Gut beobachtet und höchstwahrscheinlich zutreffend, dass Du bei den "gut vernetzten" Notenbanken ein abgekartetes Spiel vermutest. Man könnte bei den Notenbankern sogar von einer international operierenden Finanzmafia (gestützt von den jeweiligen nationalen Privatbanken-Mafias) sprechen.
Dieses Notenbank-Konglomerat bildet das "institutionalisierte" Gegenstück zum ebenfalls ungehemmt international operierenden Privatkapital, das im Zuge der Globalisierung sämtliche Nationen, z. b. bei der Standort-Erpressung (neue Fabriken/Investitionen), gegeneinander ausspielt. Da fallen dann Sprüche wie: "Wieso sollen wir in Ihrem Land 30 % Steuern zahlen, wenn wir in Vietnam nur 12 % Steuern zahlen müssen?"
Dass jetzt auch Japan flutet - und "gut getimet" hinsichlich der Entwicklung an den "Finanzmärkten" (immer schön prozyklisch) - halte ich keinesfalls für Zufall. Ich vermute dahinter eine auf höchster Ebene (und natürlich geheim) zwischen USA und Japan stattgefundene Absprache.
Und man kann sich jetzt schon ausmalen, dass dann, wenn an "den Märkten" (bzw. was im Pumpzeitalter davon noch übrig geblieben ist), die Japan-Sause an Wirkung verliert, Goldman-Vasall Draghi in Europa "einspringen" und die nächste Flutungswelle lostreten wird.
Die Sparprogamme in den PIIGS werden die dortigen Ökonomien bis dahin derart fertig gemacht haben (Brüning'sche Sparpolitik), dass Draghi - in bewerter Manier "alternativlos" - auch für Europa eine "entschlossene Kehrtwende" in der Geldpolitik fordern kann. Er wird dann mit dem Brustton der Überzeugung darauf hinweisen, dass die "Beispiele" USA und Japan "eindrucksvoll gezeigt" hätten, dass Gelddrucken DOCH zu wirtschaftlichen "Erholungen" oder "Erfolgen" führen kann. Jedenfalls wenn man Aktienanstiege (trotz gleichzeitig wegbrechender Realwirtschaft) hedonistisch-böswillig als Gradmesser für die vermeintliche Wirtschaftserholung missbraucht.
Und noch mehr Oberwasser erhielte Draghi, wenn es in den PIIGS - u. a. wegen zwei Drittel Jugendarbeitslosigkeit - zu Massenaufständen kommt. Dann müsste nämlich "die Straße" beruhigt werden. Selbst Merkel dürfte sich dann Draghis Flutungswünschen öffnen - zumal die Bundestagswahlen dann bereits im Kasten sind.
Was wir zur Zeit weltweit sehen, ist in der Tat kein Währungskrieg zwischen Nationen - wenn ALLE abwerten, gibt es hinsichlich der Devisenwechselkurse langfristig keine "Verlierer" - , sondern ein international koordinierter Finanzweltkrieg zwischen obigem Finanzglomerat, das im Interesse der oberen 1 % agiert (und es teilweise selber stellt, siehe Blankfein, # 153), und den jeweiligen Bevölkerungen/Sparern.
Hier läuft das Gegenteil einer sozialistischen Revolution - nämlich eine "Revolution von oben": Dabei plündert die "Internationale" der Noten- und Zockerbanker die jeweiligen arbeitenden Bevölkerungen schamlos aus. Das geht bis zur koordinierten Beschlagnahmung von Sparguthaben im "Verzockerfall" (siehe Zypern, das jetzt als "Modell" dient).
Die Fronten verlaufen somit nicht zwischen den Staaten (wie es bei einem Abwertungskrieg der Fall wäre), sondern - quer Beet - zwischen Notenbankern und Sparern/Bevölkerungen, die zum Heil der reichsten 1 % ausgeplündert werden sollen. Jene 1 % haben nämlich die Mittel, sich durch geschickte Kapitalallokation (sprich: Goldman-Hilfe) den negativen Wirkungen der Inflation, die den gemeinen Sparer und Steuermichel (Steuerprogression) voll treffen, zu entziehen.
Selbst der einst grundsolide Warren Buffett opieriert seit einigen Jahren wie ein skrupelloser Hedgefonds: Im "Dollar-Trade" werden mit Schuldenaufnahme Firmen aufgekauft (= leveraged buyouts, LBOs), während die Notenbanker - zum Vorteil der Schuldner (Politiker ziehen da natürlich gern mit) - durch Gelddrucken die Kaufkraft dezimieren, was die Schuldner sukzessive von ihren Schulden befreit. Die Firmen bleiben dabei freilich in ihrem Besitz. Auch so kann man reich werden - auf Kosten der Normalbevölkerung.
Gegenpol, der zweite Teil Deines Postings spiegelt im Wesentlichen die laufende Konsensmeinung wider, wie man sie tagtäglich z. B. im Wall Street Journal (# 146) und in US-Finanzmedien lesen kann. Mit dieser Gehirnwäsche soll das Spiel weiter getrieben wird - in der Hoffnung, dass vielleicht am Ende doch noch "die Kleinanleger" der Gier erliegen.
Faktisch läuft an den Börsen, getrieben von den Notenbankern und mit tatkräftig-verlogener Assistenz der Finanzmedien - das übliche pyramidisierende Ponzi-Spiel. Da die Pokerspieler auch diesmal mit leerem Blatt spielen (Verschuldung ist keine organische Heilung) ist das finale Platzen dieser Blase - wie schon 2003 und 2008- so gut wie sicher. Offen ist nur, wann es so weit sein wird.
Man kann im guten Glauben, dass das Ponzi-Spiel noch eine Weile weiter laufen könnte, "mitmischen", sollte sich dabei aber darüber im Klaren sein, dass die Indizes jederzeit in wenigen Wochen (oder gar Tagen) um 40 % fallen können - wie zuletzt 2008. Im Zeitalter des Maschinenhandels, den keine Emotionen bremsen [nur "circuit breaker" ;-)] nimmt bekanntlich auch das FALLtempo stark zu (siehe Flash-Crashs).
Normalanleger wie Du und ich haben weder die Mittel noch die Insiderinformationen, um bei aufkommender Gefahr rechtzeitig rauszukommen. Außerdem haben wir nicht die riesigen Mengen an Kapital, die z. B. nötig sind, um - wie die Big Five seit Jahresbeginn - massiv den Goldpreis zu drücken. (Goldman liegt auch deshalb oft "richtig", weil die riesigen Finanztransaktionen die "prognostizierte" Entwicklung auslösen...).
So wie jetzt im Uptrend die Bären niedergermacht werden (Goldman wird prozyklisch "long" fett), so werden im kommenden Absturz (Goldman wird prozyklisch "short" fett) die zu spät gekommenden Bullen zur Schlachtbank geführt.
"Wall Street always wins. Always." (Paul Farrell). |