Parexel: Medikamententest verlief fast tödlich
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1. In den ersten klinischen Studien (Phase 1a-1b) nimmt man immer eine kleine Gruppe symptomfreier Probanden, um Verträglichkeit und Verhalten des Wirkstoffs im Körper zu testen. Es sind sog. Toleranz-Studien. Erst später werden an Patienten die wirksame therapeutische Dosis ausgependelt.
2. Dass die Probanden gleichzitig behandelt wurden ist so ungewöhnlich nicht. Um subjektive Arznei-Wirkungen auszuschliessen, werden die Studien oft "doppel-blind" durchgeführt. D.h. die betreuenden Ärzte wissen vorher ebensowenig wie die Probanden, wer Verum (Wirkstoff) und wer eine Placebobehandlung bekommt. Es werden alle Parameter dokumentiert und hinterher wird vom Studienleiter offengelegt, wo "was drin war" und wo nicht. So lassen sich objektive Ergebnisse gewinnen. In dem Zusammenhang müssen die Probanden gleichzeitig behandelt werden.
3. Keiner muss an solchen Studien teilnehmen, ob es das Geld wert sei sowieso mal dahingestellt. Allerdings profitieren wir letztlich alle davon, wenn neue Medikamente zugelassen werden. Das geht aber nicht ohne (gesunde) Freiwillige. Und in 99% sind die Studien ja auch safe. Leider melden sich oftmals sehr kranke Menschen freiwillig zu Studien, da sie sonst keinen Asuweg mehr sehen.
Die Studien einer Phase3 gehen oft über Jahre und mit verscheidenen beteiligten Kliniken über mehrere 100 Patienten. Die werden nicht gleichzeitig behandelt.
Für die P1 in England war es wohl billiger das gleichzeitig zu machen. Alle 8 zusammenholen, einmal im Kreis rum und verabreichen und dann gleichzeitig beobachten, klar ist das billiger, als 8 mal ein Team zusammentrommeln. Das das so aus den Ruder lief, damit wurde eben nicht gerechnet.
3.
Oftmals, gerade bei Krebs gibt es keine zugelassenen Therapien mehr, die Wirkung zeigen. Das nennt man austherapiert. Für diese Menschen ist es oft eine Hoffnung an Studien teilnehmen zu dürfen. Sei es eine neue Chemo, oder z.B. auch eine Antikörpertherapie. Das bringt dann beiden Seiten was, wenn es ein gutes neues Mittel ist. Der einen Seite verwertbare Daten, dem Patienten ein paar Monate oder gar Jahre Lebensverlängerung.
Wie würdest du denn gerne Idealerweise an neue, bessere Medikamente kommen?
Grüße
ecki
Das hast Du richtig erkannt mit den Krebspatienten, das ist aber eine verhältnismäßig kleine Gruppe. Entstadium-Patienten, so makaber es klingt, werden ungern genommen, da der Therapierfolg begrenzt ist. Zudem ist deren Hoffnung dadurch limitiert, dass sie nicht wissen, ob sie bei einer ordentlichen klinischen Studie nicht in einer Placebo-Gruppe landen.
Um Ereignisse wie jetzt geschehen zu vermeiden, müssen einfach bessere prä-klinische Modelle her. Wenn man in den Toxikologie-Studien vorher was gesehen hätte, hätte Parexel bestimmt nicht zugestimmt die Studie zu machen. Manchmal sind Wirkstoffe halt nur im Menschen giftig. Leider sind Tierversuche die bislang "besten" Modelle. Vielleicht findet man aber in Zukunft andere Alternativen, vielleicht sogar am Computer.
Und ganz unbedarft bin ich nicht. Habe immerhin Akien von Morphosys, GPC, Cytori.
Bin häufig sehr Bio- bzw. MOR-lastig im Depot.
TeGenero hat Maus-antikörper humanisiert, also versucht einen Maus-AK menschenverträglich zu machen. das hat anscheinend nicht geklappt. Deshalb gefällt mir MOR auch so, die arbeiten nur mit 100% humanen AKs. Keine Garantie für verträglichkeit, aber doch eine bessere Chance.
Grüße
ecki
Nochmal, es ging um die PRÄ-klinischen Modelle am Rechner, um z.B. Tierversuche zu ersetzen. Versteht sich glaube ich von selbst, dass Human-Pharmaka irgendwann einem Menschen gegeben werden müssen. ;-)
Wünsche Dir Glück mit Deinen Aktien. Auch wenn sich Deine Begründungen doch ein bisschen so anhören wie die berühmte Sache mit dem Blinden und der Farbe. Aber das macht die Firmen keineswegs schlecht.
Schönes WE,
hörnchen
Was aber definitv falsch ist: Gleichzeitigkeit der Verabreichung an Probanten erhöht nicht die Qualität sondern nur das Risiko. Wird ja jetzt auch möglicherweise verboten für Erstverabreichung. Die P3 Studien sind die qualitativ hochwertigsten, das wirst du auch so sehen, eben ohne Gleichzeitigkeit.
Ob voll humane AKs besser/sicherer sind als "nur" humanisierte Maus-AKs kann ich dir nicht biochemisch begründen, ich kann dir nur sagen das Morphosys und die anderen 3 oder 4 Hersteller voll humaner AKs so argumentieren.
Und im Falle von Morphosys haben sich 10 der 20 größten Pharmas weltweit mittlerweile überzeugen lassen, sich die AK-pipeline von MOR füllen zu lassen. Möglicherweise sind die Entscheider in deren Entwicklungsabteilungen ja alle verblödet, für mich lasse ich das aber als Zeichen gelten, das an der MOR-Argumentation was dran sein könnte.
Trotzdem bitte ich dich jetzt mir Blindem zu erklären, wo ich so blind argumentiere. So das ein fachfremder Akademiker wie ich es möglicherweise verstehen kann.
Übrigens:
Auszug Handelsblatt von heute:
Forschungschef Thomas Hanke von Tegenero entschuldigte sich bei den Angehörigen. Er sei „schockiert“ über den Verlauf des Tests. Im Laborversuch habe es keine Probleme gegeben. Das Medikament TGN 1412 sei an Hasen und Affen getestet worden. Dabei habe es keine Vorfälle gegeben, die auf das Medikament zurückzuführen seien, sagte Hanke am Donnerstagabend vor dem Krankenhaus im Nordwesten Londons.
Ein Gerücht eben, hoffentlich falsch....
Grüße
ecki

Studien-Opfer wussten nichts von den Risiken
Das US-Unternehmen Parexel hat die Testpersonen vor der tragisch fehlgeschlagenen Arzneimittelstudie in London nicht ausreichend über die Risiken des Versuchs aufgeklärt. Das sagen Ethikexperten, denen vertraulichen Dokumente der Studie zur Verfügung gestellt wurden.
Geld als Druckmittel
ZUM THEMA Auch Fehlschläge sind Ergebnisse (http://www.ftd.de/forschung/60798.html) Medikamententest im Eilverfahren (http://www.ftd.de/forschung/59125.html) Im Kampf gegen den Blindgänger (http://www.ftd.de/forschung/59060.html) Arzneitests enden im Fiasko (http://www.ftd.de/forschung/57144.html)
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Pharma-Test-Fiasko: Mögliche Ursache gefunden
Nur um Lizenzgebühren an Anbieter mit der Beherrschung voll humaner AKs zu sparen?
Mal sehen. Bis jetzt hat Morphosys mit gelitten, vll profitieren sie am Ende noch.
Grüße
ecki
Gruß
hkpb
Das ging gründlich schief, soll aber möglicherweise daran gelegen haben, das sie keinen voll humanen Antikörper genommen haben, sondern einen aus Maus- und Menschen-AKs zusammengebastelten. Das geht sehr oft gut, früher konnten sie gar nicht anders. Aber MOR und noch 3 oder 4 andere arbeiten ausschliesslich mit voll humanen AKs. Das dürfte im Menschen wesentlich weniger Risiko bedeuten.
Es könnte sein, das dieser Aspekt an Aufmerksamkeit gewinnt. Mindestens be iden Pharmas, aber die sind ja schon zum großen Teil Morphosys-Kunde, sondern auch bei den Anlegern.
Grüße
ecki
Kann einfach nicht funktioniernen. Die Arbeit wird an der Basis geleistet.Bis das die abgeblichen Macher verstanden haben, wird es wohl noch dauern. Bei dem einen eben eher, bei dem anderen etwas später. Mor ist noch überschaubar, darum von der Struktur und Management auch akzeptabel.
Solange das so ist kann nichts schiefgehen.Nur dazu gehört auch sich der Lage entsprechende gut verkaufen zu können.
Ps. Kurs 100 06, 200 07,400 08 ist völlig o.K. (22,02,06 ecki(87).
Gruß
hkpb



Fest steht, dass in London eine Substanz an Menschen getestet wurde, die sich von den typischen Arzneimitteln grundlegend unterscheidet. Wirkstoffe in Kopfschmerztabletten oder Blutdrucksenkern etwa sind relativ einfache chemische Moleküle. Bei TGN 1412 handelt es sich dagegen um Antikörper - also komplizierte biologische Moleküle.
Ausgeklügelter Mechanismus
Antikörper spielen eine wichtige Rolle im körpereigenen Abwehrsystem des Menschen und anderer Wirbeltiere. Dringen Bakterien, Viren oder andere Fremdstoffe in den Organismus ein, stellen weiße Blutzellen maßgeschneiderte Antikörper her. Diese erkennen bestimmte Proteine an der Oberfläche des Fremdstoffes und heften sich an sie an. Je nach Art des Antikörpers ist der Eindringling dadurch direkt lahm gelegt, oder die angehefteten Antikörper wirken wie ein Signal, das etwa Fresszellen anlockt. Diese vernichten den Fremdstoff schließlich.
Der ausgeklügelte Mechanismus macht Antikörper als Medikamente interessant, die gezielt bestimmte Oberflächenproteine angreifen. Natürlich gebildete Antikörper sind dafür allerdings häufig nicht treffsicher genug.
Trotzdem sind Experten jetzt von der heftigen Reaktion der Probanden in London überrascht. "Mir ist in zwanzig Jahren Tätigkeit in der klinischen Medikamentenprüfung noch kein vergleichbarer Fall begegnet", sagt etwa der Pharmakologe Bernd Mühlbauer vom Kompetenzzentrum für Klinische Studien in Bremen.
Der in London verabreichte, ursprünglich aus Ratten isolierte monoklonale Antikörper TGN 1412 - die Herstellerfirma gab ihm den Namen Supermab - aktiviert die so genannten T-Zellen. Diese dienen im Rahmen einer gesunden Immunabwehr dazu, an der Oberfläche von Körperzellen fremde Proteine aufzuspüren, die auf eingedrungene Viren oder auf krebsartige Veränderungen hindeuten. Die T-Zellen heften sich mit dem T-Zell-Rezeptor daran. Damit ist gewissermaßen die erste Alarmstufe ausgelöst. Um jedoch einen Fehlalarm - und somit eventuell eine zu heftige Immunreaktion - auszuschließen, besitzen T-Zellen eine raffinierte Sicherung, die an den doppelten Tresorschlüssel bei Banken erinnert:
TGN 1412 umgeht die Sicherung. Bindet es sich an CD28, löst dies allein schon die Vermehrung der T-Zellen aus. Den Mechanismus hatte der Immunbiologe Thomas Hünig von der Universität Würzburg vor rund zehn Jahren bei Ratten entdeckt. Auf Hünigs Initiative gründete sich im Jahr 2000 das Biotech-Unternehmen TeGenero
Als potenzielles Krebsmittel wäre TGN 1412, nachdem es an Nagetieren und Affen die erwünschte Wirkung bewiesen hatte, gleich an Patienten mit Blutkrebs getestet worden statt an gesunden Versuchspersonen, wie es jetzt in London geschah. Denn für klinische Prüfungen von Medikamenten gegen Krebs und andere lebensbedrohliche Erkrankungen gelten besondere Regeln, da diese meist starke Nebenwirkungen haben.
TeGenero entschied sich, sein Produkt zuerst für diese Anwendung in das Zulassungsverfahren zu schicken. Damit war klar, dass die Firma Parexel, die mit der Durchführung des klinischen Prüfungsverfahrens beauftragt war, es zunächst gesunden Freiwilligen verabreichen würde.
In der ersten Phase der klinischen Erprobung geht es vor allem darum, herauszufinden, ob die Prüfsubstanz für den Menschen doch möglicherweise unverträglich ist, und wenn ja, in welcher Dosierung. Deshalb gibt man zunächst sehr geringe Mengen. Die jungen Männer in London hatten nur ein 160stel der Dosierung von TGN 1412 erhalten, die bei Affen ohne Nebenwirkungen geblieben war. Höhere Dosierungen hatten bei den Primaten zu einer leichten Schwellung der Lymphknoten geführt.
"Es wird jetzt auch zu prüfen sein, warum das Mittel bei Affen nicht die gleichen katastrophalen Wirkungen hatte", sagt Johannes Löwer, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. Die Behörde ist für biologische Arzneimittel zuständig und hatte im Februar das Protokoll für die klinische Prüfung von TGN 1412 in Deutschland genehmigt.
Zuvor habe man, berichtet Löwer, vom Hersteller einige zusätzliche Abklärungen gefordert. Sein Institut habe etwa wissen wollen, ob CD28 sich bei Affen und Menschen vergleichbar verhalte. Die nachgereichten Daten hätten jedoch den Schluss zugelassen, dass die Primaten ein geeignetes Modell seien.
Die Vorschriften ändern?
Experten streiten jetzt darüber, ob die Versuchspersonen bei solchen Phase-I-Prüfungen die Testsubstanz nur noch einzeln und zeitversetzt erhalten sollen. Die Frage ist auch, ob derartige Tests überhaupt noch doppelblind erfolgen dürfen - also so, dass weder Arzt noch Versuchsperson wissen, ob der Proband das echte Mittel oder ein Scheinpräparat einnimmt.
Bernd Mühlbauer ist nicht der Ansicht, dass die Vorschriften für klinische Prüfungen geändert werden müssen. "Was aber fehlt, ist ein offener Umgang mit Informationen." So sehen das auch die Redakteure der Fachzeitschrift Lancet. "Der schreckliche Zwischenfall", heißt es in einem Kommentar, "verlangt nach Offenlegung der Daten, um das Vertrauen in klinische Prüfungen und ihre gesetzliche Regelung nicht zu erschüttern."
Nature Biotechnology, Bd. 23, S. 1025
Lancet, Bd. 367, S. 960






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Parexel: Medikamententest verlief fast tödlich

mal eine kleine Info von einem bescheidenen

Pharma- Test- Fiasko: Mögliche Ursache gefunden




