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Der USA Bären-Thread

Seite 1 von 4560
neuester Beitrag: 21.11.14 16:45
eröffnet am: 20.02.07 18:45 von: Anti Lemmin. Anzahl Beiträge: 113999
neuester Beitrag: 21.11.14 16:45 von: Anti Lemmin. Leser gesamt: 8743114
davon Heute: 3314
bewertet mit 417 Sternen

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38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingDer USA Bären-Thread

 
  
    #1
417
20.02.07 18:45
Dies ist ein Thread für mittelfristig orientierte Bären (keine Daytrader), die im Laufe dieses Jahres mit einem stärkeren Rückgang der US-Indizes rechnen - u. a. auf Grund folgender Fundamental-Faktoren:





1.  Zunehmende Probleme im US-Housing-Markt wegen Überkapazitäten, fallender Preise,
    rückläufiger Verkaufszahlen und fauler Hypotheken, vor allem im Subprime-Sektor

2.  Auf Grund dessen mögliche Banken-, Junkbond- und/oder Hedgefonds-Krise
    (HSBC warnte bereits)

3.  Überschuldung der USA im Inland (negative Sparquote, Haushaltsdefizit)
    und im Ausland (Handelsdefizit)

4.  Möglicher weiterer Wertverlust des Dollars zum Euro (zurzeit bereits über 1,30)

5.  Anziehende Inflation wegen Überschuldung und unkontrollierten Geldmengenwachstums

6.  Weitere Zinserhöhungen der Fed zur Inflationsbekämpfung

7.  Rückgang des US-Konsumentenvertrauens und weniger Konsum wegen der
    Liquiditätsrückgänge und drückender Housing-Schulden

8.  Rückabwicklung von Yen-Carry-Trades, weil Japan die Zinsen erhöht
    -> Ende der "globalen Hyperliquidität"

9.  Probleme im Irak, wachsende Kriegsgefahr in Iran/Nahost, Ölpreis-Anstieg

10. Terrorgefahr

11. Überbewertung der US-Aktien (das DOW-JONES KGV für 2006 liegt bei 24,25,
    das des SP-500 bei 19)

12. Aktien-Hausse der letzten vier Jahre verlief ohne nennenswerte Korrekturen
    (untypisch)





Dieser Thread soll meinen inzwischen leider teilweise gelöschten Doomsday-Bären-Thread ersetzen. Außerdem möchte ich in diesem Eingangsposting deutlich machen, dass der Fokus auf USA liegt (der DAX spielt nur am Rande eine Rolle, da die wirtschaftliche Lage hier zu Lande besser ist).

Ich wünsch mir in diesem Thread eine faire, offene und vor allem sachliche Diskussion, möglichst wenig persönliche Querelen, Beleidigungen und sinnlose Hahnenkämpfe. Wer notorisch stört und Unfrieden stiftet oder rassistische Sprüche ablässt, kommt auf die Ignore-Liste (was weitere Postings hier verhindert).
 
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113973 Postings ausgeblendet.

8474 Postings, 2675 Tage wawidu# 962

 
  
    #113975
4
17.11.14 21:14
Um die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Inflation, Stagflation und Desinflationierung verstehen zu können, bedarf es eines Blickes in die Geschichte der letzten 50 Jahre. Der angehängte Chart kann hier als Wegweiser dienen.

Vorab jedoch ein Artikel, der die Lage in den 1970ern sehr klar herausarbeitet:

http://economics.about.com/od/useconomichistory/a/stagflation.htm  
Angehängte Grafik:
5yrt-note_yield.png (verkleinert auf 67%) vergrößern
5yrt-note_yield.png

7585 Postings, 2954 Tage StöffenDas ganze Gejammer hilft nix

 
  
    #113976
6
17.11.14 21:40

wenn man halt nicht weiß, wer da was von welchen Zitzen saugt.

Anbei nachstehend die Liste der auserwählten Clubs, sprich Primary Dealers, welche sich am Tresen der Fed für fast Lulu bedienen dürfen, den Begriff der organisierten Kriminalität gilt es im Sinne der politischen Korrektheit an dieser Stelle wohlweislich zu vermeiden. Folgende Überlegung dazu jedoch an dieser Stelle:

Das bislang fortbestehende Ultratief-Zinsumfeld erlaubt eben die Preistreiberei von Titeln, solange dabei deren anfallende Erträge höher bleiben als der bei der Zentralbank zu entrichtende Zins. Verlangt die Zentralbank beispielsweise einen Zins von vier Prozent, so wird man Titel, welche nur mit drei Prozent rentieren, selbstverständlich nicht kaufen. Verlangt die Zentralbank aber nur 0,1 Prozent, so könnte sich das 3%-Papier im Preis sogar ruhig verdoppeln. Das halbiert zwar seinen Ertrag auf 1,5 Prozent ab, liegt damit jedoch immer noch komfortable fünfzehnmal höher als der geforderte Zentralbankzins.

Any comments dazu außer "Giv'em enough rope"???

Bank of Nova Scotia, New York Agency
BMO Capital Markets Corp.
BNP Paribas Securities Corp.
Barclays Capital Inc.
Cantor Fitzgerald & Co.
Citigroup Global Markets Inc.
Credit Suisse Securities (USA) LLC
Daiwa Capital Markets America Inc.
Deutsche Bank Securities Inc.
Goldman, Sachs & Co.
HSBC Securities (USA) Inc.
Jefferies LLC
J.P. Morgan Securities LLC
Merrill Lynch, Pierce, Fenner & Smith Incorporated
Mizuho Securities USA Inc.
Morgan Stanley & Co. LLC
Nomura Securities International, Inc.
RBC Capital Markets, LLC
RBS Securities Inc.
SG Americas Securities, LLC
TD Securities (USA) LLC
UBS Securities LLC.
-----------
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!

38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingMünchau lügt Draghi-Aufkäufe schön

 
  
    #113977
4
18.11.14 09:26
www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/...gang-muenchau-a-1003327.html

Europäische Zentralbank: Warum Anleihekäufe nicht zu Inflation führen

Eine Kolumne von Wolfgang Münchau

Heizt die Geldpolitik von EZB-Chef Draghi die Inflation an? Diese Angst treibt viele Deutsche um. Doch ihre Sorge beruht auf einem Missverständnis, das teilweise bewusst geschürt wird.

Man liest immer wieder, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Kauf von Anleihen ihre Geldmenge ausweite. Das ist absolut falsch. Die Debatte basiert zu einem großen Teil auf Missverständnissen und zum Teil auf bewusster Irreführung. Ich möchte heute versuchen, die Geschichte etwas aufzudröseln.....


Ariva-Member Dreiklang hat Münchaus Thesen im Ökonomenthread bereits mit überzeugenden Argumenten als unzutreffend entlarvt:
www.ariva.de/forum/...-Verteilungsfrage-472111?page=1164#jumppos29106

Ich selber hab dort zusätzlich noch auf die Wesens- und Interessenverwandschaft von Gelddrucken und Nato-Geostrategie hingewiesen. Beides sind auf Umverteilung von unten nach oben zielende "Bestrebungen", die transatlantische Thinktanks mit viel Geld fördern (hält auch Münchau dort die Hand auf?):
www.ariva.de/forum/...-Verteilungsfrage-472111?page=1164#jumppos29108



 

7585 Postings, 2954 Tage StöffenDas sind fürwahr traurige Fakten

 
  
    #113978
3
18.11.14 09:36

welche da aktuell ebenfalls bei SPON zu lesen sind.

Und es sind eben auch diese Kinder, unter denen die künftigen Steuerzahler für die mittlerweile immense US-Schuldenbedienung heranwachsen. Es wird in diesem Zusammenhang auch kaum verwundern, dass in den USA gemäß der OECD-Pisa-Studie 2012 der Anteil leistungsschwacher Schüler über dem OECD-Durchschnitt liegt.

US-Studie warnt vor einem "dauerhaften Dritte-Welt-Amerika"

Die Zahlen sind bestürzend: In den USA leben einer Studie zufolge etwa 2,5 Millionen Kinder auf der Straße - so viele wie nie zuvor.

Washington - In den USA sind fast 2,5 Millionen Kinder obdachlos. Die Zahl der Minderjährigen ohne eigene Wohnung ist damit so hoch wie nie zuvor, wie aus einem Bericht des National Center on Family Homelessness hervorgeht. Gründe dafür sind demnach die hohe Armutsquote, zu wenig bezahlbarer Wohnraum und die Folgen der Weltwirtschaftskrise. Weitere Faktoren seien die Herkunft der Kinder sowie alleinerziehender Mütter oder Väter.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/...se-kinder-a-1003489.html
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38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingDass Wohnraum in USA kaum noch bezahlbar ist

 
  
    #113979
5
18.11.14 10:24
und dementsprechend 2,5 Millionen Kinder obdachlos sind (# 978), liegt schlicht und ergreifend daran, dass Hedgefonds (aka Wall Street) mit Billiggeld von der Fed in großen Mengen zwangsversteigerte Häuser von den Banken aufgekauft haben, um sie überteuert zu vermieten. Diese hohen Mieten - indirekt ebenfalls "aufgeblasen" von Notenbank-Geld (im Zuge der gewünschten Assetpreisinflationierung) - sind für Niedriglohn-Arbeiter, deren Zahl in USA ständig wächst, schlicht nicht mehr zu stemmen.

Dies ist übrigens ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Gelddrucken der Gesamtbevölkerung SCHADET - meine These seit Jahren. Hört man sich dagegen die Fed- und EZB-Propaganda an, wird Gelddrucken stets als Segen dargestellt, der angebliche "neue Arbeitsplätze schafft", "Wachstum durch neue Kreditvergabe bringt" usw. - alles Zwecklügen, die sich niemals bewahrheiten werden und in Japan nachweislich zu nichts geführt haben außer zu ruinöser Staatsverschuldung.  

38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingMarkt-Top noch nicht erreicht

 
  
    #113980
1
18.11.14 10:43
In der Titelstory von Marketwatch "warnt" ein Kommentator, dass der SP-500 vor einer Wende nach unten stehe. Das ist dort nicht nur ein klassischer Kontraindikator. Vier Wochen vor Ausschüttung der Goldman-Boni ist das zudem hochgradig unwahrscheinlich.

www.marketwatch.com/story/decision-making-time-for-the-sp-2014-11-17  

38377 Postings, 3851 Tage Anti Lemming"Gelddrucken hat noch nie funktioniert"

 
  
    #113981
5
18.11.14 14:41
FUW-Interview mit Fred Hickey.

www.fuw.ch/article/gelddrucken-hat-noch-nie-funktioniert/


FUW - Herr Hickey, nach dem kurzen Rückschlag vom Oktober geht die Rekordjagd am US-Aktienmarkt bereits weiter. Wie stufen Sie diese Situation ein?

Hickey -  Wir leben in einer Welt geistiger Umnachtung. Rund um den Globus lassen die Zentralbanken die Geldpresse auf Hochtouren laufen. Wie die Geschichte zeigt, hat Gelddrucken aber noch nie funktioniert. Schon als das Römische Reich unterging, wurden die Silbermünzen gestreckt, um mehr Geld zu schaffen. Ebenso liess Reichsbankpräsident Rudolf Havenstein während der Hyperinflation in der Weimarer Republik die Druckmaschinen Tag und Nacht laufen. Nun begehen wir den gleichen Fehler erneut.

- Die Märkte aber lieben das billige Geld.

- Ich halte mich an die Österreichische Schule. In meinem Büro hängt ein Zitat des Ökonomen Ludwig von Mises, gemäss dem jede Kreditausdehnung letztlich in allgemeiner Verarmung endet. Von Mises hat auch gesagt, dass ein Boom nur so lange anhält, wie das Kreditvolumen in immer höherem Tempo wächst. Genau in diesem Teufelskreis stecken die Zentralbanken: Sobald die US-Notenbank das Stimulusprogramm QE1 beendete, geriet die Konjunktur ins Taumeln, und die Börse brach 13% ein. Als QE2 auslief, gaben die Kurse 16% nach. Dieses Mal brach bereits Panik aus, bevor das Fed QE3 stoppte. Erst als James Bullard, Präsident der Fed-Distriktnotenbank von St. Louis, davon sprach, das Programm allenfalls zu verlängern, beruhigte sich die Lage.

- Fed-Chefin Janet Yellen hat nun trotzdem den Stecker gezogen und QE3 beendet.
Deshalb rechne ich damit, dass der Markt bald erneut einbrechen wird. Weil sich Aktien im November und Dezember saisonal meist gut entwickeln, könnte es zwar zu einem Schlussspurt kommen, in dem die Kurse vorerst auf ein noch extremeres Niveau steigen. Ohne ein neues QE-Programm wird die Börse aber spätestens Anfang 2015 tauchen. Wie lange das globale Experiment der Zentralbanken noch weitergehen kann, weiss ich nicht. Es fühlt sich aber mehr und mehr so an, als ob wir uns dem Tag nähern, an dem alles ausser Kontrolle gerät und im Chaos endet.

- Wo sehen Sie denn die grösste Gefahr für eine Korrektur, wenn ein weiteres Stimulusprogramm ausbleibt?

- Ich war bereits während des Internetbooms zur Jahrtausendwende skeptisch und zählte zu den wenigen IT-Investoren, die «es» nicht begriffen, weil wir ja angeblich in einer ganz neuen Ära waren. Damals waren Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis zwar viel teurer. Der Markt ist aber auch heute zu annähernd 25% überbewertet. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen den Gewinn pro Aktie durch Rückkäufe künstlich aufblähen und für solche Tricks ein Rekordvolumen an Schulden anhäufen. Die Einnahmen hingegen halten nicht mit. So ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis heute höher als in den Jahren 2000 und 2007. Anders als während der IT-Blase finden die Übertreibungen zudem auf viel breiterer Front statt.

- Wie sollen sich Investoren demnach am besten verhalten?

- Die Notenbanken haben einen riesigen See voll Liquidität geschaffen. Die Herde schwimmt schon lange darin und hält das für wunderschön. Man hört immer wieder einladende Worte wie: «Spring rein! Das Wasser ist warm.» Ich hingegen sehe eine Jauchegrube, und wer nicht rechtzeitig rausgeht, wird untergehen und sterben.

FUW - Solche Kritik wird nicht immer geschätzt. Das Anlegermagazin «Barron?s» zum Beispiel hat Sie vor kurzem aus seiner halbjährlichen Expertenrunde ausgeladen. Wie kommen Sie persönlich als Contrarian in diesem Bullenmarkt zurecht?

Hickey - Man muss eigenständig denken und sich von all dem Irrsinn der Welt distanzieren. Mein Rat ist, den Hype von Börsensendern wie CNBC auszublenden. Auch muss man sich dem Druck der Herde widersetzen, denn sie wettet ohnehin immer auf steigende Kurse. Dieselben «Experten», die 2000 und 2007 kurz vor dem Crash zu Engagements in Aktien rieten, spornen heute erneut zum Kauf an. Umso wichtiger ist, sich emotional nicht hinreissen zu lassen und geduldig zu bleiben. Das ist jedoch nicht einfach, denn all die anderen schwimmen in der Liquidität und haben eine grossartige Zeit.

- Besonders gut haben sich Aktien aus dem Technologiesektor entwickelt. Wie sehen hier die Perspektiven aus?

- Die Weltwirtschaft schwächt sich ab. Das spürt die IT-Branche, denn sie ist heute so gross, dass auch sie der globalen Konjunktur ausgeliefert ist. Das Fed und Investmentbanken wie Goldman Sachs kündigen zwar jedes Jahr an, dass die Unternehmen nun investieren werden. Bisher ist das aber nie passiert, und grosse IT-Konzerne wie Hewlett-Packard, IBM, Oracle oder Cisco liefern einen enttäuschenden Quartalsbericht nach dem anderen. Dennoch halten sich ihre Aktien bisher gut ? mit Ausnahme von IBM, wo es inzwischen richtig schlimm aussieht.

- Wo gibt es die grössten Probleme?

- Der PC-Markt ist seit Jahren rückläufig... Hinzu kommt, dass sich der negative Effekt des festen Dollars mit voller Wucht niederschlägt und die nächsten Quartalszahlen an den relativ guten Vorjahreswerten gemessen werden.....

- Was heisst das für Ihre Anlagestrategie?

- Die Abkühlung im PC-Markt spüren vor allem Halbleiterhersteller wie Microchip Technology, Freescale Semiconductor, Intersil oder Altera. In Probleme geraten wird ebenso Branchenführer Intel, der wie immer überoptimistisch ist und sogar Lager aufgebaut hat. Dennoch bewegen sich Chipaktien nahe einem Rekordhoch. Im Prinzip müsste man also auf sinkende Kurse setzen. Wegen der saisonal vorteilhaften Börsenlage könnten die Titel aber vorerst noch weiter steigen, weshalb ich mich zurückhalte. Wenn im Januar jedoch die schwachen Quartalszahlen kommen, werde ich mir IT-Aktien vorknöpfen und «guerillamässig» kurz vor der Publikation einzelner Resultate auf Put-Optionen setzen....  

38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingPaul Volcker übt massive Kritik an der Fed

 
  
    #113982
5
18.11.14 15:50
Der 87-jährige ex-Fed-Präsident Paul Volcker ist einer der wenigen, die sich aufgrund ihrer Verdienste Kritik an der (heutigen) Fed leisten können.

(Schon bezeichnend, dass Fed- und EZB-kritische Artikel fast ausschließlich in der Schweiz erscheinen...)

www.nzz.ch/wirtschaft/zweifel-an-der-allmacht-des-fed-1.18427203

...Mit präzisen Inflationszielen, detaillierten Langfristprognosen und Zusicherungen, die Zinsen über längere Zeit sehr tief zu halten, verspreche [die] Fed viel mehr, als eine Zentralbank je einhalten könne, sagte Volcker. Die Veröffentlichung von Langfristprognosen für Wachstum, Zinsen, und Beschäftigung sei kontraproduktiv, weil unvermeidliche Revisionen dieser Prognosen die Glaubwürdigkeit der Institution untergrüben. Auch das Doppelmandat der Fed ? die Gewährleistung stabiler Preise und die Förderung maximaler Beschäftigung ? hält er für verwirrend und illusorisch. Die Hauptverantwortung einer Zentralbank müsse darin liegen, die Preise angemessen stabil zu halten.  [Exakt, A.L.]

Wie definiert Volcker Preisstabilität? Man müsse eine Situation anstreben, in der sich die Bevölkerung im Alltag nicht um die Entwicklung der Preise zu scheren brauche, lautet Volckers Rezept. Ein numerisches Inflationsziel bezeichnet er als unnötig. Soll etwa eine Inflation von 2% pro Jahr, also eine Verdoppelung der Preise pro Generation, wirklich das Maß der Dinge sein?, fragte Volcker das Publikum. Auch das Gerede um mögliche Deflationsgefahren kann er nicht nachvollziehen. Natürlich wolle man nicht Preise, die um 5 bis 10% pro Jahr fielen. Aber das Aufheben um ein paar Basispunkte hier und da sei schlichtweg absurd.

Überhaupt bereite ihm die Aufgeregtheit rund um die heutige Geldpolitik Mühe. Es sei doch etwas falsch in der Welt, wenn ein in den Augen Volckers extrem vorsichtig und ausgewogen formuliertes Fed-Communiqué, welches im Sommer 2013 eine etwas weniger expansive Politik signalisiert habe, zu Markterschütterungen führe, die danach mit «Temper Tantrum» umschrieben worden seien. Er habe jedenfalls am Tag danach den damaligen Vorsitzenden Ben Bernanke angerufen und ihm geraten, sich nichts aus den negativen Reaktionen zu machen.

....Schwer tut sich Volcker auch mit den häufigen öffentlichen Auftritten von Fed-Vertretern und den immer längeren und komplizierteren Fed-Communiqués. Wolle man seine (abweichende) Meinung ständig kundtun, sei man beim Fed wahrscheinlich beim falschen Arbeitgeber, meinte Volcker dazu trocken.

...Die von einigen Konferenzteilnehmern abschliessend geäusserte Vermutung, dass die Fed wahrscheinlich besser im Bremsen als im Stimulieren sei, scheint vor diesem Hintergrund plausibel. Wie die Volcker-Jahre gezeigt haben, kennt der Leitzins keine Grenze nach oben und kann praktisch unlimitiert zur Bekämpfung von Inflation eingesetzt werden. Nach unten stösst der Leitzins dagegen an die Nullgrenze, was die Macht des Fed zum Stimulieren ? gerade bei strukturellen Problemen ? beschränkt. Höchste Zeit also, die Erwartungen an die Zentralbanken etwas zurückzunehmen.
 

8474 Postings, 2675 Tage wawiduFederal Funds Rate

 
  
    #113983
4
18.11.14 17:59
"In the United States, the federal funds rate is "the interest rate"[1] at which depository institutions actively trade balances held at the Federal Reserve, called federal funds, with each other, usually overnight, on an uncollateralized basis. Institutions with surplus balances in their accounts lend those balances to institutions in need of larger balances. The federal funds rate is an important benchmark in financial markets." (Wikipedia)

Zumindest zu keinem Zeitpunkt nach dem 2. Weltkrieg belief sich die Federal Funds Rate so stark und so lange nahe Null wie seit 2009. Die Gretchenfrage ist: Bedarf eine Wirtschaft, die doch angeblich "brummt", einer solchen künstlichen Machenschaft? Eine florierende Wirtschaft mit niedriger Inflationsrate könnte man doch problemlos dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen.

Quelle der Grafik: wikipedia  
Angehängte Grafik:
640px-....png (verkleinert auf 79%) vergrößern
640px-....png

38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingVerdacht auf Insiderhandel bei BNP

 
  
    #113984
18.11.14 20:19

Offenbar waren einige Manager der Bank short auf die eigene Bank-Aktie (BNP), weil sie von den negativen Folgen des US-Rechtsstreits wussten - im Prinzip ein lukrativer Deal (Chart unten).

www.wsj.de/nachrichten/SB10865553559589044147104580284923819391134

Die französischen Strafverfolgungsbehörden haben offenbar einige hochrangige Manager der französischen Bank BNP Paribas im Visier. Wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, wird seit Anfang des Monats gegen einige hochrangige Führungskräfte wegen des vorläufigen Verdachts auf Insiderhandel ermittelt. Laut der informierten Person versuchen die Ermittler herauszufinden, wie viel die betroffenen Manager von möglichen Prozessrisiken der Bank in den USA wussten, als sie eigene Aktien verkauften. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte ein offizielles Verfahren folgen. Eine Sprecherin der Bank konnte sich zunächst nicht dazu äußern. Die BNP Paribas hatte 800 Millionen Euro für mögliche Strafen in den USA zurückgelegt und deswegen im Schlussquartal des vergangenen Jahres einen herben Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Mittlerweile hat die Bank im Skandal um den Bruch von US-Sanktionen gegen den Iran, Sudan und andere Länder ein offizielles Schuldeingeständnis abgelegt und durch Rekordvergleich von knapp 9 Milliarden US-Dollar zu den Akten gelegt.

 
Angehängte Grafik:
chart_year_bnpparibas.png (verkleinert auf 70%) vergrößern
chart_year_bnpparibas.png

7585 Postings, 2954 Tage StöffenDeflation steuert auf Minsky-Moment zu

 
  
    #113985
5
19.11.14 21:49

Lesenswertes Piece von Steen Jacobsen / Saxo Bank

Traditionell gehen Ökonomen davon aus, dass Volkswirtschaften und Märkte stets einem Gleichgewichtszustand zustreben. Demnach gerät eine Volkswirtschaft erst durch externe Erschütterungen aus den Fugen. Von Vertretern dieser Theorie wird regelmässig die Energiepreisentwicklung der Jahre 2007/2008 als Beleg herangezogen.

Von Januar 2007 bis Juni 2008 schnellte der Anteil, den fossile Brennstoffe weltweit an der Wirtschaftsleistung haben, von 5,2 Prozent auf 12,4 Prozent nach oben. Für die Weltwirtschaft bedeutete das einen konjunkturellen Gegenwind in einer Grössenordnung von 5 Billionen Dollar. Bekanntermassen waren es folgende Faktoren, die die Wirtschaft seinerzeit so extrem anfällig für exogene Schocks machten: Der massive Anstieg der globalen Verschuldung ? vor allem am US-Häusermarkt ? und die Nutzung finanzieller Innovationen, die die Preise auf ein unhaltbares Niveau trieb. Was die Episode 2007/2008 betrifft, wollen wir indes grosszügig sein und den Mainstream-Ökonomen recht geben.

Krisen ? ein Bestandteil des Finanzsystems

Die aktuelle Situation scheint hingegen das Modell Minskys zu bestätigen. Hyman Minksy, Begründer der Theorie der finanziellen Instabilität, stellte die These auf, das Finanzsystem werde im Laufe eines Aufschwungs auch ohne äussere Erschütterungen automatisch instabil. Er sagte also, die dem Aufschwung folgende Krise sei integraler Bestandteil des Systems.

Nach Minsky liegt das daran, dass die verschiedenen Wirtschaftsteilnehmer ? Banken, Unternehmen, Regierungen und Bürger ? in Boom-Zeiten selbstgefällig werden. Sie reden sich ein, dass die guten Zeiten ewig weitergehen werden. Im Ergebnis werden auf der Jagd nach immer höheren Profiten zunehmend höhere Risiken eingegangen. Damit legt man bereits in Zeiten der Euphorie den Grundstein für die nächste Krise.

Ultralockere Geldpolitik ? Probleme werden verschoben

Wie sollten also die politisch Verantwortlichen auf ein solches Szenario reagieren? Bei einer gewöhnlichen Krise wären beherzte neue Aktionen geboten, um bei den Ursachen anzusetzen. Stattdessen beging man 2007/2008 den Fehler, dem Finanzsystem mit der Notenpresse aus der Bredouille zu helfen. Zugleich halfen sich die Politiker damit selbst aus der Bedrängnis. Jetzt haben wir extrem niedrige Zinsen, über die wir ? bis auf Weiteres ? ständig wachsende Schuldenberge bedienen können, und eine Notenpresse, die billiges Geld für Güter druckt, die niemand kaufen will. Doch damit wird das Problem nur verschoben, nicht behoben. Mit der Notenpresse bestrafen die Zentralbanken die Sparer, und sie belohnen die Schuldner.

Je weiter die Zinsen sinken, desto schwieriger wird es, Wachstum anzustossen: Schon beim geringsten Versuch einer geldpolitischen Normalisierung macht die Konjunktur schlapp. Vor dem Hintergrund niedriger Inflation und sogar Deflation wird nun immer offenkundiger, wie sehr die Zinserträge gesunken sind. Die Märkte steuern geradewegs auf ein neues Minsky-Moment zu ? der Punkt, an dem scheinbare Stabilität unversehens einbrechenden Kursen weicht.

Finanzkrisen brechen im Schlussquartal aus

In einem deflationären Umfeld steigen die Schuldenkosten schmerzhaft, wenn die Zinssätze erst einmal die Nullgrenze erreicht haben. Aus finanziellen und politischen Gründen brechen Finanzkrisen oftmals im vierten Quartal aus. Unternehmen und Regierungen müssen ihre neuen Etats und Budgets ordnen. Im Endeffekt müssen die Europäische Union, Japan und möglicherweise auch die USA (falls sich die Aussichten weiter verschlechtern) wohl erkennen, dass schwächere Daten nur grössere Defizite ? und damit höhere Schulden ? bedeuten, sofern sie auf eine kurzfristige Lösung setzen wollen.

In einem deflationären Umfeld wird die Aufnahme neuer Schulden zu einem gefährlichen Spiel. Das lässt sich am Beispiel der EU illustrieren: Portugals öffentliche Verschuldung ist seit 2007 von ca. 70 Prozent des BIP auf mittlerweile 130 Prozent der Wirtschaftsleistung angewachsen. Irlands Schulden haben sich seit 2007 in etwa vervierfacht und belaufen sich jetzt auf 125 Prozent des BIP ? und dennoch wird das Land als «Erfolgsstory» hingestellt! Griechenlands Staatsverschuldung beträgt 175 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, trotz der Umschuldung Griechenlands vor ein paar Jahren. Draghi spielt die Vertrauenskarte in puncto EU-Verschuldung zwar durchaus erfolgreich, doch besteht jetzt weitaus mehr systemisches Risiko als jemals zuvor.

Die nächste Krise steht bevor

In China bereiten vor allem die Schuldendienstkosten insgesamt Sorge. Die Situation wird dadurch noch verschärft, dass chinesische Banken, Unternehmen und Bürger der irrigen Meinung sind, der Staat werde im Falle eines Falles für sie in die Bresche springen. Nach Angaben eines Analysten der Société Générale belaufen sich die Kosten, die in China insgesamt für den Schuldendienst (einschliesslich fällig werdender Verbindlichkeiten und Prolongationen) aufgewendet werden, auf knapp 39 Prozent der Wirtschaftsleistung. In den USA lag dieser Wert im Jahr 2007 bei rund 25 Prozent des BIP.

2013 beliefen sich die Schuldenkosten der US-Regierung auf über 6 Prozent der Haushaltsausgaben. Gegenüber dem höchsten Stand, als die Zinssätze sehr viel höher waren, ist das zwar eine Verbesserung, doch nur deshalb, weil die Fed unter Bernanke die Zinsen auf null gesenkt und drei QE-Runden lanciert hatte. Im Ergebnis ist die Schuldenlast jetzt weitaus höher als vor der Finanzkrise: 80 Prozent des BIP (Nettoverschuldung laut IWF) gegenüber 45 Prozent des BIP vor nur zehn Jahren. Der Zeitpunkt mag noch ungewiss sein, doch die USA, China und Europa steuern bereits auf die nächste vom Minsky-Moment ausgelöste Krise zu. Wenn die Krise Erfüllungsgehilfin eines echten Systemwandels ist, dann ist die Deflation ihr Herold.

Steen Jakobsen, Chefökonom bei Saxo Bank

http://www.handelszeitung.ch/invest/stocksDIGITAL/...moment-zu-686619
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33315 Postings, 5503 Tage KickyGoldabstimmung in der Schweiz Jastimmen schwinden

 
  
    #113986
20.11.14 11:36
Gold fällt auf $1,183.60
http://blogs.barrons.com/focusonfunds/2014/11/19/...vote/?mod=BOLBlog
Don?t hold your breath for voters in Switzerland to reverse slumping gold prices.

On Nov. 30, the Swiss will vote on a referendum to decide whether the Swiss National Bank?s mandate should be changed to bulk up on bullion holdings and never sell.

The Wall Street Journal?s Andrew Morse reports that support for the measure is dwindling, according to a poll released Wednesday:

   The poll, which was conducted by the gfs.bern group, shows 38% of respondents in favor of the Save Our Swiss Gold initiative, down from 44% in an earlier poll. Meanwhile, 47% of respondents said they were against the initiative, up from 39%.

Deutsche Bank foreign-exchange analyst, Robin Winkler, said last week that a ?yes? vote would ?carry significant balance sheet risks? for the SNB and weaken the Swiss franc. .....  

33315 Postings, 5503 Tage KickyCommerzbank führt Negativzinsen ein für Geschäftsk

 
  
    #113987
1
20.11.14 11:45

33315 Postings, 5503 Tage KickyContainerschiffahrt mit 20% Preissturz

 
  
    #113988
2
20.11.14 11:47
LONDON?Die Seefrachtgebühren auf der verkehrsreichsten Handelsroute zwischen Asien und Europa sind am Montag auf Wochensicht so stark gefallen wie noch nie und senden damit düstere Signale für die globale Konjunktur. Sie spiegeln das stagnierende Wachstum in Europa und Japans Rückfall in die Rezession wider.

Containerschiffe transportieren alles Mögliche von Haushaltswaren über Kleidung, Spielzeug, Elektronikgeräte und Lebensmittel. Ihre Frachtvolumen gelten als wichtiger Anzeiger für die Lage der Weltwirtschaft. Analysten rechnen mit einem weiteren Preisverfall im Seehandel, weil die Hauptsaison für asiatische Exporte für das Weihnachtsgeschäft bereits vorbei ist.

Die Preise für Lieferungen pro 20-Fuß-Container (etwa 6,10 Meter lang) zwischen asiatischen und europäischen Häfen sanken nach Angaben des Shanghai Containerized Freight Index binnen einer Woche um 20,5 Prozent von 1.175 US-Dollar auf 934 Dollar am Montag.....http://www.wsj.de/nachrichten/...80283593180898172?mod=trending_now_4  

8474 Postings, 2675 Tage wawiduMarktkapitalisierung

 
  
    #113989
2
20.11.14 16:41
Zunächst eine Definition der Kapitalisierungsgruppen:

https://www.mutualfundstore.com/...rge-mid-caps-market-capitalization

Nun zeige ich den kompletten Chart des S&P 400 Midcap Index, dessen Entwicklung seit 1992 alle andere Indizes deutlich schlug.  
Angehängte Grafik:
_mid1992w.png (verkleinert auf 82%) vergrößern
_mid1992w.png

8474 Postings, 2675 Tage wawiduIndexvergleich

 
  
    #113990
2
20.11.14 16:57
Von Zeit zu Zeit ist es angebracht, die Quotienten bestimmter Indizes zu vergleichen. Dieser Vergleich liefert nämlich Hinweise auf eine mögliche/wahrscheinliche grundlegende Wende, die sich entweder nur auf einen der Indizes oder aber auch auf beide Indizes beziehen kann. Ich habe hier die Konstellation $MID:$SPX gewählt. Die umrandeten Zonen zeigen kritische Phasen.  
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8474 Postings, 2675 Tage wawidu$MID

 
  
    #113991
2
20.11.14 17:14
Das letzte Teilstück des $MID deutet die potenzielle Entwicklung eines als sehr bärisch zu bewertendes "Megaphones" an - nach Elliott eines divergierenden Ending Diagonal Triangle (EDT).  
Angehängte Grafik:
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478 Postings, 621 Tage BerixNeues EW-Muster: Verfalltags-Zickzack ...

 
  
    #113992
20.11.14 23:32
 ... wenn sich das Muster fortsetzt, feiern wir Weihnachten bei etwa 15500
 
Angehängte Grafik:
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478 Postings, 621 Tage Berix#992 - Ronald gehrt hatte diesselbe Idee ...

 
  
    #113993
21.11.14 00:29
ob es sinnvoll ist für jedes Phänomen an den "Wert"papier-Märkten unbedingt eine plausible Erklärung zu finden bezweifele ich:
http://www.baden-boerse.de/uploads/2014/Marktkommentar2014_11_20.pdf  

478 Postings, 621 Tage BerixWunschdenken eines Analysten ..

 
  
    #113994
1
21.11.14 01:33
(ehemalige Berufsbezeichnung: Analzyste).
http://www.godmode-trader.de/analyse/...stufe-2-ein-ziele-bei,3963180
Auf einen Zeithorizont von 200 Tagen einen zeitlich gewichteten GD zu verwenden ist Unfug, der MA200 wurde eben nicht überwunden und mir erscheint eher das Auseinanderlaufen von MA und EMA bemerkenswert:  
Angehängte Grafik:
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531 Postings, 560 Tage Spekulatius1982katastrophenhausse

 
  
    #113995
21.11.14 02:14
nennt man das auch.
offt kam der bruch anfang eines jahres.
es ist im prinzip wurst. geht man heut mit einem faktorschein
short und verliert vielleicht noch 50% würden
trotzdem zum ende 500% und mehr rauskommen.
dx8srt, oder scheine auf dow, nasdaq, ....
werden alle in paar wochen wahnsinnig durchschießen  

38377 Postings, 3851 Tage Anti Lemming"fat (cat) enough to jail"

 
  
    #113996
21.11.14 10:07
Island-Banker muss in den Knast - Wall Street staunt

Sigurjon Arnason, Ex-CEO einer der größten isländischen Banken, muss wegen seiner Mitverantwortlichkeit für den 2008-Crash für ein Jahr in den Knast.

Und Wall Street reibt sich verwundert die Augen.

Denn das Island-Urteil wirft mal wieder die Frage auf, warum eigentlich kein einziger US-Banker - d.h. einer der Hauptverantwortlichen für die 2008-Finanzkatastrophe - ins Gefängnis gesteckt wurde.

Wall-Street-Banker haben sich stattdessen mit lächerlich niedrigen Zahlungen (Größenordnung: weniger als 1 % der durch die Suprime-Betrügereien vereinnahmten Beträge) an die US-Börsenaufsicht SEC von jeglicher Schuld und Strafverfolgung freigekauft. Nach den SEC-Zahlungen (ein Teil davon geht zur Entschädigung an die Betrogenen) werden die Betrugsfälle einfach ad acta gelegt. Danach findet keine straf- oder zivilrechtliche Verfolgung mehr statt.

Auch die Frage, ob die Banker schuldig sind oder nicht, wird durch die SEC-Zahlungen offen gelassen. D. h. die Zahlungen werden nicht als "konkludentes Schuldeingeständnis" gewertet, sie erfolgen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht.

Interessant ist dabei vor allem, wo die US-Klassenjustiz die Grenze zieht. Der private Hedgefonds-Betrüger Madoff war mit 50 Mrd. Unterschlagung offenbar noch ein kleiner Fisch - jedenfalls "klein genug", um ihn einzulochen. Hingegen blieben die "too-big-to-fail"-Banker von Goldman, JPM und Co. ungeschoren. Mit dem Pseudargument, ihre Institute seien "systemrelevant" (LOL).



www.zerohedge.com/news/2014-11-20/...-jail-banker-involved-2008-crash

Wall Street Stunned As Iceland Dares To Jail Banker Involved In 2008 Crash

The impossible is possible. Never say never. Wall Street bankers are staring agog at headlines coming from Europe where, in Iceland, the former chief executive of one of the largest banks in the country which was involved in crashing the economy in 2008 has been sentenced to jail time. As Valuewalk reports, in receiving a one year prison sentence, Sigurjon Arnason officially became the first bank executive to be convicted of manipulating the bank?s stock price and deceiving investors, creditors and the authorities between Sept. 29 and Oct. 3, 2008, as the bank?s fortunes unwound, crashing the economy with it. It appears he was as shocked by the verdict as Wall Street-ers are, "this sentence is a big surprise to me as I did nothing wrong." It was likely all for the people's own good...

Island-Banker Sigurjon Arnason - "fat (cat) enough to jail":  
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38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingFonds gieren nach nächstem Zentralbanken-Coup

 
  
    #113997
21.11.14 10:57
Während Investments früher auf Basis von Fundamentanalysen vorgenommen wurden, regiert heute blinde Gier: Fondsmanager achten nicht mehr auf traditionelle Werte wie die Qualität von Firmen, die Bewertung von deren Aktien, landesspezifische
Wirtschaftsperspektiven usw., sondern nur noch darauf, welcher Zentralbank-Chef wohl das nächste dicke Gelddruck-Ding vom Stapel lässt.

Das ist erbärmlich.

So kommt es u. a. zu der Absurdität, dass Fonds-Glücksritter zurzeit in Heerscharen in den maroden japanisch Aktienmarkt "investieren". Der Nikkei legte in den letzten vier Wochen um satte 15 % zu (Chart unten).

Die Studie über das Kaufverhalten der großen Fonds stammt von Bank of Amerika. Dazu wurden 166 Moneymanager befragt, die zusammen 431 Mrd. Dollar an Assets verwalten.


www.marketwatch.com/story/...japan-is-wall-streets-new-bff-2014-11-21

Why the Bank of Japan is Wall Street?s new BFF
(A.L.: BFF = "best friend forever")

This is what we are now reduced to.

Professional investors once cared most about the quality of a company, the valuation of its stock, and the growth of the economy. No more. Today, if they are interested in one thing above all else, it?s to find out which central banker is going to hand out free money next. They?re basically trick-or-treaters, roaming the global village in search of the next sugar high.

That?s the gloomy implication from the latest world-wide look at how institutional money managers think, where they are placing their bets, and why.

Bank of America Merrill Lynch just surveyed 166 money managers around the world, who together control a thumping $431 billion in assets. (They have been doing this every month for years, and the results often make fascinating reading.)

What did they find?

The big money crowd has suddenly fallen in lurve with the Japanese stock market. And how!

A net 45% of money managers are ?overweight? Japanese equities, reports the Bank of America Merrill Lynch survey. In plain English, that means the number of investors who hold more Japanese stocks than their benchmarks would imply vastly exceeds the number who don?t.....

Nikkei-225 im Wahn des Gelddruckens: 15 % Plus seit Mitte Oktober  
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38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingWer kann (will) Draghi noch bremsen?

 
  
    #113998
21.11.14 16:11
www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/...-tun-muessen/11014666.html

EZB bereit zu Staatsanleihe-Käufen
?Wir werden das tun, was wir tun müssen* ?
21.11.2014, 12:08 Uhr, aktualisiert heute, 12:17 Uhr

EZB-Präsident Mario Draghi macht die Tür zum Kauf von Staatsanleihen weit auf. Die Notenbank sei ?ohne unnötige Verzögerung? dazu bereit. Der Euro fällt rasch, die Aktienmärkte jubeln.

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt dem Einsatz noch massiverer Geschütze gegen die drohende Deflation immer näher. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, er werde die schwache Teuerung wenn nötig mit allen Mitteln anheizen, um die Konjunktur in der Euro-Zone zu beleben. ?Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.?

Dafür sei die EZB unter seiner Führung bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe ? auch den umstrittenen Kauf von Staatspapieren ? mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen ? ?ohne unnötige Verzögerung?....

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A.L.: *Und wer definiert diese "Müssen" - die Goldmänner?

Mit QE ist kein Blumentopf zu gewinnen, in Europa schon gar nicht:

www.ariva.de/forum/...-Verteilungsfrage-472111?page=1168#jumppos29211  

38377 Postings, 3851 Tage Anti LemmingJapan wird seine Schulden niemals zurückzahlen

 
  
    #113999
21.11.14 16:45
www.fuw.ch/article/japan-wird-seine-schulden-niemals-zuruckzahlen/

Lord Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Bankenaufsicht, empfiehlt der Eurozone und Japan die Monetarisierung. Die von der Zentralbank gekauften Staatsschulden würden damit verschwinden, wie er im Interview mit FuW erläutert.

Japan könnte der Eurozone zeigen, wie man mit einem riesigen Schuldenberg umgehen kann. Die Zentralbanken könnten die gekauften Staatsschulden abschreiben oder zumindest nie mehr einfordern ? das ist für Lord Adair Turner das zwangsläufige Szenario. In der Zukunft müsse man verhindern, dass Privathaushalte und die öffentliche Hand zu viele Schulden anhäufen. Das Interview fand am Rande einer Konferenz des UBS International Center for Economics in Society statt.

Lord Turner, die meisten Volkswirtschaften haben mit einem Berg an Schulden zu kämpfen. Private Schulden haben sich vor der Krise angehäuft. Nach der Krise sind die öffentlichen Schulden gestiegen. Wie können wir die Schulden abbauen?

Wir haben ein riesiges Problem. Die Gesamtsumme an Schulden, privaten und öffentlichen, ist so gross, dass wir kaum mit Wachstum aus diesem Schlamassel kommen. Manche sagen, man kann immer aus Schulden herauswachsen. Sie verweisen auf das Beispiel Grossbritanniens, das aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Schuldenstand von 240% des Bruttoinlandprodukts kam. 1970 waren es dann nur noch 50%. Aber wir konnten damals nur aus den Schulden herauswachsen, da 25 Jahre lang das BIP nominal 8% jährlich gewachsen ist. Wegen der Demografie und einer höheren Produktivität konnten wir ein reales Wachstum von 3% jährlich erreichen. Wir hatten ein unter enger Kontrolle stehendes Finanzsystem, in dem wir eine Inflation von 5% und Zinsen von 3 oder 4% hatten.

Die hohe Inflation liess den Schuldenstand also real sinken.

Länder kamen aus den Schulden nach dem Zweiten Weltkrieg nur durch Hyperinflation, Zahlungsausfall oder finanzielle Repression heraus. Sie hatten Inflation und reales Wachstum in einem Mass, wie es kaum wieder auftreten wird. Die höchste Inflation, die wir haben werden, wird bei 2% liegen. Und unsere reifen Volkswirtschaften haben einen hohen technischen Stand, sodass das erreichbare reale Wachstum bei höchstens 1,5 bis 2% liegt. Mit diesen Zahlen funktioniert es einfach nicht, aus den Schulden herauszuwachsen.

Wie werden wir den Schuldenberg denn los?

Ich kann Ihnen sagen, was in Japan meiner Meinung nach geschehen wird und wie es auf die Eurozone passt. Japan hätte vor fünfzehn Jahren das tun sollen, was Ben Bernanke geraten hat: Geld aus dem Helikopter werfen. Die Japaner hätten ein ständiges Haushaltsdefizit gebraucht, das mit Zentralbankgeld bezahlt worden wäre. Das haben sie nicht getan, und die öffentliche Verschuldung liegt nun bei 230% des BIP. Aber auch jetzt ist ihre beste Politikoption, und meiner Meinung nach ihre einzige, die Schulden zu monetarisieren, zu Geld zu machen. Die Regierung kann entweder die Schulden restrukturieren ? Verpflichtungen, die bisher 100 wert waren, sind beispielsweise nur noch 70 wert ? oder monetarisieren.

Wie würde diese Monetarisierung ablaufen?

Man ersetzt Staatsanleihen, die der Zentralbank gehören, mit einer neuen Form von Schulden, die nie fällig werden und keine Zinsen kosten. Die Bilanz der Bank of Japan würde ihre Grösse beibehalten, aber die Zentralbank würde Schulden nie zurückzahlen und darauf keine Zinsen bezahlen. Sie würden nur auf der Bilanz sitzen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Geld eine unbefristete Form von Staatsschulden ist. Werden Staatsschulden unbefristete und zinslose Schulden, werden sie zu Geld. Und das nennt man Monetarisieren.

Es hört sich nach einem Allheilmittel an.

Es kann ein Allheilmittel sein, aber es hat Nachteile. Die Regierung der Unionsstaaten im US-Bürgerkrieg beispielsweise bezahlte einen grossen Teil ihrer Kriegsausgaben mit dem Druck von Greenback, Papiergeld. Das führte zwar zu merklicher Inflation, aber nicht zu so grosser Inflation, dass es zum Problem wurde. Das war ein Grund für das sehr schnelle Wachstum der Wirtschaft der nördlichen US-Staaten im Bürgerkrieg. Gleichzeitig hatten die Konföderierten das Gleiche getan, aber in einem solch grossen Ausmass, dass eine Inflation von 1000% erreicht wurde. Monetarisierung schafft nominal Nachfrage, damit ist sie ohne Kosten für die Regierung. Aber entscheidend ist das Ausmass. Manche Leute denken, man müsse ein verrückter Inflationstreiber oder ein Sozialist sein, um das zu unterstützen. Aber Milton Friedman schrieb in einem Artikel 1948, dass es logisch wäre für die Regierung, jedes Jahr ein kleines Haushaltsdefizit ? vielleicht 1% des BIP ? aufzuweisen und dafür mit Zentralbankgeld zu bezahlen. Er sagte, das sei besser, als Geld zu leihen und es zurückzahlen zu müssen.

Gibt es andere erfolgreiche Monetarisierungen?

Eines der besten Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte, bei dem es erfolgreich und in grossem Ausmass getan wurde, ist tatsächlich Japan. Finanzminister Takahashi verwendete von 1931 bis 1936 von der Zentralbank finanzierte Haushaltsdefizite, um die Wirtschaft aus der Rezession zu steuern. Er war sehr erfolgreich. Japan befreite sich früher aus der Grossen Depression als die meisten anderen Länder in den Dreissigern.

Warum wird diese Lösung dann nicht breiter diskutiert?

Wir haben um geldfinanzierte Haushaltsdefizite ein absolutes Tabu geschaffen. Das wurde aus einem Grund der politischen Ökonomie getan: Wir sind voller Angst, dass, wenn wir es mit einem kleinen Betrag machen, wir es mit grösseren und grösseren Beträgen machen wollen ? und dann würde es eine Hyperinflation wie in der Weimarer Republik oder Simbabwe erzeugen. Es ist wie ein Medikament, das in kleinen Mengen gut tut, aber in grösseren tödlich ist. Das berechtigte Argument aus der Sicht etwa der Bundesbank ist: Ja, technisch können wir es tun, und es würde uns helfen, uns von den Schulden zu erholen. Aber es ist einfach zu gefährlich, und wir sollten die Medizin nicht anfassen.

Aber Japan wird dieses grosse Experiment dereinst durchführen?

Wenn man in einer Situation wie Japan ist, wird man es tun ? ob man will oder nicht. Es ist ausgeschlossen, dass Japan seine Schulden jemals zurückzahlen wird. Und ab einem bestimmten Zeitpunkt wird der Markt diese Tatsache erkennen. Es wird eine wachsende Anzahl von Leuten geben, die japanische Staatsschulden ohne den Teil zählen, der von der Zentralbank gehalten wird.

Gibt es dabei keine Risiken?

Japan ist in einer sehr gefährlichen Situation. Wenn man durch eine Anhäufung von privaten und dann von öffentlichen Schulden in solchen grossen Geldbeträgen endet, können Änderungen in den Erwartungen am Markt höchst destabilisierende Effekte erzeugen. Bis jetzt stehen die Leute immer noch Schlange, um dieser hochverschuldeten Regierung weiterhin Geld für fast nichts auszuleihen. Aber wenn die Schulden einmal so gross sind, können kleine Änderungen in den Kalkulationen höchst destabilisierend wirken.

Und würden die Leute nicht das Vertrauen in den Yen verlieren? (A.L.: Das gleiche gilt für USA/EBZ: Würden bei einer überschuldeten Fed/EBZ die Märkte nicht auch das Vertrauen in den US-Dollar/Euro verlieren?)

Das ist ein Problem mit diesen grossen Schulden. Wenn die Leute schliesslich akzeptieren, dass die Regierung sich mit Zentralbankgeld und nicht mit Schulden finanziert, könnte sie eine grössere Inflation erzeugen, als die Bank of Japan es will. Dies könnte eine Abwärtsspirale auslösen: Inflation würde den Yen abwerten lassen, was die Inflation noch mehr anheizen würde. Das könnte zu steigenden Renditen für Staatsanleihen führen. Der Staat müsste höhere Zinsen auf den Teil der Schulden bezahlen, die nicht durch Geld finanziert sind. Aber es gibt Massnahmen, um diesen inflationären Effekt auszugleichen. Wenn die Zentralbank Staatsanleihen kauft, werden neue Reserven der Geschäftsbanken bei der Zentralbank geschaffen. Noch werden diese Reserven von den Geschäftsbanken nicht für neue Kredite genutzt, wie es die Anforderungen für Mindestreserven erlauben würden. Um die Banken daran zu hindern, mehr Geld zu schaffen, könnte man die Mindestreserven nach oben setzen. Das wäre ein Aufwischen, wenn der Stimulus zu gross wird.

Wird Japan denn Europa den Weg zeigen, wie man die Schulden loswird?

Für die Eurozone ist es viel komplizierter. Japan ist zumindest ein Land mit einer Zentralbank, die für eine Nation verantwortlich ist. Obwohl die Konsolidierung von Schulden vielleicht Regeln bricht, die als gute Zentralbankpraxis gelten, haben die Regierung und die Zentralbank das Recht dazu, da alles demselben Volk gehört. In Europa wird alles viel komplizierter: Wessen Schulden sollen abgeschrieben werden? In Japan ist die Sorge, dass mit dem Tabubruch der Monetarisierung die Regierung verantwortungslos wird und dann immer wieder mit dem Feuer spielt. In Europa ist es sogar schwieriger. Die Deutschen könnten sagen, dass Italien für die Schulden verantwortlich ist. Und bei einer Monetarisierung würde nur Italien profitieren. Die zusätzliche Inflation würde aber alle Länder treffen.

Aber was wird in der Eurozone passieren?

Im Laufe des nächsten Jahres, wenn sich die Wirtschaftslage in der Eurozone verschlechtert, könnte die Europäische Investitionsbank jede Menge Geld in Investitionsprojekte stecken und dafür Anleihen emittieren, die die EZB rein zufällig aufkauft. Die Gefahr ist: Wenn man vorgibt, keine Monetarisierung vorzunehmen, sendet man auch kein Signal an die Menschen, dass es möglich ist.

Werden die schwachen Länder der Eurozone jemals fähig sein, ihre Schulden zurückzuzahlen?

Ich bin mir nicht sicher, ob Italien seine Schulden zurückzahlen kann. Um die Schulden im Verhältnis zum BIP nur schon konstant zu halten, braucht Italien wegen des geringen Wachstums und der niedrigen Inflation einen primären Haushaltsüberschuss, also vor der Schuldenbedienung, von 3 bis 4% des BIP. Vielleicht wird das Land das weiterhin tun, aber politisch ist es sehr schwierig, diese Disziplin einzuhalten. Wenn der Markt glaubt, dass ein Land seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann, gehen die Zinsen für neue Schulden nach oben. Gibt es keinen Fortschritt auf Ebene der Eurozone, Monetarisierung zu akzeptieren, könnte Italien seine Schulden restrukturieren oder den Euro verlassen. Dann kann es seine Schuldenlast durch eine Renominierung in Lire senken.

Die Zentralbanken versuchen nun, die Effekte des Schuldenüberhangs auszugleichen, indem die Banken zu einer stärkeren Kreditvergabe angeregt werden.

Das ist, wie wenn man einen Kater bekämpft, indem man wieder Alkohol trinkt. Der Schuldenüberhang ist ja schon zu gross. Damit Schulden verschwinden, müssen sie zurückgezahlt, abgeschrieben oder monetarisiert werden. Grossbritannien konnte nach dem Zweiten Weltkrieg die Zinsen unter der Inflation halten. Es konnte die öffentliche Verschuldung zurückfahren, ohne die private Verschuldung anzuregen. Die Gesamtverschuldung, öffentlich und privat, ist während dieser Zeit gesunken. Aber wir sind jetzt in einem völlig anderen Umfeld. Wenn wir versuchen, aus den Schulden nur mit einer sehr lockeren Geldpolitik zu wachsen, wird im Jahr 2020 die Verschuldung im Verhältnis zum BIP noch viel grösser sein. Schulden wandern bloss von privaten Bilanzen auf die öffentliche Bilanz und wieder zurück auf die privaten ? mit dem Resultat, dass die Gesamtverschuldung zunimmt.

Warum sind die USA in einer besseren Situation als Japan oder die Eurozone?

Die USA schaffen es, nominal rund 3% zu wachsen. [A.L.: Na und? Was bringt das bei etwa ebenso hoher Inflation?] Damit sinkt die Verschuldung über den Nenner und nicht den Zähler des Schuldenquotienten. Es sieht aus, als würden die USA es schaffen, den Verschuldungsgrad durch die Erhöhung des BIP zu senken. Keynesianer würden das auch für die Eurozone vorschlagen. Aber es kommt auf die erreichbare Wachstumsrate an. In den USA beträgt sie vielleicht noch 2 bis 3%. Das Problem in Japan ist aber, dass das Wachstum eher bei 0,5 oder 1% liegt. Selbst wenn Japan ein Produktivitätswachstum von 1,5% erreichen würde, hätte es immer noch eine sinkende Erwerbsbevölkerung.........

....das Konzept der Österreichischen Schule ? kurzfristige Schmerzen zu akzeptieren, um eine langfristige Erholung zu erreichen ? erfährt immer noch viel Sympathie.
Das wurde von Reichskanzler Heinrich Brüning Anfang der Dreissigerjahre auch versucht. Und es endete nicht gut ? mit Massenarbeitslosigkeit, Deflation und dem Aufstieg Hitlers. Die Sichtweise Brünings bekommt immer noch viel Aufmerksamkeit in Ökonomie, Recht und Politik in Deutschland. Ich verstehe und respektiere, dass, wenn eine Regel fehlt, die Folgen von zu vielen Schulden tragen zu müssen, die Leute es immer wieder tun werden. Es braucht eine Lösung für unser Schlamassel, ohne dass das Signal gesendet wird, dass es keine Grenzen mehr gibt, da die Schulden später monetarisiert werden. Ich sage meine deutschen Freunden: Ich weiss, dass ihr auf die Lektion der Weimarer Hyperinflation fixiert seid. Aber solltet ihr nicht auf die Lektionen von Brüning genauso fixiert sein? 1928, vier Jahre nach der Hyperinflation, erhielten Hitler und die NSDAP 2% der Stimmen in den Reichstagswahlen. 1932 waren es 30% der Stimmen. Damals herrschte Deflation in Deutschland. Hitlers grosser Durchbruch bei den Wahlen kam durch die Deflation. Es gibt eine Verzerrung im kollektiven Gedächtnis der Deutschen, das sich zu sehr auf die Gefahr der Hyperinflation fokussiert und die Gefahr der Deflation unterschätzt.

Lawrence Summers verbreitete die These, dass wir in einer Zeit der säkularen Stagnation seien und wir Kreditblasen bräuchten, um neues Wachstum zu erzeugen.
Wenn wir Wachstum nur durch Kreditblasen, die alle paar Jahre in einer Katastrophe enden, erreichen könnten, wäre es dann nicht besser, sich auf ein jährliches Haushaltsdefizit von 1 bis 2% des BIP zu einigen, das durch Zentralbankgeld finanziert wird? Das wäre die logische Folge, wenn man an eine lang anhaltende säkulare Stagnation glaubt.


Lord Adair Turner

Der 59-jährige Adair Turner war von 2008 bis 2013 Chef der britischen Finanzaufsicht Financial Services Authority. Dabei war er massgeblich an der Gestaltung der Basel-III-Richtlinien zur Bankenregulierung beteiligt. Schon 2009 setzte er Zeichen mit einem «Turner Review» genannten Dokument für eine umfassende Reform der Finanzregulierung. Seit 2013 arbeitet er am Institute of New Economic Thinking, das teilweise von George Soros mitfinanziert wird. Lord Turner arbeitete in seiner Karriere unter anderem bei McKinsey und Merrill Lynch. Sein Studium in Geschichte und Ökonomie absolvierte er in Cambridge.
 

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