar für ihre einstigen Gegner. So gesehen wäre Ramelows Wahl zum Ministerpräsidenten die endgültige Niederlage der DDR.

Man stelle sich nur einmal kurz den umgekehrten Fall vor: Wenn vor 25 Jahren die DDR den Wettbewerb der Systeme gewonnen hätte, wäre die SPD heute sicher eine Fußnote der Geschichte. Und Sigmar Gabriel würde den Bürgersteig vor dem Haus der SED-Bezirksleitung Niedersachsen in Hannover fegen."  sponDie endgültige Niederlage der DDR
"Die Linke, Nachfolgepartei der SED, könnte erstmals in einem Bundesland eine rot-rot-grüne Koalition anführen..Dies wäre eine Zäsur in der deutsch-deutschen Geschichte. Aber: Wer will sich darüber noch aufregen?
Längst ist auch die Linkspartei ein Teil der Bundesrepublik geworden, ihre Repräsentanten übernehmen an vielen Stellen Ämter und politische Verantwortung. Sie sind (zumindest überwiegend) in diesem Land angekommen, wie man so schön sagt.
Die Integration der Linkspartei in das demokratische System der Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte. Um es ausnahmsweise im alten DDR-Jargon zu sagen: Es zeigt sich einmal mehr die Überlegenheit des Systems - des westlichen wohlgemerkt. Statt auszugrenzen und Gegner zu verfolgen, wie es die SED in der DDR tat, ermöglicht die Bundesrepublik Teilhabe, Mitsprache, Demokratie - sogar für ihre einstigen Gegner. So gesehen wäre Ramelows Wahl zum Ministerpräsidenten die endgültige Niederlage der DDR.

Man stelle sich nur einmal kurz den umgekehrten Fall vor: Wenn vor 25 Jahren die DDR den Wettbewerb der Systeme gewonnen hätte, wäre die SPD heute sicher eine Fußnote der Geschichte. Und Sigmar Gabriel würde den Bürgersteig vor dem Haus der SED-Bezirksleitung Niedersachsen in Hannover fegen."  spon

 

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Aus der Länderanalyse

 
  
    #27896
20.10.14 23:20

die fill nicht gelesen hat:

- Rechter Sektor liegt bei 1,5% (Ein Ergebnis, das die Prorussen fürchten wie der Teufel das Weihwasser, weil es das Märchen von der faschistischen Ukraine in Luft auflöst)

"Ausblick
Die maidan-Proteste zerstörten Janukowitschs mono-
pol und brachten die Anti-Janukowitsch-kräfte an die
macht.  man  kann  erwarten,  dass  diese  politischen
kräfte,  die  ihre  Wahlkampfstrategien  koordinieren
und die Bildung möglicher koalitionen nach der Wahl
diskutieren, eine starke und effektive mehrheit in der
Werchowna rada bekommen.
Janukowitschs Partei der
regionen und die neuen politischen Projekte, die ehe-
malige mitglieder und sponsoren dieser Partei betrei-
ben, sind dagegen ziemlich ungefestigt und werden Pro-
bleme haben, ihre potentielle Wählerschaft zu erreichen
und sicherzustellen, dass diese zur Abstimmung in der
lage sein werden. sie werden daher wohl nicht viele
sitze im Parlament erobern. es könnte jedoch auch ein
anderes szenario eintreten. Die Pro-maidan Parteien
sind hinsichtlich der frage, wie auf den krieg zu rea-
gieren ist, gespalten. Daher könnte Petro Poroschenkos
Block eine koalition mit serhij Tihipko und anderen
Politikern bilden, die friedliche lösungen favorisieren.
In dieser situation würden sich wohl alle anderen Pro-
maidan-Parteien in der opposition wiederfinden. es
gibt die Befürchtung, dass diesem szenario die refor-
men zum opfer fallen könnten.
Gleichzeitig haben die Proteste auch eine große
Anzahl junger Gesichter mit Wurzeln in der zivilge-
sellschaft und mit politischen Ambitionen nach oben
gebracht. einige von ihnen werden erfolgreich sein.
Dennoch werden sich die hoffnungen auf eine erneue-
rung der politischen eliten durch diese Wahlen wohl
eher nicht realisieren, das lassen die alten spielregeln
vermuten (gemischtes statt Proporzsystem; geschlos-
sene statt offene Parteilisten; intransparente finanzie-
rungssysteme politischer Parteien und der medien sowie
andere Probleme).
Auch die fähigkeit des neuen Parlaments, refor-
men voranzubringen, steht in frage. Viel wird davon
abhängen, ob die »neuen Gesichter« in der lage sein
werden, als kohärente Gruppe zusammenzuarbeiten
und gemeinsam mit der zivilgesellschaft und exter-
nen Akteuren (zum Beispiel der europäischen Union)
eine starke reformbewegung auf die Beine zu stellen.
In jedem fall wird die Arbeit des neuen Parlaments
geprägt sein von dem kampf zwischen reformorien-
tierten Akteuren und Akteuren, die sich reformen in
den Weg stellen."



Also nichts anderes als in Deutschland mit der GroKo....  

9029 Postings, 2327 Tage Fillorkilldie Totalitären sind offenbar bestens gelaunt,

 
  
    #27897
1
20.10.14 23:39
was ihre immer unleserlicheren Texte erklärt. Dass der Westen eine integrierende und tolerierende Tendenz grundsätzlich, aber nicht immer an den Tag legt, müssen sie jedoch nicht extra betonen. Denn selbst exmaoistische Gartenzwerge aus Ostfriesland dürfen hier ungestört posten, Gulag, Psychatrie und physische Liquidierung für die Demokraten ankündigen und ihr russophobes (= prowestliches) Oligarchensystem promoten...
-----------
"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Putins Erfolge in der Ukraine

 
  
    #27898
1
20.10.14 23:46
sind unübersehbar...

(Quelle Analyse s.o.)  
Angehängte Grafik:
umfrage.jpg (verkleinert auf 62%) vergrößern
umfrage.jpg

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Traumwerte für USA und NATO

 
  
    #27899
1
20.10.14 23:51
Davon können die hier in Deutschland nur träumen....

Russland schmiert von 40% auf die 10% Altkommunisten im Lande ab.  
Angehängte Grafik:
umfrage.jpg (verkleinert auf 60%) vergrößern
umfrage.jpg

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Selbst die Russen glauben Putins Lüge nicht

 
  
    #27900
20.10.14 23:56
von der nicht-aktiven Unterstützung der Separatisten. Welch Armutszeugnis für Putins Propaganda. Nur im Westen gibt es einige unbelehrbare im ariva-Forum.  
Angehängte Grafik:
umfrage.jpg (verkleinert auf 64%) vergrößern
umfrage.jpg

38107 Postings, 3820 Tage Anti LemmingNachlese: Mein Boden-Ansage vom 15.10.2014

 
  
    #27901
1
21.10.14 00:12

4957 Postings, 2166 Tage daiphongDie internationale Dimension des Ukraine-Konflikts

 
  
    #27902
21.10.14 00:16

Worum es eigentlich geht
aus "Ukraine - Analysen" Von Heiko Pleines, Bremen
Im Zusammenhang mit der aktuellen Ukraine-Krise wird viel und oft sehr emotional darüber diskutiert, inwieweit die russische Armee an den Kämpfen in der Ost-Ukraine beteiligt ist bzw. war. Dabei gerät aus meiner Sicht Sicht die dahinter stehende grundlegende Frage nach der Position Russlands in der internationalen Politik zu oft aus dem Blick.

1. Russland hält die Separatisten für legitim Rhetorisch werden die Separatisten vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als legitime Verhandlungspartner anerkannt und die Schuld an einer »humanitären Katastrophe« in der Ost-Ukraine wird den Truppen der ukrainischen Regierung angelastet, so z. B. in einer offiziellen Stellungnahme vom 29. August 2014.
Gleichzeitig unterstützen viele russische Staatsbürger als Kämpfer in der Ost-Ukraine die Separatisten und hatten dabei auch führende Positionen bei den Separatisten inne. Unterstützung für die Separatisten wurde in russischen Großstädten an Ständen offen angeworben. Ein russischer Soldat, der nach offizieller Darstellung während seines Urlaubs an der Seite der Separatisten kämpfte und dabei getötet wurde, wurde im russischen Staatsfernsehen als Held dargestellt, der »seinem Herzen« gefolgt sei. (1. Kanal, Programm Vremja, 4.9.2014..)
Während z. B. die polnische Regierung erklärt hat, dass polnischen Staatsbürgern, die in der Ukraine kämpfen (vermutlich eher auf der ukrainischen Seite), bis zu fünf Jahre Haft drohen (Stellungnahme des Außenministeriums vom 16.8.2014), lässt Russland trotz massiver Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine nicht nur zu, dass die Separatisten über die Grenze Nachschub erhalten, sondern stellt die Kämpfer auf Seiten der Separatisten als Helden dar.
Zusätzlich verlieh das russische Parlament dem Präsidenten von Anfang März bis Ende Juni 2014 das Recht, militärisch in der Ukraine zu intervenieren. Russland selber hielt also eine militärische Intervention in der Ukraine nicht grundsätzlich für falsch.
Unabhängig von der Frage der tatsächlichen militärischen Unterstützung für die Separatisten kann also festgehalten werden, dass Russland die Separatisten als legitime Kraft darstellt und eine militärische Intervention zu ihrer Unterstützung nicht grundsätzlich ablehnt.

2. Russland hat doppelte Standards
Die entscheidende Frage ist damit, ob eine Unterstüzung der Separatisten legitim ist oder nicht. Hier fällt auf, dass die russische Regierung keine einheitliche Position bezüglich der Legitimität von Separatismus hat. Bezogen auf die Ukraine ergeben sich vier Unstimmigkeiten:
1. Russland hat im Budapester Memorandum explizit die Garantie für die territoriale Integrität der Ukraine übernommen. Dieses Memorandum wurde mit der Annexion der Krim offensichtlich verletzt.
2. Auf die Unabhängigkeitsbestrebungen Tschetscheniens reagierte Russland zweimal mit dem Einsatz der Armee, das zweite Mal unter Putin mit einer »Anti-Terror-Operation«, die nicht nur dem Namen nach, sondern auch bezüglich der Betonung des Prinzips der territorialen Integrität und bezüglich der verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung an die ukrainische Reaktion auf die Separatisten im Donbas erinnert. Interessanterweise war auch in Russland der Hinweis auf ausländische Kämpfer in Tschetschenien ein zentraler Bestandteil der Delegitimierung des Gegners.
3. Ebenso hat Russland scharf gegen die westliche Unterstützung für die Unabhängigkeit des Kosovo protestiert und den Hinweis der NATO auf die »humanitäre Katastrophe« im Kosovo nicht als Grund für die Unabhängigkeit des Kosovo akzeptiert. Wenn Russland behauptet, auf der Krim und in der Ost-Ukraine das Selbstbestimmungsrecht der Völker für ethnische Minderheiten zu akzeptieren, dann müsste Russland konsequenterweise auch die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen.
4. Putin hat die ukrainische Regierung als illegitim bezeichnet, weil sie nicht durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen sei, und sie »Junta« genannt (Medien-Forum in St. Petersburg, 24. April 2014). Die Vertreter der Separatisten in der Ost-Ukraine haben sich alle selber ernannt, ohne je allgemeine Wahlen durchzuführen, ohne dass Russland ihnen deshalb die Legitimation abspricht. Zusätzlich ist darauf hinzuweisen, dass die Unabhängigkeitsreferenden auf der Krim und in der OstUkraine demokratischen Standards nicht gerecht wurden (Zu den Referenden siehe Ukraine-Analysen Nr. 132, S. 23?26).
Begründete Vorwürfe von doppelten Standards sind ? so bedauerlich das auch sein mag ? in der internationalen Politik eher die Regel als die Ausnahme. Prominente Beispiele sind die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak, die unter Führung der USA und Großbrtanniens als Rechtfertigung für die Besetzung des Lades genommen wurden, oder auch der NATO-Einsatz gegen Jugoslawien im Kontext der Kosovo-Krise, der durch die UNO nicht legitimiert war, oder die Taktik der USA im NSA-Skandal, auch bezogen auf die Bespitzelung ausländischer Politiker, alles zu leugnen, was nicht bereits bewiesen wurde.

Die dazu passende Interpretation, die von vielen Experten vertreten wird, besagt, dass Russland dieselbe Außenpolitik betreibt wie alle anderen Großmächte: pragmatisch, geopolitisch begründet und auf Einflusssphären orientiert, um die eigene Machtposition ? im Fall Russlands gegen den Westen ? zu behaupten. Die Ironie der Ukraine-Krise ist dann, wie der Economist schrieb (20.9.2014), dass die Russen die Europäische Nachbarschaftspolitik (und damit die Assoziierung u. a. der Ukraine an die EU) bei weitem ernster genommen haben, als die EU selber es je getan hat.
Weil mein Eindruck ist, dass im Westen insbesondere diejenigen, die der globalen Rolle der USA kritisch gegenüberstehen, Verständnis für die russische Position äußern, muss zumindest festgehalten werden, dass die russische Außenpolitik im moralischen Sinne nicht besser ist als die der USA, sondern dass sie (mit begrenzteren Mitteln) dieselbe Art pragmatischer (und damit gegenüber moralischen Prinzipien immuner) Großmachtpolitik verfolgt.

3. Russland begründet seine Politik nationalistisch
Tatsächlich sehe ich aber bezogen auf internationale Interventionen zwei zentrale Unterschiede zwischen Russland und den USA. Der erste ist innenpolitisch. In den USA gibt es eine kontroverse öffentliche Debatte und kritische Medienberichte sowohl im Vorfeld als auch begleitend zu Interventionen. Die Fragwürdigkeit der Behauptung, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze, wurde so im Westen selbst intensiv diskutiert und führte u. a. dazu, dass sich Deutschland und Frankreich nicht an der Invasion beteiligten. Auch über den NSA-Skandal wurde von führenden amerikanschen Medien kritisch berichtet. In Russland hingegen findet eine kontroverse Diskussion der Außenpolitik des Landes nicht wirklich statt.
Der zweite ? hier relevante ? Unterschied bezieht sich auf die Legitimation der internationalen Intervention. Die USA und die NATO haben Interventionen im Ausland immer mit einer Krise im Zielland begründet und die Intervention darauf ausgerichtet, die Machtverhältnisse im Land zu verändern. Es dürfte mittlerweile offensichtlich geworden sein, dass diese Art der Intervention ? ganz unabhängig von moralischen Fragen ? nur sehr begrenzt erfolgreich ist. Zentral für die hier vorgenommene Argumentation ist aber, dass es um die Verhinderung einer (eindeutig selbst-definierten) »Katastrophe« geht und deshalb zwar eine Intervention, aber keine Annexion angestrebt wird. Dies ist bei Russland anders.

Putin hat die Annexion der Krim explizit mit nationalistischen Argumenten gerechtfertigt. Die Rückkehr der Krim zu Russland sei die Anerkennung der »historischen Wahrheit«. (Rede bei den Siegesfeierlichkeiten in Sewastopol am 9.5.2014) Bei seiner Ansprache aus Anlass der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation erklärte Putin: »In den Herzen und Köpfen der Menschen war die Krim immer ein untrennbarer Teil Russlands. Diese feste Überzeugung basiert auf Wahrheit und Gerechtigkeit und wurde über die Zeit und unter allen Umständen und trotz der dramatischen Veränderungen, durch die unser Land während des ganzen 20. Jahrhunderts gegangen ist, von Generation zu Generation weitergegeben.« () In der populären im Fernsehen übertragenen Fragerunde des Präsidenten mit Anrufern aus dem ganzen Land erklärte Putin im April, dass die Diskriminierung der ethnischen Russen in der Ukraine Russland zum Handeln gezwungen habe und deshalb die Annexion der Krim erfolgt sei. ()
Putin hat auch erklärt, dass die Teile der Ukraine, die in Russland zunehmend als »Neu-Russland« bezeichnet werden und die in Putins Aufzählung fünf ukrainische Regionen bis hin zur ukrainischen Westgrenze umfassen, eigentlich nicht zur Ukraine, sondern zu Russland gehören. In der oben genannten Fragerunde sagt er: »Diese Gebiete wurden in den 1920er Jahren von der sowjetischen Regierung an die Ukraine gegeben. Warum? Wer weiß. Sie wurden von Potemkin und Katharina der Großen in einer Reihe bekannter Kriege gewonnen. Das Zentrum dieser Region war Novorossiisk, deshalb wurde die Region Novorossija [»Neu-Russland«] genannt. Russland hat diese Gebiete aus verschiedenen Gründen verloren, aber die Menschen sind dort geblieben« ().

4. Ausblick
Die Behauptung einer »historischen Wahrheit« in Bezug auf nationale Grenzen und mit ethnischer Zugehörigkeit begründete Interventionen in anderen Ländern kann ? wie nicht nur zwei Weltkriege gezeigt haben ? fatale Folgen haben. Verständnis für die russische Position im Sinne einer impliziten Zustimmung erscheint mir in diesem Zusammenhang mehr als schwierig.
Russland hat sich durch emotional aufgeladene Rechtfertigungen in eine Lage manövriert, die zwar die Akzeptanz einer friedlichen Lösung des Konflikts in der Ost-Ukraine erlaubt, aber keine Absage an die nationalistische Begründung für Interventionen im Ausland. Damit stellt sich Russland außerhalb der Prinzipien der derzeitigen Weltordnung (wie auch die Verurteilung der Krim-Annexion durch die UN-Vollversammlung gezeigt hat) und schafft ? sollte es erfolgreich sein ? gleichzeitig einen Präzedenzfall für Grenzstreitigkeiten in vielen Teilen der Welt.
Wer die moralische Autorität und die angemessenen Mittel hat, gegenüber Russland (und nicht nur gegenüber Russland) auf einer Einhaltung der internationalen Regeln bezüglich territorialer Integrität zu bestehen, ist eine andere Frage.

 

9029 Postings, 2327 Tage FillorkillSchön, dass ich Anregung geben konnte

 
  
    #27903
3
21.10.14 00:55
Nur als Anmerkung: Die 'Ukraine-Analyse' ist diskursiv gehalten, dh es finden sich Postionen und Gegenpositionen. Die Umfragen vom Sept 14 reflektieren den Höhepunkt der nationalistischen Emphase, die 'umstrittenen' Gebiete nahmen im Gegensatz zur Vergleichsumfrage nicht oder nur punktuell daran teil...

Müssig ist es darauf hinzuweisen, dass weder von Malko, noch von Lumpi oder mir die aktive Einmischung Russlands noch sein nachholender Imperialismus wie dessen nationale Argumentation je in Frage gestellt wurde. Wir halten diesen im Prinzip unstrittigen Gegenstand nur für irrelevant, um den geostrategischen Wahn, von dem auch Putin und so mancher Oligarch sich ernähren noch den daran andockenden totalitären Impuls der linksgrünen Bellizisten zu erklären und zu kritisieren...  
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"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

4957 Postings, 2166 Tage daiphongunserem "Russland-BILD" - Fillorkill

 
  
    #27904
21.10.14 01:42
gefällt der eingestellte Artikel aus "Ukraine-Analysen" nicht, der unsere Positionen in allen zentralen Punkten bestätigt?
Jetzt will er "darauf hinweisen, dass weder von Malko, noch von Lumpi oder mir die aktive Einmischung [??] Russlands noch sein nachholender [??] Imperialismus wie dessen nationale Argumentation [?? ] je in Frage [!! ] gestellt wurde."
"Wir halten diesen ... nur für irrelevant" [!!!!!]....    
einfach köstlich.
Denn diese Freunde wollten die eigentliche Gefahr anprangern, den "totalitären Impuls der linksgrünen Bellizisten". Das Post-Sowjet-Gesockse will also die SPD und die Grünen zum Hauptfeind erklären, die CDSU wohl sowieso, also das ganze demokratische Spektrum.
Das erklärt allerdings, wieso Fill den Ukraine-Konflikt fast wortgleich im BILD-Stil der gleichgeschalteten Putin-Medien erklärt. Genauso wie ein Spektrum, das von der post-sowjet-Linken und seinen Ex-Stasi-Freunden über Teile der AfD und CSU bis hin zur NPD reicht. Das ist ja so etwa auch etwa der mainstream dieses threads.


Heute berichtet unser "Russland-BILD" - Fillorkill dazu brandneu, und wie immer extrem reißerisch  ("Ein weiterer Dolchstoss ins Herz unserer Totalitären") von "mehreren hundert Mann im Asow-Regiment".#79
Der gleiche Basisbericht des Guardian wurde hier schon mehrfach gepostet, hatten wir alles längst. BILD dazu: "Anhänger der rechtsextremen ?Asow?-Miliz träumen vom Marsch auf Kiew, von einem blutigen Umsturz ? und von einer Diktatur"
"mehreren hundert Mann"?
Ich verstehe das alles nicht.
Fill und Malko poste doch seit Monaten Tag für Tag, das diese Diktatur seit dem "Putsch" längst existiert. Der ukrainische Nationalsozialismus, der Russland im Auftrag des Westens überfällt, vom "finalen Atomkrieg" war hier ständig die Rede, und alle Russen in Ukraine überfällt und ermordet. Gibts sie etwa gar nicht? War das bisher alles nur Lüge?
Ich verstehe auch nicht,
wenn Russland angesichts dieser Massenmorde nicht die ganze Ukraine besetzt - dann gibts die wahrscheinlich gar nicht. Dei Ukraine ist doch voll mit "ukr. Russen", nicht nur der Donbass. War also bisher alles gezielte Lüge?
Da Fillorkill eine wandelnde russische BILD-Zeitung ist, gilt er sich im Westen als "kritisch". Von Ukraine weiß er - nichts. Tatsächlich ist er einfach der antidemokratische Mainstream.  

9029 Postings, 2327 Tage Fillorkillach was

 
  
    #27905
2
21.10.14 06:10
Euer totalitäres Denken kann nur existieren, indem es sich den Systemfeind draussen und dessen Anhänger drinnen erfindet. Ihr erfindet Fillkowski und Malkowich, um euch selbst mobilisieren zu können. Das ist eigentlich schon alles...

Und nein, der Artikel gefällt mir nicht besonders, weil er den nachholenden Imperialismus Russland mit 'Eroberung' ebensowenig trifft wie er den fortgeschrittenen Imperialismus der westlichen Geostrategie zur humanitären Mission verniedlicht. Den direkt vorhergehenden Beitrag hast du sicher überlesen...

Der sich in den Privatarmeen der Oligarchen manifestierende Faschismus in der Ukraine, der damit auch erodierende Staatsstrukturen ersetzt, war in der Natopropaganda lange Tabu. Dieses fällt selbst bei Bild, weil auch dort angekommen ist, dass der Systemkrieg ausfallen wird und deshalb das protegierte Mündel auch etwas kritischer angefasst werden kann...

Von Massenmord oder Genozid in der Ukraine haben wir nie geredet. Wir verwiesen tatsächlich auf die Eskalationslogik der Geostrategie, die in den finalen Krieg einmünden könnte, wenn die Pragmatiker sich nicht durchsetzen - was sie ja offenbar getan haben.
Dass die 'Freiwilligen-Bataillone' dagegen von einer ethnisch reinen Ukraine träumen,  wird von diesen ganz offen kommuniziert. Dass die linksgrünen Bellizisten wie Du selbst den Systemkrieg als militärisch durchgesetzten Humanismus fordern und deswegen die Bundesregierung als Appeaser tadeln, betrachten wir als reaktionäres, antiwestliches Motiv, dass an den geostragegischen Move lediglich andocken will. Gott sei Dank erfolglos...
-----------
"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42Putins Ribbentrop-Plan für die Ukraine

 
  
    #27906
1
21.10.14 07:43
Das ist der diplomatische Super-Gau für Putin...

Interessant sind zwei Dinge:

- Warum dementiert Russland das nicht, sondern spricht von einem "Mißverständnis"? Nach den Erfahrungenen der Vergangenheit ist das als Schuldeingeständnis zu werten.

- Fill und malko verbreiten hier dieselbe Mär, die Ukraine sei nicht staatstauglich. Woher haben die das?
Laut US-Magazin: Putin schlug Polen Ukraine-Aufteilung vor - n-tv.de
Vor dem Zweiten Weltkrieg gehören Teile der heutigen Westukraine zu Polen, etwa die Stadt Lemberg. Das weiß auch Russlands Präsident Putin. Er soll 2008 Polens Regierung ein Angebot gemacht haben, das heute noch politischen Sprengstoff birgt.
 

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42#01

 
  
    #27907
21.10.14 07:46
AL, wurde der Boden schon gefunden oder handelt es sich um eine Zwischenerholung, die schon wieder vorbei ist?

Das Zwischentief haben wir alle gesehen, denn der Markt war stark überkauft. Das Zwischentief sahst du aber auch schon mehrmals bei über 9000 im Dax.

Die wichtige Frage steht am Anfang meines Postings, u.A.w.g.

 

8863 Postings, 1355 Tage zaphod42#03

 
  
    #27908
1
21.10.14 08:16
Nur als Anmerkung: Die 'Ukraine-Analyse' ist diskursiv gehalten, dh es finden sich Postionen und Gegenpositionen. Die Umfragen vom Sept 14 reflektieren den Höhepunkt der nationalistischen Emphase, die 'umstrittenen' Gebiete nahmen im Gegensatz zur Vergleichsumfrage nicht oder nur punktuell daran teil...

> Falsch, unter jedem Bild ist die Population genannt. Die besetzten Gebiete SIND ENTHALTEN.

Müssig ist es darauf hinzuweisen, dass weder von Malko, noch von Lumpi oder mir die aktive Einmischung Russlands noch sein nachholender Imperialismus wie dessen nationale Argumentation je in Frage gestellt wurde.

> Das wurde er jedenfalls hier niemals öffentlich. Im Genteil, Russlands Schuld wird von euch systematisch verschiegen und geleugnet.

Wir halten diesen im Prinzip unstrittigen Gegenstand nur für irrelevant, um den geostrategischen Wahn, von dem auch Putin und so mancher Oligarch sich ernähren noch den daran andockenden totalitären Impuls der linksgrünen Bellizisten zu erklären und zu kritisieren...

> Einen Wahn gibt es nicht, nur die Angst, durch Putin alles zu verlieren was wir uns in den letzten 70 Jahren an Frieden und Demokratie in Europa hart erarbeitet haben. Insofern ist Russlands Aggeression NICHT IRRELEVANT, sondern die HAUPTURSACHE für die - wenn man es so nennen will - den Gegenkampf des Westens und deren von dai und mir.

Dieser Verteidigungskampf ist mit Putin nicht erschöpft, denn Feinde der Demokratie gibt es weltweit immer wieder. Insofern gibt es des öfteren Dejavus in argumentation und Ziel der Diskussion. Auf eurer Seite sieht es genauso aus. Was euer Ziel ist kann man nur mutmaßen. Ich vermute, ihr seid durchaus um den Frieden besorgt, aber der Weg den ihr verfolgt führt geradewegs ins Armaggedon. Gug gemeint ist eben nicht immer gut gemacht.  

9029 Postings, 2327 Tage FillorkillAngst, durch Putin alles zu verlieren

 
  
    #27909
21.10.14 10:14
Beschreib doch mal, unterstellt Putin würde dies wollen, wie er Dir und dem Westen all das nehmen könnte, was in den letzten 70 Jahren aufgebaut wurde. Über welche überlegenen Mittel also verfügt Putin, um solch anspruchsvolle Ziele zu realisieren ?  
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"History that repeats itself turns to farce. Farce that repeats itself turns to history."

32957 Postings, 5472 Tage KickyUkraine Analyse zu Streitkräften und Natobeitritt

 
  
    #27910
21.10.14 10:44
wirklich sehr informativ
Ende 1991 war in der Ukraine ein signifi kanter Teil derSowjetstreitkräfte stationiert, konkret 780.000 Mann,6.500 Panzer, fast 7.000 Panzerfahrzeuge, ca. 1.500Kampfflugzeuge, ca. 350 Kriegsschiffe der Schwarz-meerflotte sowie 1.272 strategische und fast 2.500taktische Atomsprengköpfe. Beim Zerfall der UdSSR
unterstellte sich die Ukraine die gerade auf ihrem Ter-ritorium stationierten Einheiten der Sowjetarmee (mitAusnahme der Kernwaffen) und machte sie zur Grund-lage ihrer Nationalarmee. Diese ist seit damals in einem praktisch permanenten Prozess der Umstrukturierung und zahlenmäßigen Reduzierung begriffen. Das Ver-
teidigungsministerium in Kiew unterscheidet dabei vier Etappen.....

Die Streitkräfte sollen im Jahr 2011, also 20 Jahre nach der Unabhängigkeit der Ukraine, in »Vereinte sc h nel le Ei ng rei f k rä f te« ( bis zu 29.0 0 0 Ma n n), »Haupt-
Verteidigungskräfte« (bestehend aus »Aufwuchskräften«mit 20.000 und»Stabilisierungskräften«   mit 45.000Mann) sowie Truppenreserven (20.000 bis 30.000)gegliedert sein........Nach den Taschkenter Vereinbarungen vom Mai
1992, die die Quoten der früheren UdSSR im Rah-men des Vertrages über konventionelle Streitkräfte in Europa (VKSE) auf die betroffenen früheren Sowjetre-
publiken aufteilten, dürfte die Ukraine 450.000 Mann,4.080 Panzer, 5.050 Panzerfahrzeuge, 4.040 Artillerie-geschütze, 1.090 Kampfflugzeuge und 330 Kampfhub-
schrauber unterhalten. Sie liegt aber in allen Kategorienerheblich darunter,

...Das Ziel der Vollmitgliedschaften in EU und NATO war bereits im Gesetz »Über die Grundlagen der natio-nalen Sicherheit der Ukraine« vorgesehen gewesen (Arti-kel 8). Es stammt aus dem Jahr 2003, als Viktor Janu-kowitsch erstmals Premierminister war. Die ursprüng-liche Fassung der Militärdoktrin von 2004 hatte das Ziel eines NATO-Beitritts enthalten. Kutschma ent-fernte es dann, doch Juschtschenko fügte es wieder indas Dokument ein. Das »Staatliche Programm zur Ent-wicklung der Streitkräfte der Ukraine in den Jahren2006?2011« entstand bereits unter Berücksichtigungvon NATO-Expertise. Die in außen- und sicherheits-politischen Fragen wenig versierte Ministerpräsidentin
Timoschenko hatte klare Aussagen zur NATO lange vermieden bzw. sich widersprüchlich geäußert, stellte sich aber schließlich hinter das Ziel einer Mitgliedschaft
? so auch im derzeit gültigen Koalitionsabkommen von2008: Der Abschnitt »Die Ukraine und die Welt« nenntexplizit das Ziel eines NATO-Beitritts ? »bei Erhalt gleichberechtigter und gutnachbarlicher Beziehungen mit der Russländischen Föderation und anderen Nach-barländern«.

Das Abkommen macht den NATO-Beitritt aber vom Ergebnis einer Volksabstimmung abhängig, und eine solche würden zweifellos die NATO-Gegner für sich entscheiden: Sämtliche Meinungsumfragen zei- gen eine große Mehrheit gegen die NATO,...
Insbesondere im Osten des Landes starke oppositio-nelle Kräfte ? und konkret die Partei der Regionen Janukowitschs sowie die Kommunisten ? wenden sich
entschieden gegen einen NATO-Beitritt.Dazu kommt der »russische Faktor«: Hochrangige
Moskauer Offizielle haben zwecks Untermauerung ihrer Warnungen vor der NATO immer wieder mas-sive Drohungen an die Adresse der Ukraine gerichtet.....

http://www.laender-analysen.de/ukraine/pdf/UkraineAnalysen39.pdf

Über den Autor:
Martin Malek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfl iktmanagement an der Landesverteidigungsakademie in Wien. Seine Arbeitsgebiete sind Krisen und Konflikte in der GUS, Außen- und Sicherheitspolitik der GUS-Mitglieder sowie failed-states-Theorien  

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