Der USA Bären-Thread
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1. Zunehmende Probleme im US-Housing-Markt wegen Überkapazitäten, fallender Preise,
rückläufiger Verkaufszahlen und fauler Hypotheken, vor allem im Subprime-Sektor
2. Auf Grund dessen mögliche Banken-, Junkbond- und/oder Hedgefonds-Krise
(HSBC warnte bereits)
3. Überschuldung der USA im Inland (negative Sparquote, Haushaltsdefizit)
und im Ausland (Handelsdefizit)
4. Möglicher weiterer Wertverlust des Dollars zum Euro (zurzeit bereits über 1,30)
5. Anziehende Inflation wegen Überschuldung und unkontrollierten Geldmengenwachstums
6. Weitere Zinserhöhungen der Fed zur Inflationsbekämpfung
7. Rückgang des US-Konsumentenvertrauens und weniger Konsum wegen der
Liquiditätsrückgänge und drückender Housing-Schulden
8. Rückabwicklung von Yen-Carry-Trades, weil Japan die Zinsen erhöht
-> Ende der "globalen Hyperliquidität"
9. Probleme im Irak, wachsende Kriegsgefahr in Iran/Nahost, Ölpreis-Anstieg
10. Terrorgefahr
11. Überbewertung der US-Aktien (das DOW-JONES KGV für 2006 liegt bei 24,25,
das des SP-500 bei 19)
12. Aktien-Hausse der letzten vier Jahre verlief ohne nennenswerte Korrekturen
(untypisch)
Dieser Thread soll meinen inzwischen leider teilweise gelöschten Doomsday-Bären-Thread ersetzen. Außerdem möchte ich in diesem Eingangsposting deutlich machen, dass der Fokus auf USA liegt (der DAX spielt nur am Rande eine Rolle, da die wirtschaftliche Lage hier zu Lande besser ist).
Ich wünsch mir in diesem Thread eine faire, offene und vor allem sachliche Diskussion, möglichst wenig persönliche Querelen, Beleidigungen und sinnlose Hahnenkämpfe. Wer notorisch stört und Unfrieden stiftet oder rassistische Sprüche ablässt, kommt auf die Ignore-Liste (was weitere Postings hier verhindert).
Der aktuelle Comment von Klaus Singer / www.timepatternanalysis.de
Die Bullen haben sich seit März hinter dem Banner mit der Aufschrift "weniger schlecht gleich schnelle Erholung" versammelt. Demzufolge haben die Aktienindices ein "V" auf das Chartpapier gemalt. Die großen US-Indices legten im zurückliegenden Quartal eine Performance hin, wie es sie seit 1998 nicht mehr gab. Angelegentliches Window-Dressing zum Quartalsende hielt die Kurse hoch.
Die V-förmige Kurs-Wette (Chart!) benötigt jetzt einen steten Fluss an Makrodaten, die das "weniger schlecht" nach und nach in "besser" wenden. Am letzten Tag des alten Quartals mussten die Bullen jedoch einen Rückschlag verkraften: Das US-Verbrauchervertrauen brach unerwartet ein (Chart!). Mit den wegen eines Feiertags vorgezogenen US-Arbeitsmarktdaten brachte das neue Quartal gleich die nächste Enttäuschung: Die Zahl der Beschäftigten ist im Juni um 467.000 zurückgegangen. Erwartet wurde ein Rückgang um etwa 365.000 Arbeitsplätze nach minus 322.000 im Vormonat.
Sind das lediglich willkommene Katalysatoren, Gewinne mitzunehmen? Zunächst einmal, ja. Dies wird auch unterlegt durch das relativ geringe Handelsvolumen im S&P 500 gestern.
Die spannende Frage ist jetzt, ob die Akteure, die bisher beiseite standen, in die Bresche springen. Wenn sie sehr gierig sind, verhindern sie damit einen größeren Einbruch. Wenn aber die Abwärtsbewegung erst einmal in Schwung kommt, dann setzt sich zunehmend die Meinung durch, dass man ja jeden Tag billiger einkaufen kann. Und dann nimmt die Korrektur einen entsprechend großen Umfang an.
Welche Alternative wirksam wird, das werden wir in den nächsten Tagen sehen.
Dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht einfach mit dem Hinweis "nachlaufend" vom Tisch gewischt werden kann, zeigt der Chart. Die Verluste am Stellenmarkt sind aktuell fast drei mal so hoch wie im Durchschnitt der Rezessionen seit 1954. Wäre die aktuelle Rezession eine "normale", dann hätte der Arbeitsmarkt zudem schon vor drei Monaten einen Boden ausbilden müssen. Paul Krugman sieht sie jüngste Entwicklung am Arbeitsmarkt sogar als Beleg dafür, dass ein weiterer Abschwung bevor steht.
So simpel es ist, eine weniger schlechte Wirtschaftsentwicklung mit einer schnellen Erholung gleich zu setzen, so simpel ist es auch, auf eine mehr oder starke Inflation zu setzen, nur weil die Zentralbanken Liquidität in die Banken pumpen. Daneben ist auch der Schluss, in den gegenwärtig erhöhten Rohstoffpreisen die Bestätigung für eine wirtschaftliche Belebung zu sehen. Und genauso zweifelhaft ist es, wenn das als Hinweis auf eine inflationäre Entwicklung genommen wird.
Dieses Gebäude an Trugschlüssen, das die Rallye bisher trug, kommt jetzt auf den Prüfstand.
Bis August 2008 lag die Geldmenge der "Money Base", die lediglich physisches Geld und die Reserven der Geschäftsbanken umfasst, bei rund 850 Mrd. Dollar. Im November 2005 war die Schwelle von 800 Mrd. Dollar überwunden worden. Im Mai war die Money Base über die Reserven auf fast 1800 Mrd. Dollar angewachsen, ein Zuwachs um 110 %.
Im gleichen Zeitraum ist die Geldmenge M2 um 7,5 % gestiegen, von 7750 auf 8330 Mrd. Dollar. Der Zuwachs entspricht der Sparsumme, die im selben Zeitraum von 146 auf 769 Mrd. Dollar angestiegen ist. Zwischen November 2005 und September 2008 betrug die Steigerung hier 15,6 %.
Nach dem Inflationsbarometer CPI ist die Dollar-Kaufkraft zwischen 2005 und 2008 um 9 % gesunken, im Vergleich zu 2008 haben sich die Preise bis heute flach entwickelt. Wegen Produktivitätssteigerungen bleibt der Preisauftrieb hinter dem Geldmengenwachstum zurück.
Damit ist an dieser Stelle klar: Die explodierende Geldmenge erreicht die Realwirtschaft nicht. Natürlich ist nicht abzustreiten, dass ein Inflationspotenzial vorhanden ist. Aber zunächst ist das nur ein Potenzial - mehr nicht. Inflation hat sie dennoch bewirkt, aber nur bei den Asset-Preisen…
Das vorhandene Inflationspotenzial entfaltet sich nicht, so lange der Finanzsektor damit vorrangig die schwarzen Löcher in den Bilanzen stopft, sondern erst dann, wenn die Reserven per Kreditgewährung an Konsumenten und Unternehmen in höhere Geld-Aggregate übertreten. Gleichzeitig muss so viel kaufkräftige Nachfrage vorhanden sein, damit sich der Gleichgewichtspreis nach oben verschiebt. Die kaufkräftige Nachfrage wiederum führt direkt zum Arbeitsmarkt zurück: So lange der am Boden liegt, bleiben die Voraussetzungen hierfür mehr als ungünstig.
Schon nach der Rezession 2001 erholte sich der Arbeitsmarkt deutlich langsamer als in den Rezessionen vorher. Damals verfiel man aber auf den Trick mit der Hauspekulation. Gelockt durch billige Darlehen entstand ein Wohlstandseffekt, der die flache Entwicklung bei den Arbeitseinkommen ab dem Frühjahr 2003 (über-)kompensierte.
Derselbe "Trick" funktioniert heute nicht mehr, also springt -wiederum mit gigantischer Verschuldung- der Staat in die Bresche, indem er per Konjunkturprogramm und Steuersenkungen Nachfrage schafft. Immer in der Hoffnung, dass der "Keynessche Multiplikator" über eins liegt. Das aber entscheidet sich letztlich beim Verbraucher - kann er mehr ausgeben UND gibt er auch mehr aus, dann bestehen hierfür gewisse Chancen.
Aber danach sieht es zur Zeit nicht aus. Zwar ist das verfügbare Einkommen zuletzt gestiegen (Chart!), gleichzeitig aber legt die Sparquote kräftig zu (Chart!). Und sowohl PCE (Personal Consumption Expenditures - Chart!), wie erst recht die Einzelhandelsumsätze (Chart!) stehen nach wie vor auf Kontraktion. Wenn "Replay 2003" stimmt, dann müssten beide jetzt zumindest in den neutralen Zustand wechseln. Der Einbruch des Verbrauchervertrauens spricht erst einmal nicht dafür.
Die Steigerungen bei den Rohstoffpreisen gehen auf drei Effekte zurück. Einerseits sind sie als Korrektur auf den zuvor eingetretenen Absturz zu sehen, andererseits macht sich hier die chinesische Politik bemerkbar, Doller-Reserven in Rohstoffen anzulegen. Drittens ist natürlich auch die Spekulation schon wieder fröhlich unterwegs. Sie versuchte z.B., beim Rohöl Brent seit drei Wochen mehrfach, über die Marke bei gut 72 Dollar zu kommen. Das kann jetzt wohl erst einmal als gescheitert angesehen werden. Nun muss sich zeigen, ob der Pegel bei gut 66 Dollar ausreichenden Support bietet. Ansonsten heißt das nächste Ziel wohl 60 Dollar (Chart!).
Man kann in der jetzigen Situation steigende Rohstoffpreise sogar gerade als deflationäres Indiz werten. Denn aufgrund der geringen kaufkräftigen Nachfrage und der starken Verschuldung der Konsumenten führen steigende Ausgaben für Energie und andere unverzichtbare Waren notwendigerweise zur Einschränkung von "normalen" Verbrauchsausgaben. Und sinkende Nachfrage führt ("ceteri paribus") zu sinkenden Preisen.
Ein wesentlicher nicht-monetärer Effekt ist die Entwicklung des Wachstums des Output-Potenzials. Der aktuelle Quartalsbericht der EU-Komission prognostiziert, dass sein Wachstum von 1,6 % in 2007 auf 0,7 % in 2010 zurückgeht. Dann werde es zwar wieder steigen, aber nicht wieder auf die zuvor erreichten Werte. Maßgebliche Gründe sind geringere Investitionsquoten und durch die Kreditklemme sinkende Faktorproduktivität. Hierauf werde ich demnächst noch zurückkommen. Einstweilen soll der Blick auf den amerikanischen Industrieproduktionsindex genügen (Chart!). Auch der zeigt das Ausmaß dieser Rezession sehr deutlich. Als die Bullen im März 2003 loszogen, hatte sich der Index schon seit September 2002 stabilisiert. Davon kann aktuell überhaupt noch keine Rede sein.
Es mag Gründe geben, warum die Aktienkurse auch jetzt noch weiter steigen. Aber die sollte man dann weder in einer Konjunkturbelebung noch in einer bald anziehenden Inflation suchen. Krugman geht in seinem Blog sogar so weit, dass er Warnungen vor baldiger Inflation als Lüge bezeichnet.
Ob die Aktienkurse am aktuellen Punkt weiter steigen oder zunächst den weiteren Rückzug antreten, das liegt daran, wie gierig die Seitenlinie ist. Wenn in der nächsten Zeit wieder vermehrt das Thema Deflation diskutiert wird, dürfte der Appetit sinken. Dass dabei Staatsanleihen nicht zwangsläufig profitieren, liegt nicht zuletzt an den krass verschuldeten Emittenten. Eine sich auswachsende Deflation ist nämlich auch Gift für (fast) jede Art von Assetkäufen.
$NYA150R und $NYA50R "haben fertig". Insbesondere der erste besitzt wieder starkes Down-Potenzial. Ich gehe davon aus, dass die großen Call-Schreiber (Stillhalter) bereits massiv am Werk sind.
Angehängte Grafik: _nya150r-4jd.png
Zitat aus dem Artikel: "“The common denominator for most of the bank failures so far has been troubled construction loans”
Zu deutsch: "Der gemeinsame Nenner bei den Bankpleiten sind faule Bau-Kredite."
Die unsinnige Theorie vom Zinseszins unterschlägt die immerwährende Inflation. Es ist gar nicht so einfach einen Geldbestand so wachsen zu lassen, dass er seine Kaufkraft behält. Dazu muss man sogar manchmal Risiken eingehen, die den Bestand erheblich mindern oder gar zerstören können. Demgegenüber braucht der Schuldner sich nicht anzustrengen. Die Zeit erledigt seine Probleme. Nicht grundlos ist die Deflation so unbeliebt.
Passt zu den Goldseiten ...
"Ich gehe davon aus, dass die großen Call-Schreiber (Stillhalter) bereits massiv am Werk sind."
Das ist die aktive Seite - also die leicht bärische Wette, durch Leerverkauf von Call-Kontrakten (teils auch covered call) auf deren bei Indexrückgängen wertlosen Verfall zu setzen.
MMn noch "marktbewegender" sind diejenigen, die in den letzten Wochen/Monaten Put-Kontrakte leer verkauft haben (eine leicht bullische Wette), um an der Seitwärtsbewegung samt wegsackender Vola zu verdienen. Wenn im Sinne der Put-Shorter "alles gut geht" (die Indizes also seitwärts laufen oder leicht steigen), vereinnahmen sie die Optionsprämie bei wertlosem Verfall. Kommen die Indizes hingegen vor dem Verfall ins Rutschen, müssen die Put-Shorter zwingend und schnell aus diesen Posis raus, weil sonst riesige Verluste auflaufen. Dazu können sie sie glattstellen (was auf Put-KÄUFE hinausläuft, die weiter drücken) oder das Underlying dagegen shorten (Futures), was ebenfalls auf die Kurse drückt. Die steigende Vola arbeitet dann zusätzlich gegen sie.
Die Cover-Panik verzockter Put-Shorter ist mMn marktbewegender als die eher planmäßigen Trades von Call-Shortern. Deshalb werden auch kritische Indexmarken wie 875 im SPX so heftig mit Futures "verteidigt": Die wenigsten Probleme bekommt man, wenn man sie im Vorfeld "plattschießt".
Die diesbezüglichen Daten stammen übrigens vom Bureau of Labor Statistics (BLS), doch werden solche wohlweislich nicht für die Öffentlichkeit "aufbereitet"! Da könnte ja Skepsis oder gar Panik aufkommen. Und dies muss ja nicht unbedingt sein, gell!
Angehängte Grafik: uemp15ov_max_630_378.png
[Freilich ist die Annahme permanenten Wirtschaftswachstum selber ein voraussichtlich nicht haltbares Schneeball-System, das auf unserem überbevölkerten Planeten letztlich an Ressourcengrenzen scheitert - aber das ist ein anderes Thema...]
Zurzeit aber werden all die frommen Neuverschuldungsvorsätze über den Haufen geworfen. Not kennt kein Gebot, wenn die Bankenbonzen ausgebailt werden wollen. Deutschland nimmt 6 % Neuverschuldung auf, USA sogar 13 %. Dies ist mMn die eigentliche Crux der gegenwärtigen Schuldenorgie - zumal die BIPs in der Krise weiter sinken werden, was die Schuldenquote prozentual noch höher treibt.
Es ist tatsächlich nicht einfach, sein Geld bei geringem Risiko so anzulegen, dass die Inflation es nicht heimlich auffrisst. Im gegenwärtigen Nullzins-Umfeld (Leitzinsen) muss man schon zu riskanten längerfristigen Anleihen greifen, die jedoch temporär absacken können, wenn doch wieder Inflation aufkommt. (Wählt man Unternehmensanleihen, droht auch Ausfall durch Pleiten.) Der Privatanleger, der sein Geld vor Inflation retten will, nimmt sozusagen den Gegenpart ein zu den Staaten, die versuchen, sich über die Inflation schleichend und klammheimlich zu entschulden.
Besagte Zinseszinseffekte sollte man tunlichst auch bei bisherigen Aktien-Gewinnen berücksichtigen. Was nützt es, wenn sich der DOW von 1982 bis 2009 versiebenfacht hat, wenn die Dollarkaufkraft sich im selben Zeitraum geviertelt hat. Der Nettonutzen ist selbst bei optimalem Long-Einstieg in 1982 relativ klein.
Wer Mitte der 1990-er Jahr in US-Aktien einstieg, hat nominell fast gar nichts gewonnen und unter Inflationsaspekten sein Geld mehr als halbiert, sofern Dividenden das nicht teilweise kompensiert haben (Tech-Firmen zahlen meist keine Div.).
Das gilt übrigens auch für Goldkäufer, die 1980 bei 850 Dollar eingestiegen sind. Sie haben jetzt zwar ihren Einstiegskurs wiedererreicht, aber der Dollar ist nur noch ein Viertel wert, so dass unterm Strich 75 % Verlust angefallen sind. Wer stattdessen Staatsanleihen hatte, wurde für die seitdem aufgelaufenenen Inflationsverluste wenigstens mit den Zinszahlungen entschädigt. Mit Glück hat man dann seine damalige Kaufkraft über die Runden gerettet. Beim Gold hat man das definitiv nicht. Das ist mit ein Grund, warum mir die Heilsversprechungen der Goldseiten nicht behagen. Lediglich im Fall des Supergaus wäre Gold ein veritable Option (neben Raviolidosen). Ich hoffe immer noch, dass es dazu nicht kommen wird, werde aber zugegeben pessimistischer...
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Disclaimer: EurAmS ist Hosianna/Halali-Postille der Fongg-Industrie eigentlich keines Klickes wert. Trotzdem überfliege ich, sofern Zeit dazu, die wöchentlichen Ergüsse bei finanzen.net (beides aus dem ASV-Finanzkonglomerat). Um zu sehen, mit welchen Argumentationen das gemeine Anlegervolk gerade wieder über's Ohr gehauen wird.
Inhaltlich ist der Artikel obsolet: Hier im Thread wurde hinreichend durchgekaut, daß die gegenwärtige Situation weder mit 2003 (siehe oben, timepatternanalysis), noch mit 1975 noch mit 1938 vergleichbar ist. Aber Grüner findet ja auch ständig solche Parallelen, also wird's wohl stimmen ;o)
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Wiederholt sich die Geschichte? (EuramS) - von Jens Castner
Mitten in der Krise begann 1975 eine Mega-Hausse. Der aktuelle DAX-Chart ist dem damaligen frappierend ähnlich. Das spricht für steigende Kurse. Oder doch nicht?
Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks hatte Klaus Deppermann den finalen Abverkauf am 9. März und das anschließende Ende der Talfahrt am Aktienmarkt vorhergesagt. Jetzt legt der Technische Analyst in Diensten der BHF-Bank nach und ruft das Ende der jüngsten Zwischenkorrektur aus. "Spätestens im ersten Quartal 2010 steht der DAX bei 6200 Punkten", sagt der Börsenexperte ruhig und ohne den branchenüblichen Brustton der Überzeugung. Unfehlbar sei er natürlich nicht, obwohl er alle erdenklichen Fehler im Lauf seines Leben schon mindestens einmal gemacht habe, scherzt der 51-Jährige. Trotz seiner zuletzt nahezu 100-prozentigen Trefferquote teilen die meisten seiner Kollegen Deppermanns Optimismus nicht. Vor allem Anhänger der Elliott-Wellen-Theorie halten entgegen, dass eine fünfte Ausverkaufswelle noch fehle.
Die müsse zwar nicht "zwangsläufig zu neuen Tiefstständen führen", erklärt Dietrich Denkhaus, Mitglied in der Vereinigung der Technischen Analysten Deutschlands (VTAD). "Doch in den nächsten zwei bis drei Monaten kann es noch einmal richtig ungemütlich werden, bevor sich der DAX wieder in Richtung 5200 Punkte in Bewegung setzt." Marcus Metz von Staud Research sieht längerfristig sogar die Gefahr, dass die Märkte noch einmal auf die Tiefststände aus den Jahren 2002 und 2003 abrutschen. Dieses Szenario sei "selbst dann noch nicht aus der Welt, wenn die Erholung sich noch ein bis zwei Quartale in Richtung 6000 Punkte fortsetzt". Aus dem Pessimismus der Analystenzunft zieht Deppermann seine Zuversicht.
Stimmungsindikatoren wie der Sentix geben ihm Auftrieb. "In der Umfrage vom 12. Juni zeigten sich die Befragten skeptischer als jemals zuvor. Damit ähnelt die gegenwärtige Konstellation sehr stark der vom Juni 2003", so Deppermann. Damals vor sechs Jahren hatte der DAX gedreht, als die Panik nach dem Abrutschen unter die Marke von 2200 Punkten am größten war. Und drei Monate später, nach gut 50 Prozent Kursgewinn, hatte ebenfalls die Mehrheit der Investoren der ersten Erholungsphase misstraut. Das Ende ist bekannt: Die vermeintliche Bärenmarktrally entpuppte sich als Beginn einer fünfjährigen Hausse. Parallelen zur Vergangenheit findet Deppermann en masse. Die Konstellation im amerikanischen S & P-500-Index erinnert ihn frappierend an den Beginn der Hausse von 1982, die bis ins Jahr 2000 reichte.
Ein noch klareres Bild ergibt sich, wenn man die Charts von 1974/75 und 2008/09 übereinanderlegt. Nicht nur die Kurse verlaufen nahezu identisch – damals hatte der DAX fast exakt ein Zehntel des heutigen Punktestands –, auch das fundamentale Umfeld spricht Bände: "Alles jammerte über die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg", erinnert sich Deppermann. Allerdings ist er nicht der Einzige, der mit solchen Chartverschiebungen arbeitet. Andere legen den aktuellen Chart des Dow Jones über den von 1929 und entdecken ebenfalls beängstigende Ähnlichkeiten.
Ein Irrtum auf der Zeitachse, ist Deppermann überzeugt. "Der Crash von 1929 entspricht dem Platzen der Technologieblase von 2000 bis 2003. Heute befinden wir uns börsentechnisch bereits im Jahr 1938." Doch selbst nach 1938 dauerte es fast ein Jahrzehnt, bis die Börse wieder zum Höhenflug ansetzte. Auch das könne sich wiederholen, glaubt Deppermann – aber nicht in DAX und Dow, sondern an der Nasdaq, die vom 2000er-Hoch bei über 5000 Punkten meilenweit entfernt ist. "Solche Blasen brauchen im Schnitt 21 Jahre, bis sie sich korrigiert haben. Auch Japan ist seit 18 Jahren nicht mehr auf die Beine gekommen." Die nächste Hausse vermutet er deshalb im Rohstoffsektor: "Nach dem Platzen der Goldblase von 1980 hat es bis zur nächsten echten Aufwärtsbewegung ebenfalls 21 Jahre gedauert." Und weil Blasenbildungen historisch meist zum Ende eines Jahrzehnts auftraten, wären die Edelmetalle an der Reihe. "Gut denkbar, dass sich Gold und Silber bis ins nächste Jahr verdoppeln."
http://www.finanzen.net/nachricht/...h_die_Geschichte__EuramS__910945
Angehängte Grafik: _usd5jd.png
Aktuell wird die vermeintliche V-Erholung wegen der "unerwarteten" Eintrübungen am Arbeitsmarkt und beim Konsum in eine W-Erholung umgedeutet. Die beiden unteren Spitzen des W stehen dabei für den Doppelboden der "Doppelrezession".
Schon bald aber dürfte sich die Einsicht durchsetzen, dass es die herbeiphantasierten Green Shoots in Wirklichkeit gar nicht gegeben hat. Deshalb muss beim W der "euphorische Mittelteil" nachträglich rausgenommen werden, was das W rückblickend zum U macht.
Die Crux jedes U - und der wesentliche Unterschied zum L - ist jedoch der, dass es ab einem Zeitpunkt X wieder steil nach oben geht. Zurzeit wird X mit 2010 veranschlagt. Dabei besteht aber jede Menge Enttäuschungspotenzial - etwa weil sich wider Erwarten global japanische Verhältnisse (Deflation) einstellen. Dies hätte zur Folge, dass der Boden des U (mithin das _) mit der Zeit immer länger wird; die Erholungshoffnung rückt in immer fernere Zukunft.
Nach etwa zehn Jahren dürfte dann auch dem letzten Optimisten klar geworden sein, dass die erwartete Aufwärtsflanke am Ende des U "ausgefallen" ist. Dank des "benefit of hindsight" kann die Krise dann erstmals als das wahrgenommen werden, was sie wirklich ist, nämlich ein L-Boden. Ansätze zu dieser Formation lassen sich bereits jetzt trefflich in den Charts von AIG, Fannie (FNM), Freddie (FRE) und Citigroup (C) beobachten. Um den L-Boden optisch perfekt zu machen, muss man nur das Rumdümpeln nahe Null in einem Zehnjahres-Chart nach "vorn" extrapolieren (mit dem bei Analysten so beliebten Verfahren der "Strichverlängerung").
Die Welt ist endgütlig wieder versöhnt bzw. im Lot, wenn sich die Kluft zwischen Phantasien und faktischer Wahrnehmung der erstrebenswerten Null-Marke genähert hat.. Mit dem Schwinden des "reality gap" wird das L dann gedanklich akzeptiert - und Alles wird gut. Es kann sogar so gut werden, dass wider Erwarten irgendwann doch noch ein U draus wird.
Ich will hier aber niemandem ein X für ein P vormachen.
A.L.
Am besten gefiel mir Deppermanns (nomen est omen) Satz: "Der Crash von 1929 entspricht dem Platzen der Technologieblase von 2000 bis 2003. Heute befinden wir uns börsentechnisch bereits im Jahr 1938."
Tätsächlich war die Dot.com-Krise nur ein popeliges Vorgeplänkel. US-Statistiker hatten große Mühe, die Rezession von 2001 rückwirkend aus revidierten Wirtschaftsdaten zu rekonstruieren und dadurch überhaupt erst "erkennbar" zu machen. O.k., ein paar Zocker im Hightech-Sektor haben Haus und Hof verloren. Aber davon ging die Welt nicht unter.
Im Vergleich dazu hat der Niedergang ab 2007 geradezu epische Dimensionen. Er hob fast das gesamte Finanzsystem aus den und zwingt die Notenbanken noch immer zu unerprobten Geldflutungsexperimenten mit ungewissem Ausgang. Das ist ein völlig anderes Kaliber.
Bei Deppermann hat's offenbar nicht gescheppert.
Rendite muss man immer im Zusammenhang mit Inflation und Steuern sehen. Man will seine Kaufkraft ja netto erhalten oder vermehren. Firmenanleihen mit längeren Laufzeiten sind bei der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung gewagt. Man muss das Fett, das die entsprechende Firma auf dem Rücken hat, abschätzen und danach die Restlaufzeit bestimmen. Da gibt es noch sehr gesunde Firmen. Bei denen sind manchmal auf Jahressicht die Renditen noch geringer als bei Staatsanleihen. Längere Laufzeiten bei Staatsanleihen verlangen die Beurteilung des Inflationsrisikos und zwar im Sinne eines einigermaßen richtigen Timings. Deshalb habe ich immer hier im Thead die Drohaussagen "Es wird eine dicke Inflation kommen" bemängelt. Sicherlich ist alles irgendwann zu Ende und wir werden kein ewiges Wachstum erleben. Ohne dass dabei der ungefähre Zeitpunkt abgeschätzt wird ist es schade für die Bits auf den Festplatten. Nutzt beim Spekulieren überhaupt nichts. Weil man den Zeitpunkt aber nie genau abschätzen kann, wird man mit unterschiedlichen Restlaufzeiten spielen. Je überzeugter man von einer längeren Deflation ist desto längere Laufzeiten sind gefordert. Hat mein keine Vorstellungen (Gedanken) kann man auch nicht groß auf Vermehrung spekulieren.
In Zeiten wie diesen ist auch der Erhalt nicht unwichtig. Man sollte nicht alles der Bank geben, auch wenn die Bank einen besseren Zins bietet. Das ist zu risikoreich. Im Falle eines Falles haftet der Steuerzahler für 50.000 €. Alles andere kann man in einem wirklichen Ernstfall alles vergessen.
Wichtige Daten und Ereignisse - Woche: [06.07. - 10.07.2009]
| Tag | Region | Konsens | Vorperiode | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Mo | US | Service-Sektor-ISM, Juni (16.00) | 47 | 46 | 47 |
| Di | DE | Auftragseingänge, Mai (12.00) | 1,2 % gg. Vm. | 0,5 % gg. Vm. | 0,0 % gg. Vm. |
| Mi | DE | Industrieproduktion, Mai (12.00) | 1,0 % gg. Vm. | 0,5 % gg. Vm. | -1,9 % gg. Vm. |
| Do | DE | Handelsbilanz, Mai (08.00) | 8,0 Mrd. EUR | 9,2 Mrd. EUR | 9,0 Mrd. EUR |
| EUR | EZB-Monatsbericht, Juli (10.00) | ||||
| GB | BoE-Zinsentscheidung, Juli (13.00) | 0,5 % | 0,5 % | 0,5 % | |
| US | Jobless Claims, Juni (14.30) | 605.000 | - | 614.000 | |
| Fr | US | Handelsbilanz, Mai (14.30) | -31 Mrd. USD | -30 Mrd. USD | -29,2 Mrd. USD |
| Konsumentenvertrauen, Juli (16.00) | 69,0 | 70,6 | 70,8 | ||
| Quelle: HSBC Trinkaus |
FTD - Wochenausblick
Die Party der Aktionäre ist vorbei
von Von Doris Grass, Rolf Lebert (Frankfurt) und Astrid Dörner (New York)
Risikoscheue hat nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten bei den Anlegern den bisherigen Optimismus abgelöst. Strategen räumen Aktien derzeit im positivsten Fall kein Abwärtspotenzial ein.
(Links im Orig.)
Die Zurückhaltung am Aktienmarkt gibt den Staatsanleihen die Chance auf Kursgewinne und stützt den Dollar. Nach der stärksten Hausse seit über 70 Jahren beim S & P 500 und einem Anstieg des Dax von fast 40 Prozent von März bis Anfang Juni ist nun wieder Ernüchterung eingekehrt.
Die US-Arbeitsmarktdaten für den Monat Juni waren sehr viel schlechter als erwartet ausgefallen und haben Anlegern deutlich vor Augen geführt, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise noch lange nicht ausgestanden ist. Bisher wiesen nur die weichen Stimmungsindikatoren nach oben, was fehlt, sind die harten Fakten, die einen Konjunkturaufschwung unterfüttern. In der bevorstehenden Woche stehen auf beiden Seiten des Atlantiks nur Konjunkturdaten der zweiten Reihe an....
(Absatz über Schlussstände am Freitag weggelassen).
Die enttäuschenden US-Daten dürften nach Einschätzung der Investmentbank Jefferies denjenigen, die einer Erholung das Wort redeten und "grüne Sprösslinge" erkannt haben wollten, den Wind aus den Segeln nehmen. Die neue Skepsis könnte nun schon bald in erhöhte Risikoprämien umschlagen.
Auch stellt sich mit dem Beginn der Berichtssaison in den USA wieder die Bewertungsfrage an den Börsen. Nach der deutlichen Erholung seit März und angesichts des dramatischen Gewinneinbruchs der Unternehmen sind Aktien inzwischen alles andere als günstig. Sollten die Zahlen für das zweite Quartal nun noch schlechter ausfallen als bereits befürchtet, treibe das die Bewertungen bei gleichbleibenden Kursen noch weiter in die Höhe.
Laut Berechnungen der DZ-Bank beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Dax auf Basis der geschätzten Gewinne von 2009 derzeit 26. Das sei im historischen Vergleich relativ hoch. Allein vom KGV aus betrachtet dürfte die Luft für den Aktienindex daher nach oben begrenzt sein; nach unten bestehe hingegen Spielraum.
Einen längeren Zeithorizont hat die Deutsche Bank jüngst in einer Studie zu den Aussichten von Europas Börsen eingenommen. Die Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Aktienmärkte seit dem Platzen der größten Blase der Geschichte im Jahr 2000 in einem Bärenmarkt befinden. Selbst bei den März-Indexständen hätten die Bewertungen nur leicht unterhalb ihres langfristigen fairen Werts gelegen. Wie ein Blick in die Historie zeige, habe ein Bärenmarkt aber noch nie auf dem fairen Niveau, sondern erst bei sehr viel tieferen Notierungen einen Boden ausgebildet.
Vor allem für die Wall Street zeigen sich Experten pessimistisch. "Wir rechnen mit enttäuschenden Quartalsergebissen", sagt Peter Demirali, Aktienstratege bei Cumberland Advisors. "Unternehmen befinden sich immer noch in einer schwierigen Zeit." Er geht nicht davon aus, dass das schlimmste bereits überstanden sei. Es werde viel eher noch einige Quartale mit schwachem oder negativem Wachstum geben. Das werde auch in den nächsten Wochen die Märkte belasten.
Auch gehen Marktbeobachter davon aus, dass Finanzaktien nicht mehr wie im vergangenen Quartal die Märkte bestimmen werden. "Künftige Zuwächse am Markt wird es nur durch hochwertige, finanziell starke Unternehmen geben, die weiter in einem schwierigen Umfeld bestehen können", sagt Michael Farr, Präsident der Vermögensverwaltung Farr, Miller and Washington. "Die tief hängenden Früchte sind bereits geerntet. Solange die Unternehmensgewinne nicht zurück kommen, werden Investoren nicht mehr wie bisher weiter auf riskante Wertpapiere setzen", sagt Miller. Und bis dahin sei es noch ein weiter Weg.
Die wieder aufflammende Risikoscheu und Konjunkturskepsis dürfte die Investoren dagegen wieder in Staatsanleihen und den Dollar treiben. Allerdings sei das Kurspotenzial bei den Staatstiteln angesichts der Gewinne der vergangenen Woche begrenzt, so die Analysten von HSBC Trinkaus. Die Strategen der Commerzbank sehen vor allem Kurzläufer gut unterstützt, weil sie davon profitieren, dass die Zinsen noch lange Zeit niedrig bleiben. Dem Euro droht nach Ansicht der HSBC-Experten ein Rückschlag Richtung 1,38/1,37 $. Antje Praefcke, Währungsstrategin der Commerzbank, hält gar einen Rutsch des Euro auf 1,36 $ bis Ende Juli für möglich. Am frühen Freitag Abend kostete ein Euro 1,3985 $.
http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/...re-ist-vorbei/535799.html
Sehr aufschlussreiches Interview via Zero Hedge. Einfach mal anschauen.
Joe Saluzzi of Themis Trading on Bloomberg TV, discussing several critical topics previously covered extensively on Zero Hedge: the real state of the economy, high frequency program trading and outright market manipulation.
To quote Joe:
"I have a feeling one day the door is gonna close, everyone is going to be running for the exits, there is going to be a major move in the market and everyone is going to wonder "what happened?"
There is problem structurally in the equity markets that nobody wants to talk about. There is intervention, there is manipulation going on. No one has exact proof of what is going on but it's out there, and the real liquidity has been gone for a while. People don't understand, the liquidity is not coming back."
http://www.zerohedge.com/node/12085






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